Ratzersdorf , Herzogenburg

Erstellt am 19. Juli 2016, 05:08

von Alex Erber

Nebenbuhler wurde verprügelt. Rivale wurde beinahe in flagranti erwischt. Er versteckte sich im Schrank, doch der Gehörnte entdeckte ihn. Es setzte drei Faustschläge ins Gesicht: 600 Euro Geldbuße.

 |  NOEN, Symbolbild

Das Familienglück eines türkischstämmigen Mannes schien perfekt: attraktive Gattin, zwei kleine Kinder, idyllisches Einfamilienhaus in Ratzersdorf. Das hat 350.000 Euro gekostet, aber als Schichtarbeiter in Herzogenburg verdient man zumindest so viel, dass das Abstottern des Kredits kein Problem zu sein schien. Doch irgendwann stellte der 25-Jährige Veränderungen an seiner Frau fest: „Ich habe zuerst ein Burn-Out befürchtet oder eine sonstige Überlastung.“

Ein paar Wochen später dämmerte es dem Ehemann dann, dass die Überlastung anderer Natur sein könnte: „Ich dachte, dass sie mich mit einem anderen Mann betrügt.“

Daher installierte er zwei Tonbandgeräte im Schlaf- und im Kinderzimmer. Es dauerte nicht lange, da wurde sein Verdacht durch eindeutige Geräusche auf den Aufnahmen erhärtet.

Es schrillten drei Alarmglocken

Als er einmal etwas früher nach Hause kam und die Bewegungsmelder für Licht in der Einfahrt sorgten, schrillten drei Alarmglocken. Beim Ehemann, der zwei Schatten durchs Schlafzimmer huschen sah, bei der Ehegattin und beim Nebenbuhler. Die Frau fand der Arbeiter dann friedlich schlafend im Bett vor. Der Mann ließ sich aber nicht täuschen. Seine Gattin stellte sich nur schlafend, der Nebenbuhler hatte sich im Schrank versteckt und wurde prompt entdeckt.

Der Gehörnte muss sich nun wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung in einem Prozess am Landesgericht St. Pölten verantworten. Dem Rivalen habe er drei Faustschläge ins Gesicht verpasst, die Frau nur leicht mit dem Handrücken gestreift. Später hat er den Nebenbuhler zwar angerufen, ihn aber nicht mit dem Umbringen bedroht, sondern ihn eindringlich gewarnt: „Halte dich von meiner Frau und meinem Haus fern!“

Während sich die Gattin der Aussage entschlug, plauderte sich der Nebenbuhler, ebenfalls türkischstämmig, um ein Haar schnurstracks in ein Strafverfahren. Die Verletzungen habe er sich auf der Flucht zugezogen. Und telefoniert habe man gar nicht.

Der Richter fällt ein salomonisches Urteil. Freispruch vom Vorwurf der gefährlichen Drohung, für die Körperverletzung setzt es eine Geldbuße im Ausmaß von 600 Euro. 100 Euro Verfahrenskosten muss der Angeklagte ebenfalls berappen. Das Ehepaar ist mittlerweile einvernehmlich geschieden.