Erstellt am 27. April 2016, 04:14

von Sandra Frank

25 Jahre Bücherei: „Kinder kann man motivieren“. Groß gefeiert wird Anfang Oktober, doch der „richtige“ Geburtstag war am 1. April. Seit einem Vierteljahrhundert werden Bücher und Spiele im Pfarrhof entlehnt.

Die Kinder zum Lesen motivieren - das hat sich Lisl Tradinik vor 25 Jahren zur Aufgabe gemacht. Foto: Frank  |  NOEN, Frank

„Ich war von Anfang an für die Kinderbibliothek zuständig. Das war mir immer wichtig“, erinnert sich Lisl Tradinik an die Anfänge der Öffentlichen Bücherei im Wullersdorfer Pfarrhof. 25 Jahre ist es nun her, dass Pater Godhalm die Idee zu dieser Leihbücherei hatte.

„Die Eröffnung war am 1. April. Es war das Geburtstagsgeschenk für Pater Godhalm“, erzählt die Leiterin der Bibliothek vom 50. Geburtstag des Wullersdorfer Pfarrers.

„Haben uns überlegt, Raum heimlich dazu zu erobern“

Begonnen hat Tradinik gemeinsam mit Constanze Schwingenschlögl. Zwei Räume standen der Bücherei damals zur Verfügung. „Es gab einige kritische Stimmen am Anfang“, glaubte nicht jeder in der Pfarre an den Erfolg des Projekts.

Tradinik ließ sich aber nicht beirren: „Ich hab‘ immer gewusst, Kinder kann man motivieren.“ Und mit den Kindern kamen die Eltern. Das Schönste? „Jetzt kommen schon ,meine‘ Kinder mit ihren Kindern in die Bibliothek zum Lesen.“

Die zwei Räume wurden bald knapp. „Wir haben uns überlegt, einen Raum heimlich dazu zu erobern und Pater Godhalm erst dann zu fragen, ob wir ihn haben können“, schmunzelt Tradinik, die gerade die Ausbildung zur Bibliothekarin macht. Aber der Geistliche kam dem Bücherei-Team zuvor: „Genau in der Zeit hat er uns gefragt, ob wir den besagten Raum nicht auch brauchen können.“

Ein weiteres Zeichen dafür, dass dem Pfarrer die Bibliothek immer ein großes Anliegen war. Auch von der Gemeinde erfuhr die Bücherei seit jeher große Unterstützung, sagt Tradinik.

Lesungen, Memory-Olympiade, Buchstabenfest und Co.

An die 7.000 Medien seien es, welche die Bibliothek derzeit anbiete. Jährlich werden zwischen 300 und 400 Bücher – für Kinder und Erwachsene – angekauft. Aber auch ältere Semester lässt Tradinik im Regal stehen. Etwa Heimatromane. „Wenn nur eine Frau so einen Roman ausborgt und dann fünf schöne Stunden hat, dann ist es mir das wert – auch wenn‘s meine Statistik z’samm’haut.“

Das Lieblingsbuch von Lisl Tradinik? „Wettwachsen von Emmerich Lang. Das liegt bei mir immer am Nachtkasterl“, schätzt sie die Lyrik des heimischen, viel zu früh verstorbenen Autors sehr.

Was die Bücherei einzigartig macht, sind die vielen Begleitveranstaltungen, wie Pater Godhalm sie nennt: Lesungen, Memory-Olympiade, Buchstabenfest oder Ferienspiel. Doch mit Letzterem ist nun Schluss: „Es wurde mir einfach zu viel. 25 Jahre gehen auch an mir nicht spurlos vorüber“, lächelt Tadinik.

Das Ferienspiel gibt es in Wullersdorf weiter, die Bibliothek beteiligt sich mit einigen Aktionen. Wie etwa dem größten Erfolg, der Geister- und Sagenwanderung – heuer am 16. Juli. „Wir haben mit 30 Kindern angefangen“, erinnert sich Tradinik. Im vergangenen Jahr kamen über 600 Besucher.


 

Pater Godhalm, warum haben Sie ... die Bibliothek ins Leben gerufen?

NÖN: Die Leiterin der Bücherei, Lisl Tradinik, nennt Sie als Initiator der Öffentlichen Bücherei im Pfarrhof. Wie kam's dazu?
Pater Godhalm (lacht): Ich wollte mir Bücher gratis ausborgen können. Die Bibliothek hat freitags geöffnet. Darum schleiche ich mich am Samstag in die Bibliothek, lese ein Buch und stelle es am Donnerstag heimlich wieder zurück.

Wie haben Sie die Entwicklung der Bücherei erlebt?
Sie hat sich sehr gut entwickelt und ich bin sehr glücklich darüber, dass es die Bibliothek gibt. Sie bringt sehr viel, sie ist ein großer Erziehungsmoment. Es wird immer auf die Kinder und Jugendlichen geschimpft, dass sie nicht mehr lesen. Aber das stimmt nicht. Man muss sie nur motivieren. Und das passiert hier.

Dem Bücherei-Team geht es aber nicht ausschließlich ums Lesen von Büchern ...
Das stimmt. Es geht auch um die vielen Begleitaktionen in der Bücherei. Sie ist in der Gemeinde und in der Pfarre ein Wesensmoment. In der Bücherei ist das ganze Jahr über etwas los.