Erstellt am 19. Oktober 2016, 05:20

von Hans Kopitz

Barockjuwel befindet sich in Nöten. Es ist kein Geld für eine Generalsanierung da. Renovierung erfolgt daher in kleinen Schritten.

Oberhalb der Sitzbänke und des Altares schützt schon seit drei Jahren ein Netz vor herabstürzenden Stuckteilen.  |  NOEN, Hans Kopitz

Schon seit Ende Juni finden die Sonntags-Gottesdienste im Pfarrzentrum statt. Bei größeren Festen wie dem jüngsten Weinlesefest oder bei den kommenden Nikolaus- und Adventfeiern ist das Pfarrzentrum zu klein und man muss in den Pfarrstadl ausweichen, denn die Pfarrkirche ist zur Zeit geschlossen. Und sie wird es voraussichtlich auch noch längere Zeit bleiben.

Grund ist der desolate Zustand des Gotteshauses, das so wie der Pfarrhof und das ehemalige Geriatriezentrum unter Denkmalschutz steht. Die Kirche selbst und deren Ausstattung bedürfen einer dringenden Renovierung beziehungsweise Restaurierung, die jetzt in Angriff genommen wurde.

"Mehr als 90 Prozent Handarbeit"

Während vor zwei Jahren die Trockenlegung an den Außenmauern erledigt wurde, ist derzeit die Trockenlegung im Inneren der Kirche an der Reihe, denn die Feuchtigkeit, die vom Boden aufsteigt, ist schon ziemlich hoch gewandert.

So wurden schon zum Teil entlang der Mauern die Erde ausgehoben und die ausgegrabenen Künetten mit Gleisschotter aufgefüllt, sodass die Feuchtigkeit heraus kann. „Es ist zu mehr als 90 Prozent Handarbeit und nur geringfügig kann der Bagger eingesetzt werden“, erklärt Baupolier Anton Lue.

Bis Mitte Jänner sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Sie kosten rund 200.000 Euro und werden ausschließlich von heimischen Firmen durchgeführt. Die Kosten teilen sich der Bund, das Land, die Diözese, das Stift und die Pfarre.

Ein Netz schützt die Kirchenbesucher

Damit ist dann der erste Teil der Innenrenovierung abgeschlossen. Wie es weitergeht, steht noch in den Sternen, aber es muss etwas gemacht werden, denn schon seit rund drei Jahren schützt ein oberhalb der Sitzbänke gespanntes Netz die Kirchenbesucher vor herabstürzenden Stuckteilen. Eigentlich schade, dass für das Barockjuwel kein Geld für die Totalsanierung vorhanden ist.

In St. Andrä gibt man sich auch mit kleinen Schritten zufrieden: „Natürlich sind wir froh, dass jetzt etwas geschieht, denn wir machen bereits seit dem Jahr 2000 einmal im Monat nach dem Sonntagsgottesdienst eine Spendensammlung zugunsten der Kirchenrenovierung“, sagt Peter Buchinger vom Pfarrgemeinderat.

Urkundlich erwähnt wird St. Andrä zum ersten Mal in einer Göttweiger Urkunde, die vor 1091 datiert wird. Vermutlich stand seit Ende des 10. Jahrhunderts auch eine burgähnliche Befestigung an diesem Ort an der Traisen.

Mit Walther von Traisma, der hier seinen größten Besitz hatte, starb diese Adelsfamilie aus. Walther hatte mittels Testament bestimmt, dass an seinem Edelsitz 1148 ein Kloster gegründet werden soll - und nach Anfangsschwierigkeiten konnte der erste Propst, Gottschalk, im Jahr 1160 hier auch eine Klostergemeinschaft errichten.

Türkeneinfälle fügten schwere Schäden zu

Im 13. und 14. Jahrhundert erlebte das Kloster einen großen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich auch im Ausbau der gesamten Anlage auswirkte. Feuersbrünste, Überschwemmungen und zweimalige Verwüstungen durch Türkeneinfälle - 1529 und 1683 - fügten dem Kloster schwere Schäden zu und auch die Reformation ist nicht ohne Spuren vorbeigegangen.

Die barocke Bauphase setzte mit Propst Augustin Erath Ende des 17. Jahrhunderts ein, der zunächst daran ging, das verwüstete Kloster wieder aufzubauen. 1726 erfolgte die Grundsteinlegung zum Bau einer neuen Kirche und 1729 war sie vollendet.

Nur kurz war die Freude der Klostergemeinschaft über die neugestalteten Gebäude: 1783 hob Kaiser Joseph II. das Kloster St. Andrä auf und bestimmte, dass es dem benachbarten Stift Herzogenburg inkorporiert werde.

Pfarrkirche als Aushängeschild von St. Andrä

Das Klostergebäude wurde nach wechselhaften Verwendungszwecken - auch als Kaserne - im Jahre 1828 dem Armenfonds der Stadt Wien übergeben und wurde bis zum Vorjahr als Geriatriezentrum der Gemeinde Wien genutzt.

Aushängeschild von St. Andrä ist jedoch die ehemalige Stiftskirche, die heute Pfarrkirche ist.

Wahrscheinlich geht die Kirche mit ihrer imposanten Ostfassade auf den Baumeister Joseph Munggenast zurück. Sie beherbergt in ihrem Inneren den frühesten Freskenzyklus und zwei Altarbilder von Paul Troger.

Bilder stammen vom „Wiener Schmidt“

Zur erstklassigen Ausstattung zählen außerdem die prunkvoll vergoldete Kanzel von Joseph Matthias Götz, die Bilder von Johann Georg Schmidt - dem „Wiener Schmidt“ - und eine durch barocke Vergoldung verfremdete gotische Madonnenstatue auf dem Marienaltar.