Erstellt am 11. April 2017, 05:06

von Alex Erber

Konflikt bei Grünen: „Streit schreckt Wähler ab“. Herzogenburgs Stadtrat Franz Gerstbauer: „Kann Ausschluss der Jugend nachvollziehen.“

 |  NOEN

Mit einem beispiellosen Schritt hat der erweiterte Bundesvorstand der Grünen nach einem Streit mit den „Jungen Grünen“ reagiert: Er hat die Parteijugend ausgeschlossen.

Der Konflikt entzündete sich an einer Wahl, die von der breiten Öffentlichkeit, ja nicht einmal von der überwiegenden Mehrheit der Studierenden wahrgenommen wird. Bei den Hochschüler-Wahlen kandidiert für die Grünen die Liste „Gras“, seit jeher und nach wie vor mit Unterstützung des Parteivorstandes. In Graz und Linz wollten die „Jungen Grünen“ aber eine andere grüne Liste ins Rennen schicken: Der Zwist war vorprogrammiert und endete nach wüsten gegenseitigen Beflegelungen mit dem Ausschluss der Parteijugend.

Was denkt sich die Basis? Gar nichts, wenn man als Beispiel Lisa Sanchez hernimmt, die auf der Homepage der Herzogenburger Grünen als „Aktivistin“ bezeichnet wird: „Ich möchte dazu keine Stellung nehmen“, erklärt sie im NÖN-Gespräch kurz angebunden.

Innerparteilicher Konflikt nicht förderlich

Fraktionsobmann Stadtrat Franz Gerstbauer hat eine Meinung: „Grundsätzlich ist ein innerparteilicher Konflikt, der auch medial sehr hochgespielt wird, nicht förderlich, um das volle Wählerpotenzial auszuschöpfen. Ganz einfach, weil ein Streit Wähler abschreckt. Genährt wird dieser noch von einem Facebook-Schlagabtausch. Ich kann den Beschluss des erweiterten Bundesvorstandes, die Jungen Grünen auszuschließen, aber nachvollziehen. Die Gegenkandidatur zu ,Gras’ widerspricht dem Parteistatut. Keine Partei könnte dies ignorieren.“

Andererseits brauche jede Organisation Nachwuchs, um auf Dauer Bestand zu haben. Die „Jungen Grünen“ hätten mit manchen Forderungen weit übers Ziel geschossen. Gerstbauer: „Sie waren aber beispielsweise auch ein wichtiger Motor im erfolgreichen Bundespräsidentenwahlkampf. Für eine Partei wie in der Gesellschaft gilt: Wer, wenn nicht die Jungen, kann Veränderungen bewirken? Dies ist ein steter Prozess, der mühevoll ist. Die Grünen stehen wieder einmal und sicher nicht zum letzten Mal vor der Herausforderung, Mechanismen in Gang zu setzen, die in der Lage sind, Gegenpole zu ordnen und für die gemeinsame Grüne Sache zu einen.“

„Ich denke, dass nicht alles so heiß gegessen wird wie gekocht.“

Süleyman Zorba bildet im Traismaurer Gemeinderat die Ein-Mann-Fraktion der Grünen. Er hofft, dass sich die Situation bald beruhigt: „Ich denke, dass nicht alles so heiß gegessen wird wie gekocht.“

Süleyman Zorba (Grüne): „Luft nach oben gibt es immer.“  |  NOEN, Schwab

Der Mandatar hat sich über die „kilometerlangen Postings“ im sozialen Netzwerk Facebook gewundert: „Da wurde dann letztendlich über Gott und die Welt philosophiert, es ging nicht mehr um Inhaltliches.“

Der Römerstädter ist mit einigen Mitgliedern der St. Pöltner Stadtgruppe der „Jungen Grünen“ befreundet. An dieser Freundschaft wird sich nichts ändern: „Der Konflikt spielt sich doch eher auf Bundesebene ab, für mich an der Basis fühlt das Ganze ein wenig fremd an.“

Eines hält Zorba jedoch ähnlich wie Franz Gerstbauer fest: „Eine Gegenkandidatur geht gar nicht.“