Erstellt am 18. Juli 2017, 05:45

von Lisa Röhrer und Birgit Kindler

„Wir brauchen Regen“. Ernteausfälle und Qualitätsverlust beim Wein könnten die Folge der andauernden Trockenheit sein.

Winzer Lukas Ettenauer aus Kuffern setzt gezielte Maßnahmen, um seine Rebstöcke trotz der Trockenheit gesund und vital zu halten. Er erklärt: „Eine rechtzeitige Ertragsregulierung kann sicherstellen, dass trotz der Wasserknappheit jede Traube ausreichend versorgt wird. Auf eine gesunde und gut durchlüftete Laubwand ist besonders zu achten. Auch ist es wichtig, die Begrünung zwischen den Zeilen und im Unterstockbereich möglichst kurz zu halten, um das vorhandene Wasser den Reben zur Verfügung zu stellen.“  |  NOEN, Thomas Heumesser

Der Wettergott meint es heuer wohl nicht besonders gut mit den Winzern. Schäden durch den Spätfrost im Frühjahr sind sie zwar um ein Haar entkommen. „Auch von Unwettern sind wir zum Glück verschont geblieben“, berichtet der Inzersdorfer Ludwig Neumayer. Grund zur Sorge gibt es dennoch: Die seit Wochen anhaltende Hitze und Trockenheit macht den Weinbauern im Traisental zu schaffen. Ernteausfälle und Qualitätsverlust des Weins könnten die Folge sein.

„Wenn es nicht bald regnet, wird es dramatisch“, schätzt Bezirksweinbauverbands-Obmann Rudolf Hofmann die Lage ein. Leiden würden vor allem die jüngeren Weinstöcke, bei denen die Wurzelmasse noch gering ist, die älteren würden die Hitze noch besser verkraften. Der Inzersdorfer Winzer Ludwig Neumayer erklärt weiter, dass vor allem steinige Böden in Inzersdorf aber auch am Übergang zum Dunkelsteinerwald, also etwa in Wölbling, unter der Trockenheit zu leiden haben. Weniger betroffen sind hingegen die tiefgründigen Löss-Böden, die man vor allem im Norden des Traisentals vorfindet.

„Es gibt jetzt schon Schäden, die nicht wiedergutzumachen sind!“ Friedrich Preiss

Die Lage sei durchwachsen: Einige Weingärten würden schon ziemlich welk aussehen, andere seien noch gut beieinander, meint Hofmann. „Um die Stöcke zu retten, werden sogar schon teilweise die unreifen Trauben heruntergeschnitten“, so der Traismaurer Winzer.

Etwas weniger dramatisch sieht das Ludwig Neumayer, der im Vorjahr den Hauptstadtwein kelterte: „Noch schaut unser Wein sehr gut aus. Die Trockenheit ist natürlich auch sehr gesund für die Pflanzen. Schön langsam sollte es dann aber wirklich dringend regnen.“ Dieser Wunsch ist wohl allen Winzern im Traisental gemein. Doch auch da muss man differenzieren. „Enorme Regengüsse, wie in der vergangenen Woche sind auch schlecht, denn diese Wassermassen kann der Boden nicht aufnehmen, da hat kein Regentropfen die Wurzel des Weinstocks erreicht“, erklärt Hofmann. Ein Problem sei es vor allem, dass es bereits seit Anfang Mai nicht mehr ordentlich geregnet hat. Der Boden sei schon mit einem Wasserdefizit ins Frühjahr gestartet. „Auswirkungen kann die lange Trockenzeit auf die Qualität haben. Die Trauben sind kleiner mit weniger Säure und auch die Lagerfähigkeit des Weines ist begrenzt“, erklärt Hofmann.

„Kurzes Gießen ist kontraproduktiv“

Durch die schwierige Lage sehe man immer wieder Winzer, die mit Fässern ihre Weinstöcke gießen, berichtet Preiss: „Ich glaube, dass Bewässerung in Zukunft ein immer größeres Thema werden wird.“ Momentan sei das für die meisten Landwirte, nicht zuletzt aufgrund von bürokratischen Hürden, noch schwierig. „Man muss das Wasser irgendwo hernehmen, die Bewässerung bewilligen lassen und zudem kostet es viel Geld“, erklärt der Theyerner.

Jochen Hromatka vom Winzerhof Erber in Wölbling sieht das ähnlich: „Über kurz oder lang wird man an der Bewässerung nicht vorbeikommen. Aber momentan sollte man noch keine Panik schieben.“ Kurzfristiges Gießen hält er aber für nicht sinnvoll. „Ich glaube, das ist eher, um sein eigenes Gewissen zu beruhigen. Sinnvoll ist es nicht“, meint Hromatka. Ähnlich wie kleine Niederschläge würde das kurzfristige Gießen ohne professionelle Bewässerungs-Anlagen den Schaden sogar noch vergrößern. „Das ist kontraproduktiv. Die Pflanze bekommt kurz Wasser und glaubt, sie kann wachsen. Dann bräuchte sie noch mehr Wasser.“

Neumayer und Dockner haben noch Hoffnung

Während Preiss feststellt, dass „es schon Schäden gibt, die nicht wiedergutzumachen sind“, versucht Tom Dockner zu beruhigen: „Ich habe auch schon anderes gesehen.“ Neumayer ergänzt, dass es auch im Jahr 2015 eine Hitzeperiode, mit mehreren Wochen über 30 Grad, gab. „Im Endeffekt waren alle erstaunt, wie gut der Wein das ausgehalten hat und wie gut er sich entwickelt hat.“