Erstellt am 30. April 2016, 10:54

von Hans Kopitz

Sonnleitner wieder aktiv. Autor beleuchtet Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegsgeschichte in der Stiftsstadt. Zeitzeugen berichten von harter Realität, die man sich heute vielfach nicht vorstellen kann.

Recherche: Josef Sonnleitner im Gespräch mit zwei Zeitzeugen, Ernst »Fidi« Schmied und Franz Seitlhuber (von rechts).  |  NOEN, Kopitz

Während viele Senioren ihren wohlverdienten Ruhestand genießen, gibt es einige Gemeindebürger mit 70 plus, die voller Energie unterwegs sind und noch lange nicht zum alten Eisen gehören wollen. Einer davon ist Sepp Sonnleitner - Museumsdirektor, vehementer Verfechter einer Rathausplatz-Umgestaltung und „Ohrwaschlbrunnen-Fan“, Filmemacher und Buchautor.

Sonnleitner, der erst kürzlich bei der NÖ Landesmeisterschaft der Amateurfilmer in Horn Bronze für seinen Film „Leo und Brigitte“ erhielt, wo er in anschaulicher, aber dezenter Weise den Weg eines Wiener Schnitzels vom Ebersamen bis auf den Teller zeigte, arbeitet zurzeit an einem neuen Buch - es ist bereits sein viertes Werk.

Zeitzeugen liefern viele Geschichten

Erwartungsgemäß geht es dabei um Herzogenburg. Während die Jahre von 1.000 nach Christus bis 1.850 im Zeitraffer aufgearbeitet werden, beleuchtet Sonnleitner die Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeiten näher. Zeitzeugen, die noch leben - oder deren Nachkommen - liefern jede Menge Geschichten, die von ihm erzählerisch aufbereitet werden.

Für die meisten Menschen damals alltäglich, kann man sich heute fast nicht mehr vorstellen, dass es so etwas in der „Stadt mit Lebensqualität“ und deren unmittelbaren Umgebung tatsächlich einmal gegeben hat: Sei es nun, dass eine Familie mit zehn und mehr Kindern mit einer Zweizimmerwohnung auskommen musste und nur einmal in der Woche in einem Holztrog gebadet wurde - wobei vom ersten bis zum letzten Familienmitglied selbstverständlich das Wasser nicht gewechselt wurde.

Oder dass damals die Kinder nur ein paar Schuhe hatten, die sie am 1. November anziehen durften und am 1. März ausziehen mussten, sonst wurde trotz späterem Schneefall im Frühjahr das ganze Jahr über barfuß gegangen, auch wenn der Schulweg mehrere Kilometer ausmachte. Oder dass Kinder vor der Russeninvasion in den Kellern versteckt wurden, während in den oberen Räumen die Frauen brutal vergewaltigt wurden. „Diese verzweifelten Schreie, habe ich noch heute in den Ohren, obwohl es schon ein Dreivierteljahrhundert her ist“, so einer der Zeitzeugen.

Natürlich gibt es in dem Buch auch heitere Episoden, so zum Beispiel wie „Vaterlandsverräter“ ihre Schweine „schwarz“ schlachteten und bei einer Kontrolle den behördlich eingesetzten Kontrolleuren einfach Tiere mit zwei Schwänzen unterjubelten.

Vorschläge für Namen sind willkommen

Alles in allem ein Buch, in dem nicht beschönigt wird, denn die Zeiten waren hart, auch wenn viele Menschen von der „guten, alten Zeit“ sprechen.

Übrigens: Das Buch hat noch keinen Titel - Vorschläge werden von Josef Sonnleitner gerne entgegengenommen.