Hollabrunn

Erstellt am 03. August 2016, 04:22

von Philipp Frank

„Sunnberg, a Örtl nett und kloan“. Ein kleines Dorf feierte große Jubiläen: Die erste urkundliche Erwähnung, 50 Jahre Verein zur Heimatpflege Sonnberg.

950 Jahre Sonnberg wurden gebührend gefeiert (v.l.): Roman Hasenhündl, Franz Amon, Christian Lausch, Günter Schnötzinger, Roman Heiden, Johann Leubold, Alfred Babinsky, Josef Keck, Richard Hogl, Peter Steinbach und Claudia Mühlbach.  Foto: Sandra Frank  |  Sandra Frank

„1066 hat alles begonnen“, leitete Werner Aschauer, Obmannstellvertreter des Vereins für Heimatpflege Sonnberg, den Festakt zur 950-Jahr-Feier der Pfarre Sonnberg ein. 1066 wurde „Sunnberg“ erstmals urkundlich erwähnt, es war die Geburtsstunde eines „blühenden Ortes“, wie Landtagsabgeordneter Richard Hogl die Hollabrunner Katastralgemeinde in seiner Festrede bezeichnete.

Alles begann mit dem Ahnherrn Liutwin

Aschauer gab einen Überblick über die Geschichte seines Heimatortes. Alles begann mit dem Ahnherrn Liutwin, der vom deutschen Kaiser Heinrich IV. zwei Hufen Landes zu Thern erhielt. „Dann war es die nächsten 100 Jahre ruhig“, erzählt Aschauer.

Die Herren von Sonnberg waren aber gefragt, die Habsburger holten immer wiederen Rat ein. 1576 übernahm das Geschlecht der Gilleis die Herrschaft über Sonnberg. „Der Freiherr wohnte nicht in einer Burg, also wurde ein Schloss gebaut“, berichtet Aschauer. In dieser Zeit entstand auch das Wappen: eine siebenstrahlige gelbe Sonne auf blauem Hintergrund.

Seit seiner Errichtung hat das Schloss viel gesehen. Etwa, wie die Pest in Sonnberg wütete und Mitte des 17. Jahrhunderts das Geschlecht der Gilleis ausstarb. Seine Nachfolger, die Dietrichsteins, haben das Schloss von 1730 bis 1735 modernisiert.

Burg, Schloss, Lazarett und Justizanstalt

Im Zweiten Weltkrieg, der 17 Tote in Sonnberg forderte, wurde es zum Lazarett, jedenfalls bis zum 8. Mai 1945. „Da wurde Sonnberg mit der Stalingradorgel beschossen.“ Danach diente es als Hauptquartier der Russen, die nicht besonders behutsam mit dem Bauwerk und dessen Einrichtung umgingen, wie Aschauer wusste.

Deshalb wurde das Schloss 1955 an die Republik Österreich verkauft und bekam eine neue Funktion: „Jetzt leben mehr Menschen drinnen, als Sonnberg Einwohner hat“, erzählte Aschauer, dass das Schloss nun eine Justizanstalt ist.

Wie es sich für eine Geburtstagsfeier gehört, gab‘s für Sonnberg natürlich Geschenke: Heldenbergs Bürgermeister Peter Steinbach (2.v.r.), Robert Fürst (2.v.l.) und Richard Hogl (l.) überreichten Josef Keck (l.), dem Obmann des Heimatvereins Sonnberg, eine Kopie der Urkunde, auf der Sonnberg erstmals erwähnt wurde.  |  Sandra Frank

1848 wurde die Grundherrschaft aufgehoben, Sonnberg war frei, eine eigene Gemeinde. Bis 1972. Da beschloss der Sonnberger Gemeinderat, sich der Stadt Hollabrunn anzuschließen. Die Eigenständigkeit war beendet. „Und so schließt sich der Kreis. Die Gilleis oder Dietrichsteins haben ja auch über die Bevölkerung geherrscht ...“, meinte Aschauer.

Als Sonnberg 900 Jahre alt wurde, im Jahre 1966, wurde der Verein zur Heimatpflege Sonnberg gegründet. Damals noch vom amtierenden Bürgermeister Wilhelm Saliger. Der Verein kümmert sich seitdem um den Ort und seine Geschichte. Somit begeht er heuer ebenfalls ein Jubiläum, zu dem Hogl gratulierte: „Ihr seid Vorreiter. Die Dorf- und Stadterneuerung ist etwa 30 Jahre alt. Aber ihr seid schon 50 Jahre auf diesem Sektor aktiv“, lobte der Abgeordnete.

Festakt mit Heimatlied feierlich beschlossen

Ein besonderes Geschenk hatte Heldenbergs Bürgermeister Peter Steinbach im Gepäck: Eine Kopie der Urkunde, in der Sonnberg erstmals erwähnt wurde. Auf diesem Schriftstück ist nämlich auch Thern zu finden, die Geburtsstunde der beiden Gemeinden war dieselbe. Organisiert hatte dieses besondere Geschenk Robert Fürst.

Die genau Geschichte der Sonnberger ist in einer detaillierten Chronik nachzulesen, die Franz Amon an diesem Tag an den Mann brachte. Adolf Müller lud zur Fotoausstellung in die Alte Schule ein. Dort erhielten die Besucher einen Überblick über die vergangenen 100 Jahre. Auch der Fotoclub Hollabrunn, der in dem Gebäude seinen Sitz hat, beteiligte sich am Geburtstagsfest mit einer Ausstellung.

„Als der Sonnberger Gemeinderat 1972 die Zusammenlegung mit Hollabrunn beschlossen hat, hat er danach – stehend – das Sonnberger Heimatlied gesungen“, forderte Amon die Festgäste auf, es dem ehemaligen Gemeindegremium gleich zu tun und so den Festakt zu beschließen.

Das Sonnberger Heimatlied

„Wald und Wiesen“ heißt das Sonnberger Heimatlied.

1. Strophe: Wald und Wiesen, Woaz und Wein saman unser Orte ein. Durt siachst d‘Kirchen, d‘Mühl steht do, ‘s Schloß mitn Teich und ent da Bo(ch).

2. Strophe: Siachst durt d‘Häuser nehm da Straß? Bauernhöf sans, broat und groß. ‘sÖrtl zeigt si in da Zeil, bis d‘aufs Ort kimmst brauchst a Weil.

3. Strophe: Entan Beri, ganz alloan, liegt a Örtl, nett und kloan, wachst durt a guits Tröpferl Wein, kinnan d‘Leut leicht lusti sein.

4. Strophe: Siachst, so hat a niada halt so a Platzerl, wo‘s eahm gfallt. Wo ma hinghört fest und gwiß, wo ma ganz verwurzelt is.

Refrain: Frogst mi, wia des Örtl hoaßt? Des is Sunnberg, dass d‘es woaßt.

Von Pfarrer Johann Nebenführ