Erstellt am 10. März 2016, 05:04

von Hans Kopitz

Thema Flüchtlinge: Zusammenarbeit klappt. Zahlreiche Mandatare und Bürger fanden sich am ehemaligen Biomin-Areal ein. Betreuerteam berichtete über die jüngsten Entwicklungen.

Informationsabend: Kitti Kiss, Christian Kogler, Barbara Köberl, Birgit Friedl, Günther Haslinger (SP), Manfred Gutmann (VP), Horst Egger (Grüne), Kurt Schirmer junior (SP) und Richard Waringer (SP; von links) mit zwei Jugendlichen aus dem Haupthaus, die sich für ein gemeinsames Foto zur Verfügung stellten.  |  NOEN, Hans Kopitz

Zu einem Infoabend über die abgelaufenen Monate - „Update“ auf gut neudeutsch - hat die Erber-Group im Namen von „SLC Asylcare“ in das Asylwerberhaus in der Industriestraße Vertreter der Gemeinde und interessierte Bürger eingeladen. Margarete Erber persönlich begrüßte gemeinsam mit Kitti Kiss vom Betreuerteam die zahlreichen Gäste. Beide betonten, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert und der Wunsch von allen Beteiligten da ist, dass dies auch so bleiben möge.

Die Pädagogen wurden von neun auf zwölf aufgestockt. Für die Betreuung stehen nun zwei Vollzeitkräfte und eine Teilzeitkraft zur Verfügung.

Barbara Köberl leitet das Betreuerteam

„Wir mussten in den beiden vergangenen Monaten stark durchgreifen und es hat auch Konsequenzen gegeben, denn es gab wieder eine kleine Schlägerei mit zwei Beteiligten und ein selbstmordgefährdeter Jugendlicher wurde in das Krankenhaus eingeliefert“, erläuterte Kitti Kiss, die die Leitung des Betreuerteams kürzlich an Barbara Köberl abgegeben hat.

Kiss weiter: „Die Suche nach den beiden Jugendlichen, die ein 18-jähriges Mädchen belästigt haben - diese wollte jedoch keine Anzeige erstatten - läuft noch. Wir wollen nichts unter den Teppich kehren, wir wollen aber die Angst in der Bevölkerung abbauen.“

Da noch immer eine gewisse Scheu beziehungsweise Angst der Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen im ehemaligen Biomin-Büro und den Containern besteht, will das Betreuerteam wieder zu einem Spielefest einladen: Termin ist Samstag, 9. April. Und man möchte sich auch beim „Interkulturellen Fest“, das am 28. Mai am Rathausplatz über die Bühne gehen wird, gemeinsam mit den Schützlingen einbringen. „Wir müssen noch mit den Familien reden, vielleicht können sie dabei etwas Spezielles aus ihrer Heimat kochen und die Jugendlichen könnten etwas vorbereiten“, so Kitti Kiss.

Ernst Schafranek und Hermann Feiwickl haben die Flüchtlinge zum Tag der offenen Tür am 30. April am Minigolfplatz eingeladen: „Wir würden uns freuen, wenn sie kommen, sie werden dort von Profispielern betreut. Die Jugendlichen hatten ja auch Spaß am Eislaufplatz, es dürfte ihnen auch beim Minigolf gefallen.“

Vorbereitung auf den Radfahrführerschein

Zurzeit üben die Jugendlichen das Radfahren, denn es steht die Prüfung für den Radfahrführerschein an. Wer den Schein hat, darf sich dann laut Stadtrat Franz Gerstbauer ein Rad ausborgen. Hermann Feiwickl stellte jedoch die Frage, wie es mit einer Versicherung ausschaut, falls ein Jugendlicher einen Unfall mit einem Autofahrer verursacht, wie es kürzlich einer 39-jährigen Österreicherin passiert ist. Sie musste 2.000 Euro Schaden an ihrem Pkw selbst bezahlen. Die Polizei hatte zwar seinerzeit die Personalien aufgenommen, doch wegen der fehlenden Haftpflichtversicherung bestünde keine Möglichkeit, das Geld zu bekommen. In Vorarlberg sind Flüchtlinge durch die Caritas haftpflichtversichert, in NÖ ist seitens der Landesregierung angedacht, Flüchtlinge und Asylwerber auf diesem Gebiet zu versichern, Konkretes muss aber erst ausgearbeitet werden.

„Nicht besonders schaut es mit dem Schulbesuch aus. Zurzeit sind zwei Kinder im Kindergarten, zwei in der Volksschule und eines in der Neuen Mittelschule. Drei Kinder besuchen das Piaristengymnasium in Krems. Wir hoffen noch immer auf eine Übergangsklasse, aber vor September ist da laut Innenministerium keine Chance“, so Margarete Erber. Sie betonte auch, dass die Jugendlichen bei den Deutschkursen, die jeden Montag, Mittwoch und Freitag stattfinden, sehr engagiert sind. „Wir suchen aber Menschen, die mit ihnen Deutsch sprechen, sodass Integration wirklich geschehen kann.“