Hollabrunn

Erstellt am 24. August 2016, 06:01

von Christoph Reiterer

Hollabrunner Flüchtlingsklasse ist nicht mehr denkbar. Die mit viel Aufwand etablierte Übergangsstufe in der HAK wird nicht mehr gebraucht. 15 Anmeldungen wären notwendig.

Der Anfang vom Ende der Flüchtlingsklasse: Im April mussten die Flüchtlingsburschen aus dem Studentenheim ausziehen. Foto: NÖN  |  NÖN

Nach einigen bürokratischen Hürden, die zu überwinden waren, wurde Ende November des Vorjahres eine Flüchtlingsklasse in der HAK Hollabrunn installiert. In Zusammenarbeit mit der HTL und der HLW wurden rund 20 unbegleitete Teenager aus Afghanistan, Syrien und dem Irak unterrichtet und auf das Leben in der westlichen Gesellschaft vorbereitet. Im neuen Schuljahr wird es die Klasse – die sogenannte Übergangsstufe – jedoch nicht mehr geben.

„Einfach war’s für beide Seiten nicht“

Immerhin zwölf Schüler aus der Übergangsstufe sowie fünf Jugendliche, die als außerordentliche Schüler unterrichtet wurden, haben das vergangene Schuljahr mit einem ÖSD-Zertifikat (A1 oder A2) abgeschlossen.

„Einfach war’s für beide Seiten nicht, aber sie haben schon etwas gelernt“, sagt Andrea Filz, Direktorin der BHAK/BHAS Hollabrunn. Die Flüchtlingsburschen hätten sich an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen müssen. Für die Lehrer war es eine Herausforderung, mit teilweise traumatisierten Jugendlichen zu arbeiten.

Nach Verhaftung folgte der Auszug

Der Grund, weshalb die Klasse nicht weitergeführt wird, liegt aber darin, dass diese Übergangsstufe nur einmal besucht werden kann und zumindest 15 Schüler dafür angemeldet sein müssten. „Nachdem der Bürgermeister das Flüchtlingsprojekt im Studentenheim aus für mich verständlichen Gründen gecancelt hat, ist der Bedarf nicht mehr gegeben“, bestätigt Leopold Mayer, Direktor der HLW Hollabrunn.

Zur Erinnerung: Weil ein junger Afghane verhaftet und später auch verurteilt wurde, da er sich an einer 13-Jährigen vergangen hatte, mussten im April 20 Flüchtlingsburschen ihr Quartier im Studentenheim verlassen. Für jene, die danach noch in der Flüchtlingsklasse waren, wurde der Unterricht bis zum Ende des Schuljahres fortgeführt.

Ein neues Projekt sei für dieses Jahr jedenfalls nicht möglich. Jene minderjährigen Flüchtlinge, die hier weiter zur Schule gehen sollen, werden im „normalen“ Unterricht integriert. „Das bedarf zusätzlicher Anstrengung, ist aber nicht wirklich ein Problem, weil es für uns keine Neuigkeit ist“, sagt Mayer.

Hintergrund

  • Für die Prüfung ÖSD Zertifikat A1 (bisher: A1 Grundstufe Deutsch 1) sollen die Teilnehmenden fähig sein, in einfachen Situationen des Alltagslebens auf elementarer Basis zu kommunizieren. ÖSD Zertifikat A1 richtet sich an Deutschlernende ab 14 Jahren und stellt den Nachweis sprachlicher Kompetenz in routinemäßigen Situationen mit vertrauten Themen und Tätigkeiten dar. Der Schwerpunkt dieser Stufe liegt im Bereich der rezeptiven Fertigkeiten Lesen und Hören.
  • Die an der Prüfung ÖSD Zertifikat A2 (bisher: A2 Grundstufe Deutsch 2) Teilnehmenden sollten in der Lage sein, auf elementarer Ebene in einfachen, routinemäßigen Situationen des Alltags- und Berufslebens zu kommunizieren.