Erstellt am 15. Juni 2017, 03:53

von Hans Kopitz

„Jagd ist mehr als ein Hobby“. Getzersdorferin Sophie Mutenthaler schaffte es unter die Top 12 bei der Wahl zur „Jägerin des Jahres“.

Bei der Wahl der „Jägerin des Jahres“ hat die 22-jährige Sophie Mutenthaler den Abschuss eines Steinbocks gewonnen.  |  NOEN

Sie ist praktisch mit der Jagd aufgewachsen, denn der Opa war lange Jahre Jagdleiter in Getzersdorf und der Bruder ist Büchsenmacher. Mit 21 Jahren wollte es Sophie Mutenthaler dann auch selbst wissen: Seit dem vergangenen Jahr ist die heute 22-Jährige nun selbst Jägerin.

Dafür musste sie eine Prüfung ablegen, die sie von Jänner bis Mai beschäftigt hat. Gefragt wurden Wildtier-, Brauchtum und Waffenkunde und auch zwei Praxistage und ein Tag im Revier, ein Tag Schießunterricht sowie Tipps zur Pflege und Hege standen auf dem Programm.

„Jagd ist viel mehr als nur der Abschuss eines Tieres!“ Sophie Mutenthaler

Der Höhepunkt ihrer bisher jungen Jagd-Karriere war nicht nur der Landesmeister-Titel im Jagdlichen Schießen, sondern mit Sicherheit auch die Teilnahme bei der Wahl zur „Jägerin des Jahres“ und der „Artemis - Galanacht der Jagd“, die vergangenen Monat im Wiener Uniqa-Tower über die Bühne ging. Dort schaffte sie es bis ins Finale.

„Öffentlichkeit für Jagd sensibilisieren“

„Ich verfolge regelmäßig die aktuellen Beiträge in ‚Jagd und Natur TV‘ und als ich vergangenen Oktober vom Artemis-Award und der Wahl zur Jägerin des Jahres erfuhr, die als junges, frisches Gesicht die Jäger im deutschsprachigen Raum vertreten, die Öffentlichkeit für die Jagd sensibilisieren und das alte Bild der Jägerei etwas zurückdrängen soll, dachte ich mir, das ist etwas für mich“, erzählt die Getzersdorferin. Dort schaffte sie es als eine von 24 Jägerinnen aus Deutschland und Österreich ins Finale. Dazu musste sie ein Vorstellungsvideo erstellen, mit dem sie bei Facebook einen Monat Likes sammelte und das schließlich einer Jury präsentiert wurde. Schlussendlich gab es zwölf Frauen – zufällig sechs aus Österreich und sechs aus Deutschland –, die nach Wien eingeladen wurden. Dort machten sie einen Stadtrundgang, besuchten den Prater, Schönbrunn und die Hofburg. Außerdem gab es eine Medienschulung, den Besuch eines Offroad-Geländes im Burgenland und des Europa-Schießzentrums Steyr-Mannlicher. Natürlich wurde auch geschossen und gekocht – alles mit Kamerabegleitung.

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Die Jury tagte im Haas-Haus, begutachtete und verglich, bis schließlich die neue Jägerin des Jahres, Carina Frank aus Niederfladnitz, feststand. „Es wurde nur die Siegerin bekannt gegeben, wie die weitere Reihenfolge war, haben wir nicht erfahren, jedoch bin ich der Meinung, dass alle Gewinnerinnen sind“, so Sophie Mutenthaler, die keinen einzigen Tag bereut hat. „Wir haben neue Freundschaften geschlossen und gemeinsam viel erlebt. Es war für uns alle eine riesige Bereicherung.“

Nächste Ziel: Reise nach Tadschikistan

Für Sophie wird es noch ein spannendes Jahr, denn sie wird - wahrscheinlich im September oder Oktober - nach Tadschikistan reisen, ein Hochgebirgsland, das an Usbekistan, Kirgisistan, Afghanistan und die Volksrepublik China grenzt. Mehr als zwei Drittel der Fläche sind Hochgebirge und fast die Hälfte des Staatsgebietes liegt auf einer Höhe von 3.000 Metern. Sie hat bei der „Galanacht der Jagd“ den Abschuss eines Steinbocks gewonnen, der dort verlost wurde. „Es ist in Österreich ein sehr seltenes Tier und ein Abschuss passiert – wenn überhaupt – einem Jäger nur einmal im Leben und das vielleicht mit 60 oder 70 Jahren, aber nie einer jungen Jägerin mit 22. Das Gebiet in Tadschikistan wird von ,Fair Hunt‘ unterstützt und es wird viel investiert, sodass die Menschen dort davon leben können und die Biodiversität erhalten bleibt“, so Mutenthaler, die hofft, in Tadschikistan auch einen Schneeleoparden zu Gesicht zu bekommen.

Für die 22-Jährige ist es vor allem wichtig, die kleinen Dinge der Natur zu schätzen und die Nichtjäger überzeugen, dass Jagd nicht nur ein „Hobby“, sondern aktiver Naturschutz und Verantwortung gegenüber der Natur ist. „Es ist viel mehr als einfach nur der Abschuss eines Tieres“, stellt die Getzersdorferin klar.