Erstellt am 10. Dezember 2015, 04:18

von Karin Widhalm

Arbeit mit Flüchtlingen: „Wir bekommen so viel zurück“. „Retz hilft“ sprach über den Status quo und will Wege finden, damit Asylwerber nicht untätig bleiben müssen.

Zu »Retz hilft« gehören unter vielen anderen (stehend, v.l.): Gertruda Cracana (Verein »menschen.leben«), Dechant Clemens Beirer, Christoph Fasching, Walter Tobeiner sowie (sitzend, v.l.) Karin Friedl, Martin Pichelhofer, Daniela Kamhuber und Isabelle Fasching (Verein »menschen.leben«). Foto: Karin Widhalm  |  NOEN, Karin Widhalm
Drei Monate sind seit dem ersten Informationsabend zum Thema „Flüchtlinge“ vergangen. Geflüchtete Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak und Nigeria haben mittlerweile ein vorübergehendes Zuhause in der Stadtgemeinde gefunden. Die Arbeitsgemeinschaft „Retz hilft“ erläuterte am vorigen Donnerstag den Status quo.

„Wir waren nicht sichtbar, aber tätig“

Die aktiven Helfer vor Ort kamen diesmal zu Wort. Rotkreuz-Geschäftsführer Walter Tobeiner schilderte die „überwältigende Hilfsbereitschaft“. Referenten des Bundesamtes für Asyl werden bald erwartet: Sie führen mit Flüchtlingen Gespräche, die entscheidend für die Asylgewährung sind. Die letzten Treffen sollen im Juni sein.

Daniela Kamhuber umriss die Deutschkurse: 180 Stunden wurden bis dato absolviert. „Wir waren nicht sichtbar, aber tätig“, sprach Christoph Fasching über die Pfarr-Caritas. Sie vernetzt alle Helfenden, transportiert Möbel, lehrt Deutsch oder organisiert Ausflüge für Flüchtlinge.

Ein Satz war öfter zu hören, ob von Rotem Kreuz, Verein „menschen.leben“ oder einer Privatperson, die Flüchtlinge aufgenommen hat: „Wir bekommen so viel zurück.“

Ob die Männer Deutschlehrerinnen akzeptieren würden, war eine der Fragen. Kamhuber antwortete mit einem prägnanten Ja. „Viel mehr erstaunt sind sie, wenn sie Männer abwaschen sehen“, schmunzelte Tobeiner. Hat’s wirklich mal eine Rauferei gegeben? „Zwei Iraker sind in Streit geraten. Die Polizei war da, sie hat das abgehandelt und das war’s auch schon“, erzählt Tobeiner.

„Ich glaube, dass wir da kreativ sein können“

Eines beschäftigte sehr: Asylwerber dürfen nicht arbeiten und nur Gemeinnütziges für Bund, Land und Gemeinde leisten. Das Publikum suchte nach Lösungen, damit die Flüchtlinge der Untätigkeit entgehen können. „Ich glaube schon, dass wir da kreativ sein können“, so eine Besucherin. Martin Pichelhofer, Sprecher der Stadtgemeinde für „Retz hilft“, versprach, „dass wir alle Möglichkeiten ausloten“.

Pfarrer Clemens Beirer sprach über die prinzipielle Flüchtlingshilfe und warnte davor, sich allzu früh zurückzulehnen. Man stehe erst am Beginn: „Wir werden einen sehr langen Atem brauchen.“ Und fast klammheimlich nahm er zu einer aktuellen Debatte Stellung: „Werte lassen sich nicht über Bücher oder den Intellekt weitergeben, sondern übers Erleben.“