Erstellt am 18. August 2016, 06:30

von Sandra Frank, Barbara Witzany, Christoph Reiterer und Karin Widhalm

Nur 7 Wochen Ferien im Sommer? Skepsis überwiegt. Zeitprobleme mit den Praktika und mangelnde Kontinuität im Unterricht als Gegenargumente.

Hält kürzere Sommerferien für ein taugliches Mittel, Kinderbetreuungs-probleme zu beheben: Familienministerin Sophie Karmasin.  |  NOEN, APA / Roland Schlager

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) ließ vergangene Woche mit der Forderung aufhorchen, die Sommerferien um zwei Wochen zu verkürzen und stattdessen zwei zusätzliche Ferienwochen im Herbst zu etablieren. Das würde die Betreuungsprobleme von Eltern lindern und zusätzlich den Tourismus beleben. Die NÖN hörte sich im Bezirk um, was von diesem Vorschlag gehalten wird.

„Am Management ändert sich ja nichts“

„Zwei Wochen Herbst- oder Osterferien wären schon gut. Andererseits ist es schwierig, die Kinder im Sommer bei den heißen Temperaturen bei der Stange zu halten“, meint Michaela Zellhofer, Direktorin der Medienmittelschule in Ziersdorf. Es sei jedoch zu erkennen, dass längere Pausen den Kindern nicht guttun. Die Diskussion sei jedenfalls nicht neu.

Das sagt auch Franz Städtner, Direktor an der Neuen Mittelschule in Haugsdorf und Hadres. „Geändert hat sich nichts.“ Karmasins Vorschlag könne man ohne Umstände verwirklichen: „Am Management ändert sich ja nichts.“

Städtner findet: „Die Schüler brauchen noch eine Erholungspause vor Weihnachten.“ Grundsätzlich hält er die Sommerferien jedoch nicht für zu lange. „Das brauchen die Kinder schon.“ Der Einstieg würde seines Erachtens im Herbst nicht schwerfallen.

„Praktika sprechen gegen Verkürzung“

Karl Schörg, Leiter des Hollabrunner Studentenheims, ringt der Vorschlag der Familienministerin ein Lächeln ab. „Zu diesem Thema gibt es genauso viele Meinungen, wie es Leute gibt.“ Dass die Eltern Probleme mit der Kinderbetreuung haben, kann der Hollabrunner nachvollziehen. „Aber im Herbst muss ja genauso jemand auf die Kinder aufpassen.“

Rein aus pädagogischer Ansicht sei aber ein Erholungswert der Schüler bereits nach sechs bis sieben Wochen Ferien gegeben. „Gegen eine solche Verkürzung sprechen natürlich die Praktika, die Schüler in Höheren Schulen absolvieren müssen und allein schon vier oder fünf Wochen dauern.“

Er wäre mit einer entsprechenden Änderung einverstanden, sagt Martin Haslinger, Leiter der Musikschule in Hollabrunn. Es sei keine Frage, dass man auch beim Instrumentalunterricht mal Pause benötigt, aber gerade, wenn es ums Training von durchaus feinmotorigen Fertigkeiten geht, seien acht oder neun Wochen eine sehr lange Zeit.

Ob sich die Kinderbetreuungssituation der Eltern durch kürzere Sommerferien wesentlich verbessern würde, sei dahingestellt, da die Urlaubszeit der Berufstätigen nicht länger werde, meint Haslinger. „Die Frage nach einer vollständigen Änderung des Schuljahrsablaufs vom Semester hin zum Trimester ist für mich aber auf jeden Fall anzudenken.“

Leopold Mayer, Direktor der HLW in Hollabrunn, der sich selbst als Verfechter von mehr Ganztagsschulen bezeichnet, findet gewohnt scharfe Worte: „Alle, die keine Ahnung von Schule haben, reden mit!“ Er fordert eine groß angelegte Grundsatzdiskussion über eine große Schulreform mit allen Partnern am Tisch, anstatt ständig etwas in den Raum zu stellen: „Ein Schritt links, ein Schritt rechts und rauskommen tut nix!“

Konkret zu Karmasins Vorschlag müsse man sich zunächst einmal die Frage stellen: „Sind wir eine Bildungseinrichtung oder eine Kinderaufbewahrungseinrichtung? Warum stehen Schulen überhaupt zwei Monate leer?“ Auch die Pflichtpraktika an den BHS wären problematisch unterzubringen.

Als Fan des Vorschlags der Ministerin outet sich der HLW-Direktor jedenfalls nicht. Denn gerade die Zeit von September bis Weihnachten sei die einzige ununterbrochene Arbeitszeit an der Schule. Mayers Vorschlag: „Zwei große Blöcke, wo du g‘scheit unterrichten kannst: Wir starten am 15. August und machen bis Weihnachten durch; nach den Weihnachtsferien durch bis Mitte Juni …“

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