Erstellt am 14. Oktober 2015, 06:37

von Christoph Reiterer

Anwalt will „Fall Julia K.“ neu aufrollen. Zeuge lässt aufhorchen: Drogendealer will von Julias Ex wissen, was damals in Pulkau wirklich passiert ist.

 |  NOEN, NÖN

Im September 2013 wurde Michael K. in einem Indizienprozess wegen Mordes verurteilt. In der Justizanstalt Stein verbüßt der 53-Jährige eine 20-jährige Haftstrafe. Zu Unrecht?

Kellerbesitzer beteuerte seine Unschuld

x  |  NOEN, NÖN

Der Besitzer jenes Kellers in Dietmannsdorf, in dem im Jahr 2011 von Nachbarn die sterblichen Überreste Julia Kührers gefunden wurden, beteuert nach wie vor seine Unschuld. „Davon ist er keinen Zentimeter abgerückt“, sagt sein Anwalt Wolfgang Blaschitz.

Wie der „Kurier“ berichtet, wurde nun ein amtsbekannter Drogendealer in Stein inhaftiert. Und dieser habe erzählt, zu wissen, was sich damals in Pulkau wirklich ereignet hat. Blaschitz hofft, dadurch eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erwirken.

Hatte Julia eine Überdosis erwischt?

Demnach habe die damals 16-jährige Julia am Tag ihres Verschwindens im Juni 2006 bei einer Party eine Überdosis erwischt und sei verstorben. Ihr Ex-Freund S. soll die Leiche danach im Keller von Michael K. abgelegt haben.

Der neue Zeuge Franz P. wolle das auch vor Gericht bestätigen. S., der im Zuge der Ermittlungen lange Zeit als hauptverdächtig galt, soll ihm das persönlich erzählt haben.

Die fast idente Aussage einer Zeugin finde sich in einem Aktenvermerk vom 6. Oktober 2013. Doch da war K. bereits verurteilt. Jener Mann, der letztlich deshalb verurteilt wurde, weil auf der Decke, in die Julia eingehüllt war, seine DNA nachgewiesen wurde.

„Je mehr Infos, desto wohler ist mir“

Michael K. erlebe im Gefängnis ein Wechselbad der Gefühle und setze hohe Erwartungen in eine Wiederaufnahme des Verfahrens, schildert der Anwalt. „Er geht immer davon aus, dass eh alles klar ist und er unschuldig ist. Da muss ich ihm oft die Euphorie aus den Segeln nehmen, denn es gibt kaum Schwierigeres als eine erfolgreiche Wiederaufnahme“, sagt Blaschitz.

Mit dem Antrag auf Wiederaufnahme will er noch ein wenig zuwarten, um möglichst viele Informationen und zweckdienliche Hinweise zusammenzutragen. „Je mehr Infos, desto wohler ist mir dabei. Von der lokalen Ebene erwarte ich hier am allermeisten.“

So setzt Blaschitz Hoffnung in den Vater eines beteiligten Jugendlichen. Dieser soll sogar vor der Hauptverhandlung seinen Sohn gemaßregelt haben, „endlich die Wahrheit“ zu sagen. Was dann offenbar nicht passiert sei, so Blaschitz.

S., der von K. die Schlüssel zu dessen Grundstück in Dietmannsdorf bekommen hatte, sei damals jedenfalls geschickt aus dem Schussfeld genommen worden.

NÖN.at berichtete: