Wölbling

Erstellt am 10. August 2016, 04:24

von Alex Erber

„Himmelreich“ macht Geschichte lebendig. Funde und Erkenntnisse vom Kleinen Anzingerberg wurden bei Tag der offenen Tür interessierter Bevölkerung vorgestellt.

Alexandra Krenn-Leeb vor der Grabungsstätte: Im Hintergrund sind die zahlreichen Interessierten zu sehen, die sich am „Tag der offenen Grabung“ informierten.  |  NÖN, Reinhard Mlnarik

Seit 1999, also seit mittlerweile 17 Jahren, führt Alexandra Krenn-Leeb vom Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie der Universität Wien jährlich in den Sommermonaten archäologische Untersuchungen am sogenannten „Himmelreich“ auf dem Kleinen Anzingerberg durch. Gefördert wird diese wissenschaftliche Forschungsgrabung durch das Land NÖ, Abteilung Kunst und Kultur, durch die Universität Wien und die Gemeinde Wölbling.

Es gehört schon zur guten Tradition, dass es jährlich einen „Tag der offenen Grabung“ gibt, in dem die jüngsten Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Auch heuer kamen zahlreiche Interessierte, die sich Wissenswertes rund um den Siedlungsplatz aus der Kupferzeit zu Eigen machten. Er gehört zur sogenannten „Jevisovice-Kultur“.

Dabei handelt es sich um eine kupferzeitliche Bevölkerungsgruppe, die sich aufgrund von gleichartigen Gefäßformen, Werkzeugen, Gerätschaften, Technologien, Siedlungs- und Bestattungsgewohnheiten als eine geschlossene Gemeinschaft präsentierte. Sie siedelte in der Wachau, dem Dunkelsteinerwald, dem Kamptal und dem Wienerwald bis in den südmährischen und westslowakischen Raum. In Südmähren liegt auch der Ort Jevisovice, wo 1914 erstmals charakteristische Fundstücke ausgegraben worden sind.

Warum siedelten sich hier Menschen an?

Unter der behutsamen Ägide der Prähistorikerin Alexandra Krenn-Leeb wird am Kleinen Anzingerberg nicht nur nach Fundstücken gesucht. Wissenschaftlich geklärt werden soll beispielsweise die Frage, was die Menschen in der Kupferzeit (3200/3100 bis 2700/2600 Jahre vor Christus) bewogen hat, sich auf den strategisch bedeutsamen Höhenlagen anzusiedeln. . Die interdisziplinären Untersuchungen erbrachten hervorragende neue Erkenntnisse zur damaligen Hausarchitektur, den Werkplätzen samt Arbeitsgeräten in den Häusern, den genutzten Rohstoffen und den Ernährungsgewohnheiten.

In den durch Brandereignisse zerstörten Häusern blieben zahlreiche Artefakte in Originallage erhalten und verraten durch ihre Position die seinerzeitige Nutzung.

Die Grabungen werden im Jahr 2017 vorerst abgeschlossen und umfassend wissenschaftlich bearbeitet werden. Neben Fachpublikationen ist auch eine leicht verständliche und reich bebilderte Broschüre für eine breite Öffentlichkeit geplant. „Ob die Forschungsarbeiten danach fortgesetzt werden können, steht noch nicht fest. Das ist letztendlich von der Förderung durch das Land abhängig“, stellt die Prähistorikerin in den Raum und betont, dass es sich bei der Fundstelle um eine der bedeutendsten kupferzeitlichen Fundstelle Österreichs handelt.