Erstellt am 23. März 2016, 05:34

von Christoph Reiterer und Sandra Frank

Fehlende Betreuungsplätze: „Bin den Eltern im Wort“. Experten des Landes kommen nach Hollabrunn zum Lokalaugenschein.

Nachdem sich die ÖVP zu einer Hort-Lösung bekannt hat, ist jetzt sogar eine schulische Nachmittagsbetreuung eine Option. In den Hollabrunner Volksschulen herrsche jedoch Platzmangel. Foto: Franz Enzmann  |  NOEN, Franz Enzmann

Der Bericht von VP-Bürgermeister Erwin Bernreiter über den Status quo in der Kinderbetreuung sorgte in der Gemeinderatssitzung vergangene Woche wenig überraschend für Diskussionsstoff.

Der Stadtchef bekannte sich dazu, bis zum neuen Schuljahr eine Lösung zu finden. Vorerst ist aber auch noch unklar, ob es für die betroffenen Familien eine Hort-Lösung oder doch eine schulische Nachmittagsbetreuung geben wird.

„In anderen Gemeinden gibt es kein Problem, doch in Hollabrunn gibt es Platzmangel?“, wunderte sich Daniela Lichtenecker (Liste Scharinger), dass eine Nachmittagsbetreuung in der Volksschule nicht umsetzbar sein soll.

„Den Eltern wäre eine Nachmittagsbetreuung in der Schule in Kooperation mit den Lehrern am liebsten“, betonte SPÖ-Klubobmann Alexander Eckhardt, der noch einmal die VP-Aussage in Erinnerung rief, wonach die Entkoppelung der Kinder aus der Familie auf Kosten der Allgemeinheit nicht zu unterstützen sei. Eckhardt: „Was soll das? Wir reden hier nicht von Gratisinternaten!“

Eltern zu neuerlicher Begehung eingeladen

FPÖ-Gemeinderat Christian Lausch sprach von einer traurigen Diskussion. Es gebe keinen Antrag der ÖVP und somit auch keine Sicherheit für die Eltern, die eine Nachmittagsbetreuung für ihre Schulkinder benötigen. „Es haben alle eine klipp und klare Aussage verdient.“

Eine Nachmittagsbetreuung in der Volksschule scheitere unter anderem daran, dass es keinen Raum mit Sofa gibt, in dem das Essen ausgegeben werden kann, erklärt der Bürgermeister.

Experten des Landes würden sich die Situation nun aber noch einmal ansehen. Außerdem habe es in der Zwischenzeit ein positives Gespräch mit Elternvertretern gegeben. Sie sollen eingebunden werden und können auf Wunsch bei der Begehung dabei sein, so Bernreiter. „Wir werden bis September eine Lösung zusammenbringen.“

Schneider über Oppositions-Beiträge verärgert

Die schulische Nachmittagsbetreuung sei sicher die bessere und billigere Lösung, warf Lausch ein. Eine Hort-Lösung sei allerdings wohl rascher zu realisieren. „So seriös muss man sein.“ Primär gehe es darum, den Bedarf der betroffenen Eltern schnellstmöglich abzudecken.

Außerdem wäre es für die Gemeinde längst ein Leichtes gewesen, den ungefähren Bedarf an Betreuungsplätzen zu ermitteln: „Das letzte Kindergartenjahr ist verpflichtend. Der Bürgermeister muss nur einen Zettel austeilen und abfragen, ob im nächsten Jahr voraussichtlich schulische Nachmittagsbetreuung gebraucht wird. Dann hat er einen ungefähren Richtwert.“

Verärgert zeigte sich Kornelius Schneider über die Debattenbeiträge der Opposition. Vor 777 Tagen sei der Masterplan für den Bildungscampus präsentiert worden. Am 28. Jänner 2014 habe er eingeladen, mitzuarbeiten. Doch die Bemühungen der politischen Mitbewerber hätten sich darauf beschränkt, zu erklären, wie’s nicht geht.

„Ich will keine schnelle Lösung, sondern die bestmögliche Lösung für die Kinder“, betonte der Bürgermeister mehrmals. Und: „Ich bin den Eltern im Wort.“

Der Antrag von Alexander Eckhardt auf Prüfung des von der SPÖ vorgeschlagenen Objekts in der Pfarrgasse 7 als möglicher neuer Kinderhort wurde einstimmig angenommen.

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ZITIERT

„Bei den Kleinkindern hat es auch drei Anläufe gebraucht.“
Stadtrat Wolfgang Scharinger

„In der Schulstadt im Weinviertel muss man eine Basis schaffen, wo man flexibel ist.“
Gemeinderat Peter Loy, Die Grünen

„Die schulische Nachmittagsbetreuung wird den Rahmen sprengen. Ich lade alle ein, das Haus zu besuchen.“
Bildungsgemeinderätin Doris Graf, VP, ist selbst Lehrerin in der Volksschule Koliskoplatz

„Da waren wir gar nicht so falsch mit der Aussage, dass die Lehrer dagegen sind.“
FPÖ-Gemeinderat Christian Lausch zum Einwand von Doris Graf

„Danke fürs Lob. Wenn wir mitgetan hätten, würde der Campus schon stehen? Na wo tramst denn?“
Wolfgang Scharinger zur Kritik von VP-Finanzstadtrat Kornelius Schneider, dass die Opposition nicht zum Bildungscampus beitragen würde

„Ein Container ist mehr Not als Lösung.“
SPÖ-Klubchef Alexander Eckhardt

„Der Bericht ist eine Unsicherheit für die Familien und die Volkshilfe darf keine Auskunft mehr geben, seitdem du sie besucht hast … Unsere Anträge sind ja nix Schlimmes. Wennst sie nicht annimmst, habe ich das dumpfe Gefühl, du willst gar nichts machen.“
Christian Lausch zum Bürgermeister


Hintergrund: Aus dem Bericht des Bürgermeisters

Viele Optionen, die geprüft wurden – wobei wir immer im Vorfeld das Land NÖ beiziehen –, stellten sich als ungeeignet heraus, etwa Räumlichkeiten in der Neuen Mittelschule oder im leer stehenden alten Badegebäude. Selbst nachdem ein Objekt als geeignet erachtet werden würde, muss dieses erst … entsprechend adaptiert und umgebaut werden.

Der nötige Raumbedarf für eine schulische Nachmittagsbetreuung an den beiden Hollabrunner Volksschulstandorten ist aus Platzmangel keinesfalls gegeben.

Jedenfalls kann ich garantieren, dass wir permanent nach Lösungen suchen und alle Optionen auf Machbarkeit und Finanzierbarkeit prüfen, um die Situation an fehlenden Betreuungsplätzen ehest beheben zu können.