Erstellt am 05. April 2016, 06:54

von Alex Erber

Riesenwirbel rund um das Stadthotel. Neuer Eigentümer des Areals in der Kremser Straße ist die Gedesag. VP verlangt volle Aufklärung. Anrainer beklagen Bauklasse.

„Warum ziehst du dieses Thema im Gemeinderat an?“ SP-Bürgermeister Franz Zwicker las VP-Wirtschaftsstadtrat Erich Hauptmann nach der Gemeinderatssitzung die Leviten. Der Angegriffene entgegnet: „Das macht mir nichts aus. Die Reaktion zeigt, dass hier etwas im Busch sein könnte.“  |  NOEN, Hans Kopitz

Man hat SP-Bürgermeister Franz Zwicker noch niemals so erregt erlebt: „Ich verstehe nicht, warum du dieses Thema im Gemeinderat anziehst?“ Und: „Bist du dir bewusst, was du da sagst?“, schleuderte der Stadtchef dem VP-Wirtschaftsstadtrat Erich Hauptmann wutentbrannt entgegen. Mit hochrotem Kopf ging Zwicker nach Beendigung der Sitzung schnellen Schrittes auf den Mandatar zu und wies ihn neuerlich lautstark zurecht.

Dabei hatte Hauptmann im Prinzip gar nichts gesagt. Er hatte lediglich von einem „brisanten Thema“ gesprochen, das „uns alle angeht.“ Viel mehr konnte der Stadtrat gar nicht sagen, weil ihm der Bürgermeister in die Parade fuhr.

Dabei war allen Anwesenden klar, worauf Hauptmann hinaus wollte. Auf das Thema „Stadthotel“ in der Kremser Straße, denn dort habe das Areal, so Hauptmann, den Besitzer gewechselt. Und das werfe einige Fragen auf: „Ich habe einen Eid geleistet und bin dem Herzogenburger Steuerzahler verpflichtet, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht“, betont der Wirtschaftsstadtrat.

Genossenschaft hält am Kombiprojekt fest

In der Tat ist Thomas Höhrhan, bisher federführend, in den Hintergrund getreten. Wie Vorstandsdirektor Alfred Graf auf NÖN-Anfrage bestätigt, ist die Kremser Wohnbaugenossenschaft Gedesag seit Ende Oktober des Vorjahres grundbücherlicher Eigentümer des Areals in der Kremser Straße. Die Planung sei bereits im Vorjahr gemeinsam mit der Traisenhotel GmbH entwickelt worden.

Graf räumt in diesem Zusammenhang mit Unklarheiten auf: „Natürlich ist weiterhin ein Kombiprojekt mit Stadthotel samt Gastronomie und Wohnungen (wahlweise in Eigentum oder Miete mit Kaufoption) vorgesehen. Hätten die beiden östlichen Anrainer die im Bauverfahren notwendige Feststellung der gemeinsamen Grundgrenze durch Geometer und Vermessungsamt als Vorverfahren nicht in nahezu schikanöser Art bis zum Landesverwaltungsgerichthof getrieben, könnte die Stadtgemeinde Herzogenburg den Baubescheid längst ausstellen, nachdem das Verfahren sonst abgeschlossen ist. Ein Baubeginn war angesichts der bereits Ende 2015 ergangenen Bewilligung der Wohnbauförderungsmittel zur Jahresmitte 2016 geplant und kann natürlich erst nach rechtskräftiger Baubewilligung einsetzen.“

Ist eine gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft zu so einem Mischobjekt überhaupt berechtigt? „Ja“, sagt Graf und verweist auf die Regelungen des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes (WGG), das besagt, dass bis zu einem Drittel der Gesamtnutzfläche auch gewerbliche Bereiche abgedeckt sind. Graf: „Für den späteren Betrieb ziehen wir natürlich einen Partner heran.“

Für die Aussagen der VP hat Graf kein Verständnis: „Diese Herrschaften könnten volle Information haben, wenn sie nur einmal bei uns nachgefragt hätten.“

„Wir sind keine Verhinderer!“

Die beiden östlichen Anrainer, von denen Alfred Graf spricht, sind die Familien Lindner und Lechner: „Wir wollen ausdrücklich festhalten, dass wir keine Verhinderer sind!“

Wie berichtet, geht es ihnen um die Bauklasse, die die Höhe regelt. „Sollte dieses Projekt in der Bauklasse III und in der Ausführung der zuletzt gezeigten Pläne realisiert werden, würde dies einer absoluten Zerstörung des Stadtbildes gleichkommen! Parkplatz- und Verkehrsprobleme wären die Folge. Die gesetzlichen Mindestanforderungen könnten in vielen Punkten gerade noch erfüllt werden, was aber, wie fast jeder weiß, für die Praxis und den Alltag zu wenig ist“, sagt Josef Lindner.

„Durchaus positiv bei Bauklasse II“

Bei Einhaltung der Bauklasse II und einer vorausschauenden, nicht nur gerade den Mindestanforderungen entsprechenden Planung, stünde man einem Wohnprojekt mit vielleicht noch angeschlossener Gastronomie durchaus positiv gegenüber.

Investor Thomas Höhrhan hat in der Vorwoche offenbart, dass er die eingetretenen Verzögerungen durch die Anrainer „cool und emotionslos“ betrachtet. Die Anrainer sehen das nicht so: „Aber Höhrhan ist ja auch Gemeindebürger der Stadt Krems und kein Einwohner von Herzogenburg. Immerhin soll ein Wohnblock von der Firma Elektro-Lechner in der Herrengasse über die Kremser Straße bis zur Wildholztischlerei Lindner in der Kaisergasse in der Höhe der Rauchfänge vom Haus Lechner, abgeschlossen durch ein Flachdach, entstehen“, beklagt Josef Lindner. Das „viel gepriesene City-Hotel“ werde sich nur in der Größenordnung des ehemaligen Gasthauses „Zum Goldenen Stern“ bewegen.

Was ihm besonders missfällt: „Eine Bautafel, wie auf jeder anderen Baustelle üblich, mit einer 3-D-Darstellung des Objektes will Höhrhan den Herzogenburgern nicht zeigen!“