Erstellt am 28. November 2015, 06:08

von Sandra Frank

Als „Hausfrau und Mutter“ in der Wüste. Ab durch Jordanien! Maria-Elisabeth Reidlinger fand heraus, wie einfach es ist, auf vermeintlich wichtige Dinge im Alltag zu verzichten.

»Ich wollte einfach nur dort sein, bei mir, im Jetzt«, sagt Maria-Elisabeth Reidlinger, weshalb sie zehn Tage mit anderen Gläubigen durch die Wüste wandern wollte.  |  NOEN, privat
Zehn Tage zu Fuß durch die Wüste Jordaniens. Ohne Dach über dem Kopf. Ohne ein Bett zum Schlafen. Ohne Badezimmer. Das bedeutet keine Dusche, keine Toilette. Kaum Kleidung zum Wechseln.

Nur wenige würden ihren Urlaub auf diese Art verbringen wollen. Maria-Elisabeth Reidlinger ist eine von ihnen. Sie wanderte vergangenen März durch die Wüste. 2016 wird sie es wieder tun.

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„Der Reiz für mich bestand darin, dass ich einfach weg von allen Terminen, weg vom Handy, weg von der Uhr wollte. Ich wollte einfach nur dort sein, bei mir, im Jetzt“, berichtet die gebürtige Hollabrunnerin, weshalb sie sich für die Zeit in der Wüste entschied. „Ich wollte einfach Zeit für Gebet, Gott und nette Menschen haben.“

Zwei Gruppen – eine mit jüngeren, eine mit älteren Teilnehmern – zu etwa 30 bis 35 Personen marschieren durch die Wüste. Begleitet von einem Team der Gemeinschaft Emmanuel und von Beduinen. In jeder Gruppe muss ein Teilnehmer dabei sein, der Arzt ist. „Das ist nur für den Notfall“, berichtet Reidlinger. In ihrer Gruppe wurde der Arzt zum Glück nicht gebraucht. „Bei uns gab‘s nur Blasen oder Ausschläge, nichts Dramatisches.“

Das eindrucksvollste Erlebnis in der Wüste? „Es gab wirklich viele schöne Momente. Aber am meisten hat mich beeindruckt, als ich in der Nacht im Schlafsack komplett eingemummt dalag und so viele Sterne sah, wie noch nie zuvor.“

Der Schlafsack sollte auf jeden Fall ein guter sein, denn: „Einmal war eine ganz dünne Eisschicht über uns, als wir aufgewacht sind“, berichtet Reidlinger von den kalten Temperaturen der Wüstennächte. „Im Schlafsack war mir aber nie kalt. Das Aufstehen war aber natürlich schwierig“, erzählt sie lachend.

„Ich habe gemerkt, dass ich viel
langsamer unterwegs bin, aber
dafür die Dinge um mich herum
intensiver wahrnehme.“
Maria-Elisabeth Reidlinger über
ihre Rückkehr aus der Wüste

„In der ersten Nacht hab‘ ich mir schon gedacht: Warum mach‘ ich das eigentlich? Und: Wie soll ich das machen?“, gibt die Wienerin zu. In der Wüste muss man genau wissen, wo sich seine Sachen im Rucksack befinden. „Wenn man am Abend nicht weiß, wo seine Stirnlampe ist, ist man in der Nacht verloren.“

Auch, wie man seine Körperhygiene in der Wüste gestaltet, ist eine Frage, die sich zu Beginn der Reise stellt. „Es war sehr spannend, zu sehen, mit wie wenigen Dingen man auskommt, und was man wirklich braucht.“

Reidlinger hatte keinen Spiegel, keine Schminksachen und auch kein Buch in der Wüste. „Und auch keine Schokolade. Die ist mir aber schon abgegangen.“ Zum Glück feierte sie aber in der Wüste ihren 30. Geburtstag. „Da hat mir dann jemand Schokolade geschenkt.“

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Wasser gibt es nur zum Trinken und Zähneputzen, nicht aber zum Waschen. „Das macht man mit Feuchttüchern.“ Die Beduinen, die die Gruppen auf der Reise begleiten, ihre Lagerplätze vorbereiten und sie mit Essen versorgen, gaben jedem Teilnehmer drei Liter Wasser. „Mit denen mussten wir bis zum nächsten Tag auskommen.“

Für die Teilnehmer gibt es eine genaue Liste, was sie für diese zehn Tage in der Wüste brauchen. „Ich hab‘ eine Rolle Klopapier mehr mitgenommen, als auf der Liste gestanden ist. Und gut war‘s“, schmunzelt die 30-Jährige.

In der Früh wurde losmarschiert. Hier trennte sich die jüngere von der älteren Gruppe. Täglich wurde Morgenlob und eine Messe gefeiert. Es gab auch immer wieder Themenimpulse und den Austausch in Kleingruppen. „Manchmal geht man auch in Stille. Aber es gab natürlich genug Zeit für Spaß und fürs Kennenlernen.“ Am Abend trafen sich die beiden Gruppen wieder am Lagerplatz, der von den Beduinen vorbereitet worden war.

Freude auf die erste Dusche war sehr groß

„Wir haben uns schon alle sehr auf unsere erste Dusche gefreut“, berichtet Reidlinger, dass jeder Teilnehmer extra für diesen Tag frische Kleidung – in einem extra Sackerl – im Rucksack transportierte. „Leider war sie sehr kurz, weil das Wasser so kalt war.“

Weit schwieriger, als sich an die Tage ohne Termine und Smartphones zu gewöhnen, war der Einstieg in den Alltag. „Ich habe gemerkt, dass ich viel langsamer unterwegs bin, aber dafür die Dinge um mich herum intensiver wahrnehme.“ Es sei ein „ziemlicher Flash“ gewesen, als sie im Alltag zurück war. „Ich finde es wirklich toll, dass ich nächstes Jahr wieder dabei sein darf“, berichtet Reidlinger.

Dieses Mal ist sie aber keine Teilnehmerin. „Ich bin Hausfrau und Mutter“, beschreibt sie ihre Rolle lachend. Sie wird das Team der Gemeinschaft Emmanuel in der Wüste unterstützen und sich um die Teilnehmer kümmern. „Mein männliches Pendant geht immer an der Spitze mit den Beduinen.“

Die Rollen sind in der Wüste also klar aufgeteilt: Der Mann gibt die Richtung vor und organisiert den Tag. Die Frau kümmert sich um die „Familie“. „Das stört mich aber nicht“, kann Reidlinger damit gut leben.

Bevor es aber im März wieder nach Jordanien geht, müssen die Teilnehmer ausgesucht werden. Denn die Anzahl in den Gruppen ist begrenzt. Hier führt sie die Gespräche mit den weiblichen Bewerbern. „Man muss körperlich fit sein und sollte keine Probleme damit haben, im Freien zu schlafen und zehn Tage auf keinem Sessel sitzen zu können.“ Es sollten Menschen sein, die schon den Weg mit Gott gehen und neue Erfahrungen mit Gott und anderen Gläubigen machen wollen.

Daten & Kontakt

EXERZITIEN IM HEILIGEN LAND JORDANIEN
 
  • Die Wüstenexerzitien werden einmal pro Jahr angeboten.

  • Termin: 28. Februar bis 12. März 2016

  • Die Teilnehmerzahl in den beiden Gruppen – 18 bis ca. 30 Jahre und ab ca. 30 Jahren – ist begrenzt.

  • Anmeldeschluss: 24. Dezember 2015

  • Mehr Infos und Anmeldung unter: www.wuestenexerzitien.de

  • Veranstalter ist die katholische Gemeinschaft Emmanuel ( www.emmanuel-info.de ).

  • Veranstalter im Sinne des Reiserechts: Bayerisches Pilgerbüro München