Erstellt am 16. September 2015, 05:37

von Sandra Frank

Auch Sonnberg ist „Ausweichquartier“. Durch die vielen Aufgriffe von Schleppern sind die Gefängnisse überbelegt. Justizanstalt Sonnberg ist betroffen.

Justizanstalt Sonnberg  |  NOEN, NÖN

„Geht nicht, gibt‘s nicht, das ist unsere Devise“, spricht Franz Neuteufel über die aktuellen Herausforderungen der Sonnberger Justizanstalt (JA). Dort sind derzeit 357 Insassen untergebracht. Als zu 100 Prozent ausgelastet gilt das Gefängnis jedoch schon mit 350 Personen.



Grund dafür ist der aktuelle Flüchtlingsstrom, der Europa ereilt. Denn mit den Asylwerbern kommen auch die Schlepper. Immer mehr werden aufgegriffen und landen in österreichischen Gefängnissen. Gerade Ostösterreich ist von dieser Situation betroffen. Die JA Eisenstadt (Burgenland) ist mit einer Auslastung von 180 Prozent zu Spitzenzeiten ganz klar überlastet.

Da die Justizanstalt derzeit umbaut, wurde bereits eine Außenstelle in der JA Hirtenberg (Bezirk Baden) installiert. Da in den beiden Anstalten Schlepper untergebracht werden müssen, müssen die übrigen Insassen auf andere verteilt werden. Und hier kommt Sonnberg ins Spiel.

„Es ist derzeit kein einziger Schlepper bei uns untergebracht“, sagt Neuteufel. Lediglich vier der derzeit 357 Insassen seien nach dem Paragrafen 104a, Menschenhandel, verurteilt. Dabei handle es sich aber um solche, die Frauen zur Prostitution zwingen.

„Es besteht aber keine Gefährdung, weder für
unsere Mitarbeiter, noch für die Bevölkerung.
Wir haben alles im Griff.“
Franz Neuteufel, stellvertretender Leiter
der JA Sonnberg

Die Anzahl der Insassen in Sonnberg ist angestiegen und es ist damit zu rechnen, dass sich die Zahl noch weiter erhöhen wird, solange der Flüchtlingsstrom nicht abreißt. Das bestätigt auch Neuteufel. Womit in naher Zukunft nicht zu rechnen ist: mit einer Erhöhung der Beamten. „Wir haben bei der Generaldirektion den Bedarf an zusätzlichem Personal angemeldet“, sagt der Oberstleutnant. Diese sei auch bemüht, zusätzliche Stellen zu schaffen. Doch wann dies sein werde, kann der stellevertretende JA-Leiter nicht sagen.

„Es besteht aber keine Gefährdung, weder für unsere Mitarbeiter, noch für die Bevölkerung. Wir haben alles im Griff.“ Warum Neuteufel, der seit zehn Jahren seine Arbeit in Sonnberg verrichtet, dieser Überbelegung so gelassen gegenübersteht? „Weil wir auch andere Herausforderungen schon gemeistert haben.“

Hier ist er besonders stolz auf die Mitarbeiter der Anstalt, die weiterhin für einen nahezu reibungslosen Dienstbetrieb sorgen. „Es läuft alles sehr geregelt ab“, lobt Neuteufel die Mitarbeiter, aber: „Glücklicherweise ist die Haupturlaubszeit schon vorbei“, wäre die erhöhte Insassenzahl in den Sommermonaten sicher schwieriger zu bewältigen gewesen.

„Mussten letzte Woche tatsächlich über Nacht reagieren“

Die JA selbst könne nicht bestimmen, wie viele Insassen sie aus anderen Anstalten übernehmen könne. „Die Generaldirektion sorgt für eine möglichst gleichmäßige Aufteilung der Insassen in die verschiedenen Justizanstalten.“ Im Normalfall haben die Gefängnisse eine Vorlaufzeit von ein bis zwei Wochen, um zusätzlichen Platz zu schaffen. „In der letzten Woche war es aber tatsächlich so, dass wir quasi über Nacht reagieren mussten.“

Ein Drittel der Sonnberger Insassen ist in Einzelzellen untergebracht. Ein Drittel ist zu zweit in einer Zelle und das restliche Drittel ist in Vier- bis Fünfmannzellen aufgeteilt. „Bei den Einzel- und Zweimannzellen können wir keine Betten mehr dazustellen“, erklärt Neuteufel. Daher trifft es die Mehrbettzellen. Die Generaldirektion verteile nicht wahllos Insassen: „Wir sagen ihnen, was wir brauchen.“

Die vielen Häftlinge ausreichend zu beschäftigen, sei eine Herausforderung, vor der das Gefängnis ebenfalls steht. Alles, was die JA selbst erledigen könne, wie etwa waschen, putzen oder kochen, werde von den Insassen abgedeckt. Unternehmen lagern Arbeiten an die Anstalt aus. „Wir sind auch für die Gemeinde tätig“, spricht der stellvertretende Anstaltsleiter Arbeiten wie Schneeräumen oder Straßenkehren an. So gelingt es, die Gefangenen trotz der wirtschaftlich schwachen Region sinnvoll zu beschäftigen.

Wichtig: Radikalisierung der Häftlinge unterbinden

Worauf die Beamten in Sonnberg achten müssen, ist, dass die Radikalisierung der Häftlinge unterbunden wird. „Dazu gab es schon mehrere Vorträge, damit sich die Mitarbeiter besser mit dem Islam auskennen und Auffälligkeiten in Richtung Radikalisierung rascher erkennen“, erzählt Neuteufel.

Mit einem Insassen, der verurteilt wurde, weil er in einem Ausbildungslager in Syrien war, hatten es die Sonnberger bereits zu tun. Konkrete kriegerische Handlungen habe dieser aber nicht ausgeführt. „Wir haben versucht, die Familie einzubinden, damit diese Einfluss auf ihn nimmt“, sagt Neuteufel.

Auch Therapien wurden angeboten. Beides leider ohne Erfolg. „Da muss jemand kommen, der sich mit dem Islam wirklich gut auskennt, damit er überhaupt akzeptiert wird“, fand man schließlich eine Lösung, nachdem eine Deradikalisierungseinrichtung um Unterstützung gebeten wurde. Der Insasse entwickle sich nun in eine andere Richtung, wie Neuteufel bestätigt.