Erstellt am 04. Februar 2016, 05:28

von Günther Schwab und Birgit Kindler

Wirbel um Entsorgung. Asbestverdacht / Richard Dub kritisiert Arbeiten bei Gutschermühle in Traismauer. Eternit soll unsachgemäß abgeschlagen worden sein. „Alles gesetzlich korrekt“, so die Firma.

Seit Langem war die B43 - Engstelle in St. Georgen ein Nadelöhr mit einem hohen Gefahrenpotenzial (kleines Bild). Der neue Grundstücksbesitzer, die »Traismaurer Gutschermühle«, hat nun durch den Abriss des ehemaligen Gasthauses, die Engstelle beseitigen lassen. Demnächst soll die Fahrbahn erweitert werden.  |  NOEN, zVg/Schwab

Die Engstelle an der LB 43 gehört bald der Vergangenheit an. Das seit Jahren leer stehende Gebäude bei der Gutschermühle wurde in den letzten zwei Wochen geschleift.

Die Arbeiten, die beim Abbruch des Hauses vorgenommen wurden, sollen, laut Richard Dub, Bezirksinnungsmeister für Dachdecker und Spengler in St. Pölten Stadt und Land, nicht ordnungsgemäß über die Bühne gegangen sein. „Als ich an der Baustelle vorbeifuhr, sah ich, wie ein Arbeiter auf der Leiter stehend die Eternit Fassadenplatten unsachgemäß mit einem großen Geißfuß abschlug.“

"Es ist einfach ungeheuerlich"

Die Platten seien von circa vier Metern zu Boden gefallen, was zu einer Asbeststaubentwicklung führen würde. „Normalerweise muss man bei der Arbeit mit Asbest weiße Schutzanzüge tragen, außerdem müssen die Platten in verschließbaren Kisten, sogenannten Big-Bags, entsorgt werden und nicht in offenen Containern. Sonst ist das illegal“, meint Dub, der diesen Fall auch bei der Bezirkshauptmannschaft zur Anzeige brachte, denn „es ist einfach ungeheuerlich, dass im Jahr 2016 Asbest-Zementplatten einfach zertrümmert werden.“

Laut Bezirkshauptmann Josef Kronister ist man der Sache nachgegangen: „Es besteht aber kein Grund zur Sorge, denn ob die Platten tatsächlich Asbest aufgewiesen haben, steht nicht fest.“ Auch sei es schwierig gewesen, etwas herauszufinden, da die Anzeige erst einige Tage nach der Sichtung gekommen sei. „Wir haben aber vor Ort Big-Bags vorgefunden und die Firma ist auch befugt, solche Entsorgungsarbeiten durchzuführen“, sagt Kronister. Man habe auch einen Container vorgefunden, der aber mit Bauholz gefüllt war. Kronister ist überzeugt: „Die Entsorger wissen, wie man mit solchen Platten umgeht.“ Außerdem habe es sich in Traismauer lediglich um eine Fläche von ein paar Quadratmetern gehandelt. Was der Bezirkshauptmann noch zu bedenken gibt: „Der Verwaltungsaufwand für diese Angelegenheit hat nicht wenig gekostet.“

„Alles wurde laut Gesetz durchgeführt“

Überzeugt davon, dass alles fachgerecht entsorgt wurde, ist Siegfried Schmalek, Geschäftsführer der Firma Schmalek aus Markersdorf-Haindorf, die die Abbrucharbeiten durchgeführt haben. „Alles wurde laut Gesetz durchgeführt und das ist heutzutage nicht einfach“, so Schmalek. Er informiert, dass sämtliche behördlichen Auflagen auf der Baustelle Gutschermühle und beim Recyclingstandort in Karlstetten eingehalten wurden und werden. Die Anzeige begründet er mit Neidern, „weil wir im Winter Aufträge haben und andere nicht.“

Vom professionellen Standpunkt sieht Markus Dürrschmid, Quality Manager der Gutschermühle, die Lage: „Wir haben die Arbeiten an eine professionelle Firma übergeben, denn es ist auch in unserem Interesse, dass alles ordnungsgemäß abläuft.“

Mit den Bauarbeiten wird es so weitergehen, dass ein kleiner Teil des Grundstückes als öffentliche Verkehrsfläche von der öffentlichen Hand, konkret der NÖ Straßenbauabteilung, übernommen und zweispurig ausgebaut wird. Das restliche Grundstück wird für eine etwaige Werksflächenerweiterung der angrenzenden „Gutschermühle“ verwendet werden.

„Es besteht kein Grund zur Sorge, denn ob die Platten tatsächlich Asbest aufgewiesen haben, steht nicht fest.“ Josef Kronister, Bezirkshauptmann

Seit Jahrzehnten war die baulich gewachsene Engstelle an der LB 43 im Bereich des ehemaligen Gasthauses „Zum guten Hirten“ auf Höhe der Sankt Georgener Gasse in St. Georgen ein gefahrenträchtiges Nadelöhr. Vor allem bei Gegenverkehr und bei Lkw-Fuhren erwies sich die Engstelle der stark befahrenen Durchzugsstraße wiederholt als besonders gefährlich. Die Gutschermühle hat die Liegenschaft des ehemaligen Gasthauses übernommen und nach einer Lösung für das Problem gesucht. Künftig soll die LB 43 im Bereich der Engstelle mit der entsprechenden Straßenbreite (zweispurig) ausgebaut werden. Auch ein Rad- und Gehweg ist in diesem Straßenabschnitt vorgesehen.

Die Gutschermühle ist ein Traditionsbetrieb, der in Traismauer seit 1866 im Cerealien-Business tätig ist. Das Unternehmen beschäftigt rund 80 Mitarbeiter am Standort Traismauer.