Erstellt am 29. September 2015, 08:35

von Sandra Frank

Angelobung: „Befinden uns in spannenden Zeiten“. 400 Rekruten bekannten sich in Hollabrunn zu ihrem Heimatland Österreich. Nach 37 Jahren fand damit in der Bezirkshauptstadt wieder eine Angelobung von Rekruten statt.

»Sind das eure echten Waffen?«, fragten die Kindern mit großen Augen die Soldaten und waren stolz, dass sie mit den - natürlich ungeladenen - Waffen ebenfalls hantieren durften. Foto: Sandra Frank  |  NOEN, Sandra Frank

„Ich gelobe!“ 1978 waren diese Worte das letzte Mal in Hollabrunn lautstark zu hören. 37 Jahre sollte es also dauern, bis die nächste Angelobung Rekruten in der Bezirkshauptstadt abgehalten wurde. Vergangenen Freitag war es soweit.

400 junge Soldaten waren es, die sich entschieden haben, Dienst beim Bundesheer zu tun. Sie reisten aus der Mistelbacher Bolfras-Kasere an, die die Angelobung organisierte, sowie aus den Kasernen Korneuburg, Allensteig und Amstetten. „Ich hoffe, diese Angelobung wird ein unvergessliches Erlebnis für euch“, gab Bürgermeister Erwin Bernreiter den Rekruten mit auf den Weg.

Rudolf Striedinger ist Niederösterreichs Militärkommandant. Er sprach den Rekruten in Hollabrunn seinen „aufrichtigen Dank“ aus, dass sie sich entschieden haben, Wehrdienst zu leisten. „Wir befinden uns in mehr als spannenden Zeiten“, sprach er die aktuellen Krisen an den Grenzen Europas an.

Aber nicht nur die Kriege in der Welt veranlassten den Brigadier zu diesen Worten. Klar brachte er seine Unzufriedenheit über die aktuelle Situation zwischen Politik und Bundesheer zum Ausdruck: „Es herrscht eine scharfe Diskrepanz zwischen den uns zur Verfügung gestellten Mitteln und dem, was von uns erwartet wird.“

Die Angelobung in Hollabrunn sei aber ein klares Zeichen dafür, dass „zumindest das Volk dem österreichischen Bundesheer noch tief verbunden ist“, betonte der Militärkommandant.

„Es überlebe das Österreichische Bundesheer
in einer freien Demokratie Österreich!“
Rudolf Striedinger, Militärkommandant von
Niederösterreich

Für die neuen Aufgaben, die sich dem Bundesheer in Zukunft stellen werden, werden die Rekruten nun ausgebildet. Keine leichte Aufgabe, denn das Bundesheer leide bereits an „chronisch finanziellem Mangel“, der sich laut Striedinger schon auf den Dienstbetrieb auswirke. „Unsere Fähigkeiten werden reduziert.“

Darum schloss er seine Festansprache am Hauptplatz mit ungewöhnlichen Worten: „Es überlebe das österreichische Bundesheer in einer freien Demokratie Österreich.“

„Niemand kann sich aussuchen, was er beim Bundesheer erlebt“, sprach Landesrat Karl Wilfing zunächst das Wetter an, das es mit seinem Nieselregen nicht gut mit den Rekruten meinte. Für ihn sind Angelobungen stets besondere Ereignisse, da die Rekruten hier „ein Bekenntnis zu ihrer Heimat Österreich“ ablegen. Es sei nun an ihm „zu helfen, dass Österreich sicher bleibt“.

Ein wirkungsvolles „Ich gelobe!“ aus den Mündern der 400 Rekruten – darunter waren übrigens auch zwei Frauen – erzeugte bei dem einen oder anderen Zuseher eine Gänsehaut, die nicht vom nasskalten Wetter her rührte.

Ausklang im Gasthaus Reisinger

Auf den traditionellen Großen Zapfenstreich, der den Abschluss der Angelobung bildet, musste in Hollabrunn verzichtet werden. Eine der Konsequenzen, dass die Fähigkeiten des Bundesheeres aufgrund der budgetären Situation reduziert werden, meinte Striedinger.

Statt des Zapfenstreichs wurde den Hollabrunnern aber eine „Weltneuheit“ präsentiert: Das Ensemble 3 der Militärmusik formierte sich gemeinsam mit der Hollabrunner Stadtmusik und spielte doch noch einige traditionelle Märsche, auf die die Zuschauer bis dahin verzichten mussten. Als „besonderen Leckerbissen“ gab‘s außerdem drei Salutschüsse, abgefeuert aus einer Kanone der reitenden Artilleriedivision Nr. 2.

Seinen Ausklang fand die Angelobung im Gasthaus Reisinger. Dort wurden Standarten an die Kommandanten übergeben, Urkunden überreicht und Geschenke ausgetauscht. Denn der ehemalige Generalstabschef Edmund Entacher, der seine früheren Kollegen besuchte, Landesrat Wilfing und Brigadier Striedinger feiern dieser Tage ihre Geburtstage.