Erstellt am 13. November 2015, 05:03

von Sandra Frank

Animal Rescue Academy: Ein 200-Kilo-Opfer, das ausschlägt. Tierarzt Christoph Peterbauer kennt die richtigen Handgriffe bei Großtierrettungen.

Immer ein Team bei den Ausbildungskursen: Tierarzt Christoph Peterbauer und sein 200 Kilo schwerer Pferdedummy Biscuit. Foto: privat  |  NOEN, privat

„Wir sind die einzige Katastralgemeinde mit einer Akademie“, erzählt Ortsvorsteher Andreas Fischer stolz über die neuen Einwohner.

Christoph Peterbauer ist Veterinärmediziner und diplomierter Anästhesist in der Anicura Tierklinik Hollabrunn. Seit einem Monat lebt er in Breitenwaida. Vor drei Jahren gründete der Tierarzt seine eigene Firma, die „Animal Rescue Academy“.

„Ich will die Sicherheit bei Pferderettungen vorantreiben“, berichtet der Neo-Breitenwaidinger. Denn wenn Pferde oder andere Großtiere gerettet werden müssen, dann sieht der Experte oft „haarsträubende Dinge“, die Mensch und Tier zusätzlich in Gefahr bringen.

Tierische Einsätze oft unterschätzt

Die Zielgruppe ist weit gefächert. Trotzdem bietet Peterbauer derzeit als Einziger im deutschsprachigen Raum Kurse an, die Tierärzten, Pferdeliebhabern, Pferdesportveranstaltern und vor allem Rettungskräften zeigen, wie sie „sicher, schonend und effizient retten können, ohne dabei selbst zu Schaden zu kommen“. Oder andere Personen, wie Schaulustige und freiwillige Helfer, zu gefährden.

Was dem Veterinärmediziner oft auffällt: „Die Leute würden ihre Gesundheit, sogar ihr Leben riskieren, um Tieren zu helfen, unterschätzen dabei aber oft das Risiko.“ Selbst Einsatzkräfte würden oft auf Teile ihrer Einsatzkleidung verzichten und sich nicht selbst schützen. Das würden sie bei einem technischen Einsatz mit einem Pkw niemals machen“, weiß Peterbauer, dass die tierischen Einsätze oft unterschätzt werden.

„Der NÖ Landesfeuerwehrverband ist leider noch nicht aufgesprungen, um eine formelle Schulung für Großtierrettungen im Ausbildungselement vorzuschreiben. Sie müssen sehen, dass der Bedarf da ist“, will der Tierarzt die Tierrettung bereits in der Feuerwehrschule etablieren. „Das macht Sinn.“

Die Ausrüstung selbst ist nicht teuer

Peterbauer ist selbst Feuerwehrmann und weiß, dass die Kameraden oft als Erste am Unfallort sind. Da helfe es schon, wenn sie nur die sogenannten „drei goldenen Rettungsregeln“ kennen. Die Ausrüstung selbst sei nicht besonders teuer.

Ein paar Hebegurte für Schleiftechniken, Armverlängerungen oder Fädelhilfen. Das reiche, um etwa 90 Prozent aller Rettungen bewältigen zu können. „Oft reicht reine Muskelkraft.“ Peterbauer selbst ist ständig am Tüfteln, wie er die Werkzeuge für die Tierrettung verbessern kann.

Während seiner Ausbildung zum Anästhesisten hat er oft erlebt, wie Pferde nach einer Narkose um sich schlugen. Und so entwickelte sich die Idee zur Großtierrettung. Das Ziel des Tierarztes, der einen Teil seiner Ausbildung in England absolvierte, ist ambitioniert: „Ich möchte die Standards in der Tierrettung im deutschen Raum etablieren.“

„Es wäre auch für die Asfinag und die Polizei nicht schlecht“, ist er überzeugt, dass nicht nur die Feuerwehren profitieren. „Wenn man’s nicht kann, wurschtelt man vier Stunden herum, wenn man’s kann, dann dauert es vielleicht 20 Minuten und das Tier steht wieder – und deswegen gibt’s mich.“

Pferdedummy Biscuit ist immer mit dabei

In Deutschland war er bereits auf zwei Tourneen, die von Tierkliniken organisiert wurden. Dabei hielt er praxisorientierte Kurse ab, um die Tierretter auszubilden. Regelmäßige Kurse soll es nun auch in Breitenwaida geben. Der erste in seiner neuen Heimat fand am vergangenen Wochenende statt.

Immer mit dabei ist Pferdedummy Biscuit. An diesem Hengst – er ist lebensgroß und wiegt 200 Kilo – werden alle Rettungstechniken demonstriert und praktisch geübt. Eines ist Peterbauer aber wichtig: „Ich bin kein Pferdeflüsterer, sondern weiß lediglich über das Verhalten von Großtieren in Notlagen Bescheid.“


Die drei goldenen Rettungsregeln

  • Den Kopf des Tieres sichern.

  • Schon vor dem Rettungseinsatz einen Platz zum Freilassen des Tieres suchen.

  • Einen Rückzugsweg für sich selbst freihalten.