Hollabrunn , Göllersdorf , Sierndorf , Stockerau

Erstellt am 28. Dezember 2017, 04:46

von Sandra Frank und Christoph Reiterer

Nordwestbahn: Zweites Gleis bleibt am Radar. In 25 Minuten von Hollabrunn nach Floridsdorf? Grüner Ruf nach schwarzen Lobbyisten.

Baustellen oder andere Zwischenfälle lösen gerade im eingleisigen Bereich oft zeitliche Kettenreaktionen aus. Dann werden die Bahnhöfe im Bezirk zur Wartezone.  |  NOEN

Es ist ein unerfülltes Anliegen, das den Pendlerbezirk Hollabrunn schon lange begleitet – und auch im neuen Jahr begleiten wird: ein zweites Gleis auf der Nordwestbahnstrecke ab Stockerau in Richtung Norden.

Zur Sprache kam es wieder, als die Grünen die Fahrpläne im Visitenkartenformat am Hollabrunner Bahnhof verteilten. Landtagsspitzenkandidatin Helga Krismer und Lokalmatador Georg Ecker, Nummer zwei der Liste, wurden prompt Zeugen des Pendlerleids: Ein Zug hatte Verspätung. „Das kommt sehr oft vor. Das Problem ist die Eingleisigkeit zwischen Stockerau und Hollabrunn“, seufzte Ecker.

Fordern Lobbying fürs zweite Gleis: Georg Ecker, Helga Krismer.  |  Sandra Frank

Die beiden Ausweichen in Sierndorf und Göllersdorf seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Jede Standseilbahn hat mehr Ausweichen als die Strecke Stockerau-Hollabrunn“, ärgert sich Krismer.

„Wir wissen, dass die Forderung nicht neu ist“, sagt Ecker, aber: „Die Probleme auf der Strecke sind nicht weniger geworden.“ Mit einem zweiten Gleis wäre eine Taktverdichtung möglich, was wiederum die Sitzplatzproblematik lösen würde. Und, so Ecker: „Man könnte die Strecke auf 160 km/h ausbauen, dann ist man in 25 Minuten von Hollabrunn in Floridsdorf.“ Diese Zeitersparnis gegenüber dem Auto würde in weiterer Folge noch mehr Menschen dazu bringen, auf Öffis umzusteigen. „Es gibt hier noch enormes Potenzial!“

„Ein gutes Öffi-Projekt braucht Lobbyisten“, wünscht sich Krismer von der ÖVP, dass sich diese hier ebenso einsetzt wie etwa für die A 5 im Bezirk Mistelbach. „Auf einem Bein steht man nicht gut.“ Ein zweigleisiger Ausbau bringe mehr Lebensqualität sowie neue Chancen für Tourismus und Wirtschaft.

„Gerade in Retz gibt es viele Veranstaltungen, die Wiener gern besuchen würden“, ergänzt Ecker. Doch mit der Bahn sei es bislang nicht möglich, nach 20.17 Uhr wieder zurück in die Bundeshauptstadt zu gelangen. Für Bürgermeister würden sich neue Argumente auftun, Betriebe ihre Gemeinden zu locken. Die Flächen rund um die Trägerachsen seien attraktiv für Wirtschaftstreibende.

„… aber es muss auch jemand zahlen“

„So kann man die Region gut entwickeln, man muss jetzt damit beginnen“, appelliert Krismer. Ebenso aufrecht bleibt die Forderung nach einem 365-Euro-Öffiticket.

Er wisse, dass Pendler aus dem Bezirk oft über drei Stunden täglich investieren müssen, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen, sagte ÖVP-Bezirkschef Richard Hogl, als er vor Weihnachten Bilanz über seine Arbeit als Landtagsabgeordneter zog. „Der Gedanke ist da. Aber es muss auch jemand zahlen.“

Er ist außerdem der Meinung, dass die Pendlerzahlen fehlen würden. Die Züge seien nur zu den Stoßzeiten überfüllt. Für ihn ist ein wichtiger Ansatz, dass die Menschen ihre Arbeitszeit individuell gestalten können. „Manchen ist es lieber, sie arbeiten drei Tage zu je zwölf Stunden und sind dafür zwei Tage daheim.“ Wullersdorf zeige vor, wie das aussehen kann: „Wir sind die einzige Gemeinde in ganz Österreich, die am Samstag offen und am Montag geschlossen hat“, betont Hogl.

Ein Anrufsammeltaxi, das die Fahrgäste in der Nacht von Stockerau in den Bezirk Hollabrunn bringt, sei ebenfalls eine unterstützenswerte Idee.

Rückhalt in ihrer Forderung bekommen die Grünen von der Bezirks-SPÖ. „Den zweigleisigen Betrieb bis Retz fordern wir seit Jahren. Überall dort, wo in den Ausbau investiert wird, nehmen die Reisenden und Pendler das Angebot auch an“, sagt Vorsitzender Richard Pregler.

Dem roten Bezirksspitzenkandidaten für die Landtagswahl sind die überfüllten Züge zu den Hauptverkehrszeiten ebenfalls ein Dorn im Auge. Viele Verspätungen würden sich nicht zuletzt aufgrund des veralteten Wagenmaterials ergeben. „Hier müssen Land, Bund und ÖBB kräftig investieren.“