Erstellt am 18. November 2015, 12:33

von Christoph Reiterer

Alkohol und ganz normaler Wahnsinn?. Was Alkohol bewirken kann: In diesem Fall Zerstörungswut und angeblich handgreifliche Begegnungen. Zwei Angeklagten kamen in Erklärungsnot. Prozess vertagt.

Bezirksgericht Hollabrunn  |  NOEN, NÖN

Eine eingeschlagene Fensterscheibe; ein zerstörter Gemeindebriefkasten; eine Frau, die zwei Ohrfeigen kassiert haben soll; zwei Angeklagte, amtsbekannt und sturzbetrunken; Schauplatz: das Pulkautal. Das waren die „Inhaltsstoffe“ eines kuriosen Prozesses.

„Hab sie z’sammgepfiffen, geschlagen hab ich sie nicht“

Was den zerstörten Briefkasten betraf, so bekannte sich der fünffach vorbestrafte Angeklagte (33) schuldig. Den Schaden von 55 Euro habe er auch schon gutgemacht.

Am Heimweg von einer Gleichenfeier, bei der er mehr als zehn Bier und dazu Sturm getrunken habe, sei er gegen den Briefkasten gestürzt. Am nächsten Tag, nachdem ein Freund die Erinnerungslücken aufgeklärt hatte, sei er gleich zur Gemeinde gegangen, um die Sache zu klären.

Am gleichen Tag sorgte das kaputte Schlafzimmerfenster des 33-Jährigen für Aufregung. Er sei noch in einem Lokal gewesen, als seine Frau kam und vom Schaden berichtete. Sie will in der Dunkelheit eine amtsbekannte 50-Jährige erkannt haben, die das Fenster mit einer tschechischen Bierflasche eingeschlagen haben soll.

„Ich bin zu ihr nach Hause gegangen und hab sie z’sammgepfiffen. Dann bin ich wieder abgerissen. Geschlagen hab ich sie nicht“, schilderte der 33-Jährige vor Richter Erhard Neubauer. Für das Herumschreien habe er eine behördliche Strafe von 50 Euro kassiert.

„Dann kann ich es ja gar nicht gewesen sein.
Ich schlage nur mit der Linken.“
Erkenntnis des Angeklagten

Die 50-Jährige sei von der Polizei einvernommen worden. Diese Einvernahme sei aber aufgrund des aggressiven Verhaltens der Frau abgebrochen worden. Einen Polizisten soll sie angespuckt haben. Vor Gericht stritt die zweifach vorbestrafte Angeklagte ab, für die kaputte Fensterscheibe verantwortlich zu sein. Sie sei gar nicht am Tatort gewesen. Vom 33-Jährigen habe sie zwei Ohrfeigen kassiert.

Sie hätte an diesem Tag auch nichts getrunken. Der geduldige Richter brauchte dann einige Minuten, um mit der Frau zu klären, mit welcher Hand sie auf welche Wange geschlagen worden sei. Man einigte sich schließlich auf die rechte Hand. Das wiederum befand der 33-Jährige als Beweis für seine Unschuld: „Ich schlage nur mit der Linken.“ Sein Bewährungshelfer versank im Sessel.

Die 50-Jährige räumte außerdem ein, doch drei Bier getrunken zu haben. „Ich rechne’s eh mal zwei“, meinte Neubauer leicht genervt.

Die Frau des 33-Jährigen bestätigte im Zeugenstand, die 50-Jährige vor ihrem Haus erkannt zu haben. Sie wünsche sich auch eine einstweilige Verfügung, weil die Angeklagte ständig bei ihnen auftauche. Der 33-Jährige meinte, dass es Zeugen gebe, welche die 50-Jährige in besagter Nacht ebenfalls gesehen haben wollen. Diese sollen nun genannt und ebenfalls befragt werden. Die Verhandlung wurde somit vertagt.