Erstellt am 09. Februar 2016, 05:28

von Birgit Kindler

Wirbel um Rodung wegen Windrädern. Rudolf Gerlach spricht sich gegen Umschneiden von Bäumen für Windkraft aus. Pfeffer und Zorba wehren sich gegen Vorwürfe.

Rudolf Gerlach (MIT) spricht sich gegen die Rodung aus.  |  NOEN, Schwab

"Wenn unser Wald schreien könnte, wäre es in Traismauer sehr laut", so Rudolf Gerlach, Mitglied der Bürgerliste MIT, in einem Schreiben. Gerlach spricht sich gegen die Rodung des Waldes wegen der Windräder aus. „Da entscheidet die SP-Mehrheit und der einzige Gemeinderat der Grünen über die Vernichtung, über die Rodung unseres Naherholungsgebietes Wald. Nicht ahnend, welche Auswirkungen der Verlust des Waldes auf die nächsten 90 bis 100 Jahre haben wird“, so Gerlach. So lange werde der Wald brauchen, bis er wieder herangewachsen ist.

Laut Gerlach sei es den Gemeindeorganen völlig egal, ob der Wald weiter existieren und Sauerstoff produzieren kann. „Ich nenne das verantwortungslos unseren Mitbürgern, vor allem unseren Kindern gegenüber“, betont Gerlach. Er habe nicht gedacht, dass die SP so „diktatorisch“ mit Meinungen umgehen würde.

Gegen die Vorwürfe wehrt sich SP-Bürgermeister Herbert Pfeffer: „Es handelt sich um maximal zwei Hektar Wald, der gerodet wird, außerdem ist der betroffene Wald ein reiner Wirtschaftswald.“

0,16 Prozent betroffen

Betroffen von der Rodung seien lediglich 0,16 Prozent der gesamten Waldfläche im Gemeindegebiet. Außerdem werde die Fläche in einem Verhältnis von eins zu zwei wieder aufgeforstet. „Es geht also nichts verloren“, so Pfeffer. Außerdem dürfe laut Gutachten die ökologische Qualität dieses Waldstücks angezweifelt werden.

Pfeffer setzt hinzu: „Und natürlich denken wir an unsere Kinder, deswegen setzen wir ja auch auf eine Energiegewinnung durch Windenergie und nicht durch Atomkraft.“

Kritik an Grünen wegen „Baummord“

Auch die Grünen kritisiert Gerlach. „Was mir immer öfter suspekt erscheint, sind die mit ihrer naturnahen Gesinnung praktizierenden Grünen.“

Sei man seinerzeit gleich als „Baummörder“ gebrandmarkt worden, wenn man nur einzelne Bäume umgeschnitten habe, würden die Grüne heute mitentscheiden, wenn es um die „Ermordung von Bäumen“ geht.

Ökologisches Gleichgewicht erhalten

„Als grüner Gemeinderat ist es mir natürlich wichtig, ein ökologisches Gleichgewicht im Naturraum Traismauers zu erhalten“, reagiert darauf Süleyman Zorba. Der Grün-Gemeinderat weist, wie Pfeffer, ebenfalls auf die Nachforstung hin. „Es wird somit darauf geachtet, einen lebendigen Wald zu erhalten“, ist Zorba überzeugt. Für ihn müsse Naturnähe nicht zwangsläufig mit Realitätsferne einhergehen.

„Nach Abwägung aller Fakten und Berücksichtigung verschiedener Interessen in diesem Thema, komme ich zu dem Entschluss, dass die temporäre Schmälerung der Waldfläche, zum Zwecke der nachhaltigen Gewinnung erneuerbarer Energie, sowohl für heutige, als auch künftige Generationen vernünftiger ist“, ist der Grün-Gemeinderat überzeugt.