Erstellt am 15. Dezember 2015, 05:23

von Alex Erber

Der Ärger ist massiv. ÖBB-Fahrplan bringt Vorteile, hat aber auch Schattenseiten. Das betrifft etwa S-40-Pendler, die die Franz-Josefs-Bahn benutzen.

 |  NOEN, ÖBB

Nun ist er also in Kraft getreten, der neue Fahrplan der ÖBB. Er bringt für viele Passagiere viele Vorteile. Der Wiener Hauptbahnhof ist eine moderne Verkehrsdrehscheibe, die europaweit keinen Vergleich scheuen braucht. Insgesamt 22 schnelle REX-200-Verbindungen stehen Pendlern zum Westbahnhof zur Verfügung, der entgegen ersten Befürchtungen nicht gänzlich ausgedünnt worden ist.
Aber so ist es eben: Die Schwerpunkte liegen bei diesen beiden Bahnhöfen. Und das ist für Pendler, die aus der Region Herzogenburg zum Franz-Josefs-Bahnhof gelangen möchten, gelinde gesagt unerfreulich.

Leopold Hintermayer aus Gemeinlebarn pendelt seit 1990 täglich von seinem Wohnort zum Franz-Josefs-Bahnhof. Am Morgen benötigte er für die Strecke bisher 56 Minuten, am Abend 60 Minuten. Das hat sich geändert: „Meine Fahrzeit auf dieser Strecke verlängert sich um insgesamt mindestens 34 Minuten. Dies sind 45 Prozent mehr, als die jetzige Fahrzeit beträgt.

Auf 200 Arbeitstage im Jahr hochgerechnet, entsteht ein erhöhter Zeitaufwand von mindestens 113 Stunden, das sind 2,833 Arbeitswochen im Jahr“, rechnet er vor. Und: „Dabei habe ich noch Glück, würde ich nämlich mit späteren Zügen nach Wien fahren, würde sich meine Fahrzeit nochmals verlängern.“

Einmal nach Schwechat, täglich zur Arbeit

Seine Folgerung: „Es mag durchaus sein, dass ich jetzt schneller mit der Bahn zum Flughafen Wien-Schwechat kommen würde, wenn ich denn wollte, aber da dies höchstens einmal im Jahr der Fall sein wird, würde ich lieber dafür 45 Prozent länger benötigen als für meinen täglichen Arbeitsweg.“

VOR-Sprecher Georg Huemer: „Die S 40 wurde vertaktet, das heißt, sie wurde an die wichtigen Taktknoten so angebunden, dass kurze Umstiege gegeben sind.“ Im Bahnhof Tullnerfeld würden kurze Umstiege von der S 40 auf Intercity sowie auf REX 200 angeboten: „Das bringt eine Haltezeit von rund 15 Minuten mit sich. Diese wird für Fahrgäste schlagend, die einen Umstieg auf die wesentlich rascheren Verbindungen zur Westbahn ablehnen.“

Leopold Hintermayer hat auch auf gravierende Probleme der Vertaktung in Tulln hingewiesen (Erreichbarkeit schneller Züge, die aus Krems kommen), aber taktmäßig erfolgt die Ausrichtung auf die Schwerpunkte Hauptbahnhof und Westbahnhof.