Erstellt am 19. Januar 2016, 05:43

von Alex Erber

Schatzl empören ein paar Flaschen. FP-Stadtrat ortet "Müllhalde" rund um das ehemalige Biomin-Areal und schlägt wild um sich. SP-Zwicker: „Thema ist hochgespielt.“

Bis zu 80 Flüchtlinge sollen im ehemaligen Biomin-Bürogebäude untergebracht werden.  |  NOEN, Hans Kopitz

Es beginnt mit ein paar Flaschen, die FP-Stadtrat Wolfgang Schatzl bei einem Spaziergang unweit des ehemaligen Biomin-Areal entdeckt hat. Es endet mit der Pauschalverunglimpfung von Flüchtlingen, mit der Verhöhnung der Familie Erber und einer Beschimpfung eines Stadtrats-Kollegen.

„Info an die Flüchtlinge: Herzogenburg ist keine Müllhalde“ lautet der Titel einer Aussendung des blauen Frontmannes, die auch im sozialen Netzwerk Facebook kursiert.

„Flüchtlinge gebärden sich wie wilde Tiere“

Die schönen Zeiten, als Familien und Hundebesitzer beim alten Biomin-Areal ungehindert spazieren gehen konnten, seien vorbei. Das konstatiert Wolfgang Schatzl: „Den Flüchtlingen sei Dank. Ist das die Dankbarkeit dafür, dass man sie in Herzogenburg aufgenommen hat, dass sie sich hier gebärden wie wilde Tiere? “ Und weiter: „Besorgte Anrainer waren von Beginn an von der neuen ,Nachbarschaft‘ nicht sonderlich angetan, doch die Familie Erber meinte, mit der Zurverfügungstellung ihres alten Firmengebäudes für Flüchtlinge Gutes zu tun und zu helfen. Leider ging dieser Schuss gewaltig nach hinten los – und während die Familie Erber gemütlich und fernab von ihrem Flüchtlingsheim wohnt, tobt in Oberndorf zusehends das Chaos.“

Müllproblem existiert seit langer Zeit

Dass es ein Müllproblem gibt, bestätigt Stadtamtsdirektor Kurt Schirmer: „In der Industriestraße reiht sich oft ein Lkw an den anderen. Die Fahrer schmeißen leider viele Dinge weg.“ Die Schwierigkeiten mit dem Mist existieren, so Schirmer, keineswegs erst seit dem Einzug der Flüchtlinge, sondern schon seit Jahren: „Brennpunkte sind dabei die Industriestraße, das Gelände entlang der S 33, die Bahn-Haltestellen Wielandsthal und Herzogenburg-Stadt.“

SLC-Europe, die Firma, die für die Flüchtlingsbetreuung am ehemaligen Biomin-Areal zuständig ist, hat jedenfalls sofort reagiert: „Wir haben die Menschen aufgeklärt, wie hier der Umweltschutzgedanke gelebt wird und sind dann mit ihnen sammeln gegangen. Acht Müllsäcke sind voll geworden. Teilweise war der Abfall schon mit dem Gras verwachsen, stammt also doch aus etwas älterer Zeit“, erklärt SLC-Europe-Geschäftsführer Christian Kogler.

Weil Schatzls Empörung über die Flaschen auch auf facebook veröffentlicht worden ist, gab es eine Reihe von Reaktionen. Eine stammt von SP-Stadtrat Richard Waringer: „Der FP darf ich nahelegen, wenn ihr schon so viel Zeit mit Spazierengehen verbringt, dann verlängert eure Marschrouten doch gleich bis zum Erber-Areal und besprecht eure Anliegen dort selbst. Durch seitenlange Postings könnt ihr vielleicht ein paar Leute aufhussen, aber Probleme löst das sicher nicht.“

Waringer weiter: „Sich als die großen Volksvertreter zu verkaufen und dann nix außer Facebookmeldungen produzieren, ist eine schwache Leistung.“

Mehr hat er nicht gebraucht! Die Antwort war ein ellenlanger „Offener Brief“, den Wolfgang Schatzl an SP-Bürgermeister Franz Zwicker richtete. Und zwar „im Namen der empörten Oberndorfer Bürgerinnen und Bürger“.

Darin berichtet Schatzl nicht nur vom Müllproblem. Er hat offenbar auch beobachtet, dass „stets Gruppen von jungen Männern unterwegs sind, die die Anrainer von Kopf bis Fuß mustern“ und dass „Kinder auf den Bahngleisen spielen.“ Daher möchte er wissen, „wie die sogenannte Betreuung dort abläuft“.

Schatzl entsetzt der Spiele-Nachmittag

Die Sozialistische Jugend hat unlängst einen Spiele-Nachmittag mit den Flüchtlingen organisiert. Auch das ist Schatzl ein Dorn im Auge: „Vielleicht sollte Stadtrat Waringer seine Zeit im Biomin-Gebäude ,sinnvoll‘ nutzen, denn mit den Flüchtlingen unterhaltsame Spielchen zu spielen, kann ja wohl nur ein schlechter Scherz sein. So stellen sich die Bürgerinnen und Bürger ganz sicher nicht einen ernst zu nehmenden Gemeindevertreter vor! Aber gut, vielleicht sollte er mit seinen Flüchtlingen lieber ,Müll wegräumen‘ oder besser noch ,Müll richtig entsorgen‘ spielen, dann hätten zumindest alle etwas davon.“

„Durch seitenlange Postings könnt ihr vielleicht ein paar Leute aufhussen, aber Probleme löst das sicher nicht.“ SP-Stadtrat Richard Waringer an die Adresse der FP

Außerdem bezeichnet er Waringer als „rotzfrech“, denn seine Gattin und er hätten jahrelang hart gearbeitet und es daher nicht nötig, sich sagen zu lassen, dass man „so viel Zeit zum Spazierengehen hat.“

SP-Bürgermeister Franz Zwicker kann sich nur wundern: „Die Müllproblematik gibt es schon seit 20 Jahren, sie war auch schon Thema bei einigen Gemeinderatssitzungen, aber das hat Herr Schatzl wohl überhört. Wenn man sonst nichts hat, muss man wohl solche Themen hochspielen.“

Herbert Kneissl, Division Marketing Officer von Biomin, ärgert die „Dramatisierung“, die Schatzl betreibe. „Wir haben mit den Politikern die Kontaktdaten ausgetauscht und sie ersucht, uns umgehend zu informieren, wenn es irgendwo ein Problem gibt. Das ist leider nicht geschehen, hier hat sich Schatzl nicht an die Vereinbarungen gehalten, was uns total leid tut. Er ist jedenfalls herzlich eingeladen, am Mittwoch, 27. Jänner, zu uns zu kommen, um sich umfassend informieren zu können. Um 17 Uhr beginnt das Treffen, über das die Politiker aller im Gemeinderat vertretenen Fraktionen informiert sind.“