Erstellt am 10. März 2016, 04:54

von Sandra Frank und Christoph Reiterer

Auf Geständnis folgte Freispruch. Allzu feucht-fröhliche Pulkautaler Geschichten beschäftigten nicht zum ersten Mal die Polizei und die Justiz.

 |  NOEN, Symbolbild
Es ging um eine eingeschlagene Fensterscheibe, einen demolierten Gemeindepostkasten und eine vermeintliche Ohrfeige: Eine fast unendliche Geschichte von Rauschaktionen in einer Gemeinde im Pulkautal fand vergangene Woche am Bezirksgericht Hollabrunn mit einem Schuld- und einem Freispruch ihr vorläufiges Ende. Eine 52-Jährige und ein 34-Jähriger, beide bei der Polizei bestens bekannt, waren angeklagt.

„Ich war nicht dort. Außerdem
trink’ ich gar kein Flaschenbier.“
Ein scheinbar wasserdichtes Argument...

„Ich hab’ eine Frau gesehen. Sie hatte eine Bierflasche in der Hand und hat sie gegen die letzte Fensterscheibe geschmissen“, schilderte eine Zeugin, die mit ihrem Hund an besagtem Tag gegen 23 Uhr spazieren war und Schreie gehört hatte. Als Richter Erhard Neubauer wissen wollte, wer die Frau war, identifizierte die Zeugin die Angeklagte: „Ich habe sie an der Stimme erkannt. Und am betrunkenen Gang …“

Des Weiteren habe die Angeklagte, die ihre Schuld vehement bestritt, der Zeugin vor der Verhandlung gedroht. „Ich war nicht dort. Außerdem trink’ ich gar kein Flaschenbier“, führte die Beschuldigte zu ihrer Verteidigung an. „Sondern?“, wollte der Richter wissen. „Dosenbier!“

Neubauer legte der Angeklagten nahe, doch noch zu gestehen, denn für die zweimal Vorbestrafte stand einiges auf dem Spiel. Die Staatsanwaltschaft forderte den Widerruf von zwei bedingten Strafen. Doch sie blieb dabei: „I woar’s net.“

Probezeit auf fünf Jahre verlängert

Der Richter entschied: schuldig! Noch einmal kam die 52-Jährige mit einer Bewährungsstrafe davon – vier Monate bedingt auf zwei Jahre. Vom Widerruf der beiden Vorstrafen – zwei und sechs Monate – sah er ab, verlängerte die Probezeit aber auf fünf Jahre. Außerdem muss die Pulkautalerin innerhalb von zwei Wochen den entstandenen Schaden von über 200 Euro bezahlen. Sie nahm das Urteil an.

Der zweite Angeklagte, der derzeit wegen anderer Vergehen im Gefängnis sitzt, kam mit einem Freispruch davon, obwohl er sich schuldig bekannte. „Sie sind zwar schuldig, aber es war nicht vorsätzlich.“

Der Angeklagte sei im Vollrausch gewesen, als er gegen den Gemeindepostkasten stolperte und diesen demolierte. Auch, was den angeblichen Schlag gegen die Angeklagte betrifft, sprach der Richter den 34-Jährigen frei. „Hier steht Aussage gegen Aussage und ich habe Ihnen geglaubt.“