Erstellt am 02. Dezember 2015, 01:18

von Christoph Reiterer

Bezirk Hollabrunn reicht „Rote Laterne“ weiter. Mittleres Brutto-Einkommen beträgt 1.533 Euro. Damit ist Hollabrunn Vorletzter in NÖ.

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Die Arbeiterkammer hat ihre jährliche Einkommensanalyse veröffentlicht, diesmal für das Jahr 2014. Das mittlere Brutto-Monatseinkommen (Medianeinkommen) im Bezirk Hollabrunn betrug 1.533 Euro und lag damit um 23,9 Prozent unter dem niederösterreichischen Einkommensniveau.

Zumindest aber hat Hollabrunn erstmals seit drei Jahren die Rote Laterne an den Bezirk Krems-Land weitergereicht (1.505 Euro). Auf den Drittletzten, Bruck/Leitha (1.648 Euro) fehlt jedoch ein ganzes Stück. Top: Amstetten mit 2.207 Euro.

„Die hoch dotierten Jobs sind bei uns nicht da“

Das Medianeinkommen im Bezirk Hollabrunn ist gegenüber 2013 zwar leicht gestiegen. Es werden jedoch reale Einkommensverluste von 0,28 Prozent ausgewiesen. Gegenüber 2009 steht gar ein Minus von 8,8 Prozent. Frauen verdienten 2014 im Bezirk 63,3 Prozent der Männereinkommen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass die Analyse auch die – vorwiegend weiblichen – Teilzeitkräfte einschließt.

Die Medianeinkommen der Berufsgruppen entwickelten sich in entgegengesetzter Richtung: Jenes der Arbeiter sank real um 0,06 Prozent, jenes der Angestellten stieg um 1,17 Prozent. Nur im Bezirk Gänserndorf war die Differenz zwischen Angestellten und Arbeitern zum landesweiten Medianeinkommen höher.

Den höchsten realen Anstieg des Einkommensniveaus wies der Bezirk Horn (+2,96 Prozent) auf, den stärksten Rückgang der Bezirk Krems-Land (-3,32 Prozent).

„Die hoch dotierten Jobs, die es vor allem in Industrie und Forschung gibt, sind bei uns einfach nicht da. Der Branchenmix im Bezirk Hollabrunn ist der ländlichen Gegend angepasst. Gegensteuern kann man nur durch Infrastruktur“, meint Hollabrunns AK-Leiter Martin Feigl zur aktuellen Statistik.

Im Weinviertel wird am schlechtesten verdient

Dass das mittlere Einkommen der Frauen um 0,9 Prozent gestiegen ist, wertet Feigl als Zeichen, dass doch immer mehr weibliche Kräfte in Richtung Führungsjobs drängen. Der reale Einkommenszuwachs bei den Angestellten sei ebenso erfreulich. Der große „Rückstand“ der Arbeiter sei darauf zurückzuführen, dass vor allem im Wiener Speckgürtel oft über Kollektivvertrag bezahlt werde.

Insgesamt wird im Weinviertel am schlechtesten verdient. Große Unterschiede in der Höhe von Löhnen und Gehältern gibt es hier nicht nur zwischen Spitzen- und Wenigverdienern, sondern auch unter den einzelnen Bezirken: Die Einkommensdifferenz zwischen Korneuburg und Hollabrunn beträgt 437 Euro. Mistelbach (1.794 Euro) liegt noch vor Gänserndorf (1.732 Euro).

Im Zehnjahresvergleich verringerte sich das Nettorealeinkommen in Niederösterreich um 4 Euro. Damit sank die Kaufkraft aus dem Medianeinkommen gegenüber 2004 um 0,3 Prozent. Das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts lag zwischen 2004 und 2014 hingegen bei 13,5 Prozent. Das zeigt, dass die Entwicklung der Einkommen der unselbstständig Beschäftigten nicht mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mithalten konnte.


Medianeinkommen 2014

NÖ-BEZIRKSRANKING UND VERGLEICH ZU NÖ GESAMT

Amstetten2.207 Euro (109,6%)

Waidhofen/Ybbs2.156 Euro (107,0%)

St. Pölten Stadt2.121 Euro (105,3%)

Scheibbs2.110 Euro (104,8%)

Gmünd2.103 Euro (104,4%)

Wien-Umgebung2.085 Euro (103,5%)

Lilienfeld2.079 Euro (103,2%)

Mödling2.046 Euro (101,6%)

Wiener Neustadt Land2.038 Euro (101,2%)

Neunkirchen2.035 Euro (101,0%)

Baden1.982 Euro (98,4%)

Krems Stadt1.976 Euro (98,1%)

Korneuburg1.970 Euro (97,8%)

St. Pölten Land1.968 Euro (97,7%)

Waidhofen/Thaya1.940 Euro (96,3%)

Zwettl1.878 Euro (93,2%)

Tulln1.874 Euro (93,0%)

Melk1.860 Euro (92,3%)

Wiener Neustadt Stadt1.851 Euro (91,9%)

Horn1.811 Euro (89,9%)

Mistelbach1.794 Euro (89,1%)

Gänserndorf1.732 Euro (86,0%)

Bruck/Leitha1.648 Euro (81,8%)

Hollabrunn1.533 Euro (76,1%)

Krems Land1.505 Euro (74,7%)

NÖ gesamt2.014 Euro

Österreich2.078 Euro