Erstellt am 22. September 2015, 08:52

von Sandra Frank

„Arbeitsweise wie im ehemaligen Ostblock“. Böse Überraschung: Unangekündigt wurden Bäume gestutzt. Anrainer sind sauer. Ortsvorsteher Einsiedl: „Ich habe nichts Falsches gemacht.“

Das Tor zur Einfahrt steht immer offen. Vergangenen Dienstag versperrten die Äste des Nussbaums die Zufahrt. »Niemand hat uns informiert, dass der Baum zurückgeschnitten wird«, ist Raimund Lunzer verärgert.  |  NOEN, Sandra Frank

„Das muss ja einer gemacht haben, der nicht bis drei zählen kann“, ist der Ärger bei Familie Lunzer vergangene Woche groß.

x  |  NOEN, Sandra Frank

In der Katastralgemeinde Eggendorf im Thale wurden Bäume zurückgeschnitten. Unangekündigt. Der Baumschnitt wurde einfach liegen gelassen. Im Falle der Lunzers direkt vor der Einfahrt, sodass sie nicht mehr hinein fahren konnten.

Wer den Nussbaum, der auf dem Grundstück der Lunzers steht, zurückgeschnitten hat, wusste die Familie nicht. „Uns hat niemand etwas gesagt!“, ist Raimund Lunzer verärgert.

Die Aufregung in Eggendorf war an diesem Tag groß. „Hintaus“ tummelten sich die Bewohner, die ebenfalls nicht wussten, wie ihnen geschah. „Bei aller Toleranz, aber das geht so nicht. Niemand hat uns informiert“, ist eine Eggendorferin ebenfalls wenig begeistert vom überraschenden Baumschnitt, vor allem weil große Äste teilweise noch auf der Fahrbahn lagen.

„Es geht darum, dass niemand mit uns gesprochen hat“

x  |  NOEN, Sandra Frank

Die Polizei kam ebenfalls zum Einsatz. Diese klärte auf, dass die Gemeinde im Ort am Werk war. „Der Ortsvorsteher muss die Straßen freihalten und dafür sorgen, dass alle fahren können“, sagt Ortsvorsteher Gerhard Einsiedl, nichts Falsches gemacht zu haben. Die betroffenen Bäume hingen über die Straße, sodass Mähdrescher nicht mehr ungehindert durchfahren konnten, sagt Einsiedl.

„Es geht nicht darum, dass der Baum geschnitten wurde, sondern darum, dass im Vorfeld niemand mit uns gesprochen hat“, entgegnet Lunzer. Denn hätte er gewusst, dass die Äste des Nussbaumes stören, „dann hätten wir sie natürlich geschnitten und die Gemeindekassa geschont“.

„Es war eine kurzfristige Aktion“, gibt der Ortsvorsteher zu. „Die Firma hat mich am Dienstag um halb acht in der Früh angerufen und gesagt, dass sie in einer halben Stunde da sind“, sei Einsiedl keine Zeit mehr geblieben, die Bürger rechtzeitig zu informieren. Außerdem: „Das ist ein öffentlicher Weg. Es wurde von niemandem der Besitz gestört, es wurde nur zurückgeschnitten, was auf den Gemeindegrund hängt.“

Weiters sei es nicht richtig, dass die Einfahrt der Lunzers durch die Äste blockiert wurde. „Ich war doch selbst dabei. Die Äste wurden zu einem Haufen zusammengetragen“, beteuert der Ortsvorsteher.

Einsiedl: „Wir haben nur unsere Pflicht erfüllt“

Mit den Lunzers habe Einsiedl mittlerweile das Gespräch gesucht und die Sache bereinigt. Beim nächsten Mal werde er die Bürger aber mit Flugzettel darüber informieren, dass ein Baumschnitt in einem gewissen Zeitraum geplant sei. Er betont aber: „Sie hätten die Äste schon lange wegschneiden müssen. Wir haben nur unsere Pflicht erfüllt.“

„Nachdem dieser Kahlschlag scheinbar schon länger geplant war, hatte die Gemeinde jede Menge Zeit, mit uns darüber zu reden. Das ist nicht geschehen“, ärgert sich Familienvater Lunzer. Denn Gelegenheiten hätte es im Ort genug gegeben.

Dass der Baumschnitt unangekündigt erfolgte, erinnert Lunzer „sehr stark an die an die Arbeitsweise im ehemaligen Ostblock. Nach dem Motto: Mir san mir!“ Die Lunzers sind mit ihrem Ärger nicht allein: „Das hat mit Landschaftspflege überhaupt nichts mehr zu tun! Warum muss man die Bäume in fünf, sechs Metern Höhe abschneiden?“, ist eine Eggendorferin empört.

Hier stimmt Lunzer zu: „Die Höhe, in der Äste weggeschnitten wurden, ist selbst für große Erntemaschinen nicht notwendig. Außer, die Gemeinde plant bei uns hintaus die Errichtung eines Hubschrauberlandeplatzes!“

„Der Baum ist unser Eigentum. Diesen zwei Wochen vor der Nussernte derartig zu verstümmeln, ist nicht nur rechtlich bedenklich“, meint der Eggendorfer. Gerade dieses Argument beeindruckt den Ortsvorsteher aber nicht: „Sie dürften die Nüsse, die auf den Gemeindegrund hinaus hängen oder runter fallen ja gar nicht ernten. Dazu brauchen sie eine Berechtigung von der Gemeinde ...“


Meinung:

Thomas Bauer, Leiter der Stadtwerke, Hollabrunn:
„In den Ortschaften ist grundsätzlich der Ortsvorsteher zuständig. Das Lichtraumprofil muss auf alle Fälle freibleiben. Auch wenn der Baum auf Privatgrund steht – sobald die Äste über den Zaun hängen, werden diese zurückgeschnitten, damit Fahrzeuge ungehindert auf der Straße fahren können. Der Ortsvorsteher hat da grundsätzlich recht. Ich verstehe aber auch die Familie Lunzer. An dem Tag ist alles sehr schnell gegangen. Der Schneider ist in der Früh gefahren, hat angerufen und gefragt, ob wir etwas brauchen. Gerade beim Nussbaum war der Zeitpunkt sicher nicht optimal. Aber wie gesagt, es ist alles sehr schnell gegangen.“