Erstellt am 20. April 2016, 04:04

von NÖN Redaktion

Bäuerliche Familienbetriebe: Über unser Rückgrat. Nicht nur Bundesministerin Sophie Karmasin hob im Stadtsaal Hollabrunn den Stellenwert der bäuerlichen Familienbetriebe hervor.

 |  NOEN, Andreas Schoenauer

Hat der landwirtschaftliche Familienbetrieb Zukunft? Um diese Frage zu beantworten, lud die Erste Bank zu einer prominent besetzten Podiumsdiskussion.

Mehr als 250 Unternehmer aus dem Weinviertel folgten der Einladung und lauschten zunächst der wissenschaftlichen Einschätzung von Universitätsprofessor Hermann Frank (WU Wien). Dieser betonte den Wunsch der Familienbetriebe nach Unabhängigkeit, monierte die oftmals vorhandene Beratungsaversion der Landwirte und hob die Nachfolgeregelung als neuralgischen Punkt in der Entwicklung der Betriebe hervor.

x  |  NOEN, Erste Bank/Andreas Schoenauer

In der folgenden, von Judith Weissenböck (ORF NÖ) moderierten Diskussionsrunde hob Familienministerin Sophie Karmasin den hohen Stellenwert der Familienbetriebe als Rückgrat der heimischen Wirtschaft und Gesellschaft hervor und sprach sich gerade in Zusammenhang mit der heimischen Landwirtschaft für eine stärkere Qualitätsorientierung vor allem bei den Konsumenten aus.

Ernährungsexpertin Hanni Rützler skizzierte den Wandel, den Ernährung in den letzten Jahren erfahren hat. Die Konsumenten würden sich immer mehr für Herkunft und Erzeugungsmethode der Lebensmittel interessieren, in der Vergangenheit wenig beachtete „Beilagen“ würden an Bedeutung gewinnen.

In diesem Zusammenhang sprach Rützler auch die Notwendigkeit an, Ernährung verstärkt in die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen einfließen zu lassen. Es sei leider kein Witz, dass manche Kinder in der Natur lila Kühe und gelbe Enten erwarteten.

Erste-Bank-Vorstandsvorsitzender Thomas Uher regte an, sich ein Beispiel an der Weinwirtschaft zu nehmen. Durch konsequente Qualitätsverbesserung und den persönlichen Bezug zum Winzer sei es gelungen, Wein zu einem edlen, wertvollen Genussmittel zu entwickeln, das auch entsprechende Erträge ermöglicht. Für die Investitionen, die es braucht, um das eigene Unternehmen weiter zu entwickeln, bot er freilich die Unterstützung der Erste Bank an.

Landwirt Maximilian Hardegg blickt auf eine mehrere hundert Jahre alte Familiengeschichte zurück, die von Höhen und Tiefen geprägt war. Trotzdem habe er nie die Freude an der Unabhängigkeit und Naturverbundenheit des landwirtschaftlichen Unternehmers verloren.

Diese Freude auch an die nächste Generation weiterzugeben, sei einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Die Phase der Betriebsübergabe sei von entscheidender Bedeutung, Konfliktherd und Erfolgsfaktor gleichermaßen.

Professor Frank kündigte schließlich die Präsentation einer großen Studie über landwirtschaftliche Familienbetriebe an, der eine breit angelegte Marktforschung zugrunde liege. Er sprach sich außerdem für eine Professionalisierung der Betriebe in der Marktbearbeitung wie auch in der Planung aus.

Gespräche in entspannter Atmosphäre rundeten einen gelungenen Abend ab.


ZITIERT

„Umsetzungskompetenz, Innovation und Initiative machen den Unterschied zwischen den Besten und den Schwachen. Die Devis kann auch diversifizieren und sich differenzieren heißen.“
Hermann Frank

„Essen hat enorm an Stellenwert gewonnen. Es ist eine spannende Zeit und ich sehe eine hohe Wertsteigerung im städtischen Raum. Die Leute sind neugierig. Ich kenne aber viele Bauern, die können nicht über ihre Produkte sprechen.“
Hanni Rützler

„Es ist aber auch gefährlich. Wenn wir zu wenig vermitteln können, kommen wir in einen enormen Preiskampf. Eigentlich gehört‘s in den Bildungsplan hinein: Wie entsteht Joghurt, Butter; woher kommen Erdäpfel, woher kommen die Erdbeeren …“
Sophie Karmasin

„Ich kenne Bauern, die können mir Geschichten erzählen, das ist beeindruckend. Die Frage ist: Wie können wir das breiter machen? Beim Wein hat es super funktioniert.“
Thomas Uher

„Der Wunsch nach Unabhängigkeit ist ein starkes Motiv bei vielen Betrieben. Die Studienergebnisse zeigen ein deutliches Dilemma: Viele sagen, sie können ihren Betrieb gerade so erhalten. Und es gibt einen gewissen Widerstand gegen Beratung – bei Finanzierungsentscheidungen und dabei, Zukunftsstrategien zu entwickeln. Das setzt Vertrauen voraus. Fakt ist, dass Entscheidungen hinausgezögert werden, die längst fällig wären. Das schwächt den Betrieb.“
Hermann Frank

„Will ich überhaupt noch, wenn mich alle nur dauernd an den Pranger stellen?“
Thomas Uher über die Frage, die das „Unternehmerbashing“ aufwirft.

„Das kann ich nur unterstreichen und das wird Österreich furchtbar auf den Kopf fallen. Wir sind unternehmerfeindlich geworden und ich kann nur hoffen, dass die Regierung diesen Knoten durchschlägt.“
Maximilian Hardegg