Erstellt am 07. Oktober 2015, 04:12

von Sandra Frank und Christoph Reiterer

Aus für Kleinregion: Weber hält 10.000 Euro zurück. Beschlüsse für LuH-Auflösung durch. Guntersdorf fordert Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.

Kleinregion-Ex-Mitglied Weber will Außenstände erst zahlen, wenn Einnahmen-Ausgaben-Rechnung vorliegt.  |  NOEN, Archiv

Im Laufe der vergangenen Woche wurde das offizielle Ende der Kleinregion Land um Hollabrunn (LuH) von den letzten drei Mitgliedsgemeinden besiegelt: Nappersdorf-Kammersdorf, Hollabrunn und Grabern beschlossen in ihren Gemeinderatssitzungen die Auflösung des Vereins.

NÖN.at hatte berichtet:



Die Kleinregion wurde 1998 ins Leben gerufen – damals zählten außerdem noch Göllersdorf, Guntersdorf und Wullersdorf zu dem Gemeindebündnis dazu. Ihr Ziel war klar definiert: Der Zusammenschluss sollte die Region im Tourismus- und Dienstleistungssektor beleben. Nach und nach verließen die Gemeinden den Verein, die Förderprojekte sind ausgelaufen.

Neue sind keine angedacht, wie Hollabrunns Vizebürgermeister Alfred Babinsky (ÖVP) in der vergangenen Gemeinderatssitzung bekannt gab. Daher gibt es für den Verein auch keine Förderungen mehr. In einer Vorstandssitzung wurde daher beschlossen, den Verein mit 31. Dezember 2015 aufzulösen.

Während besagter Tagesordnungspunkt in der Gemeinde des LuH-Obmanns Herbert Leebs (ÖVP, Bild oben) eher emotionslos – und einstimmig – über die Bühne ging, wurde in Nappersdorf-Kammersdorf und Hollabrunn sehr wohl diskutiert.

Die Mandatare interessierte die finanzielle Situation des Vereins am meisten, oder, wie es Gemeinderat Josef Frank (SPÖ) in Hollabrunn ausdrückte: „Wer kriegt das große Geld? Oder: Wer kriegt das Defizit?“

„Am Ende des Jahres wird ein geringer Plus- oder Minusbetrag übrig bleiben, der unter den drei Gemeinden aufgeteilt werden wird“, erklärt Babinsky, dass es derzeit keine genauen Zahlen gebe. Sicher ist: 2015 ist finanziert.

Jetzt müssen noch „Außenstände von alten Mitgliedergemeinden“ eingehoben werden, sagt der LuH-Vizechef. Dass es keine konkreten Summen gibt, ärgerte auch die SPÖ-Opposition in Nappersdorf-Kammersdorf: „Was ist das für ein Verein? Man muss doch sagen können, was noch offen ist!“

Guntersdorf zahlt erst bei Kassa-Offenlegung

Denn auch Bürgermeister Gottfried Pompe (ÖVP) wurde bei der Sitzung die Frage gestellt, wie der Verein finanziell dastehe. Er verwies ebenfalls auf einen „Kassasturz“, wenn die fehlenden Außenstände einbezahlt wurden.

Konkret geht es dabei um die Marktgemeinde Guntersdorf. 2014 beschloss der Gemeinderat einstimmig, aus der Kleinregion auszutreten. Danach flatterte ein Erlagschein ins Gemeindeamt, Guntersdorf habe 10.000 Euro zu zahlen. Bisher wurde diese Rechnung nicht beglichen.

„Die Summe ist budgetiert, das Geld liegt bereit“, stellte Bürgermeister Roland Weber (ÖVP) klar, dass es nicht daran liege, dass seine Gemeinde nicht zahlen könne. „Ich habe vom Vorstand eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung verlangt“, will er das Kapitel LuH ordnungsgemäß abschließen. Diese sei ihm aber bis dato nicht vorgelegt worden. „Sie haben mir eine Aneinanderreihung von Belegen geschickt.“

Doch das lässt der Steuerberater nicht gelten. Er verlange eine richtige Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. „Das wird doch ein Verein zsambringen, der von lauter Bürgermeistern geführt wird.“ Denn: „Wenn ich von meinem Jugendverein eine Kassaoffenlegung verlange, dann geht das ja auch ...“

„Die Aufstellung, die das Land um Hollabrunn geliefert hat, reicht Bürgermeister Weber nicht“, bestätigt LuH-Obmann Leeb, weshalb die Guntersdorfer Summe noch offen ist. Die Außenstände würden knapp über 10.000 Euro betragen. „Die rühren noch von der Ausfallhaftung der KEM her“, erklärt Leeb und spricht damit eines der letzten Projekte des LuHs, die Klima- und Energie Modellregion Land um Hollabrunn, kurz KEM, an.

„Wir werden uns aber in den nächsten Tagen zusammensetzen, um ins Reine zu kommen“, will Leeb die Situation jetzt rasch klären. „Immerhin gibt es auch in Guntersdorf einen Gemeinderatsbeschluss bezüglich der Ausfallhaftung. Ich denke, dass die Gemeinde dazu stehen wird“, ist Graberns Bürgermeister zuversichtlich.


Zitiert: „Traurig, was alles nicht passiert ist“

„Besser, wir lösen den Verein jetzt auf und kommen mit einem blauen Auge davon.“
Bürgermeister Gottfried Pompe (Nappersdorf-Kammersdorf) über das Ende der Kleinregion Land um Hollabrunn.

„Aus dem Land um Hollabrunn hätte man viel mehr machen können. Es ist traurig, was alles nicht passiert ist.“
Peter Loy, Die Grünen Hollabrunn

„Jeder kleine Verein, der etwas macht, bringt für die Stadt einen Vorteil. Ich bedaure, dass das eingeschlafen ist.“
Josef Frank, SPÖ Hollabrunn

„Die meisten haben das sinkende Schiff rechtzeitig verlassen.“
Christian Lausch (FPÖ) spricht die Austritte von drei Gemeinden an.

„Hier ist ein Toter künstlich am Leben erhalten worden.“
Lausch wäre gern schon früher aus dem Verein LuH ausgetreten.

„Der Regionenshop gehört ab Jänner uns.“
Hollabrunns VP-Vize Alfred Babinsky über die Zukunft des Shops, der vom LuH betrieben wurde.