Erstellt am 27. April 2017, 05:18

von Sandra Frank, Franz Enzmann, Martin Holub und Michael Böck

Wetterkapriolen: Winzer waren für Frost gerüstet. Wie ihre Rebstöcke Wind und Wetter verarbeitet haben, berichten die Weinbauern des Bezirks Hollabrunn.

Die Winzer der Nappersdorfer Rieden waren gut vorbereitet. Sie machten sogar „Proberäucherungen“, um auf den Frost vorbereitet zu sein. Doch der blieb zur Freude der Weinbauern aus.  |  Gottfried Wimberger, Gottfried Wimberger

April, April, der macht, was er will. Dieses bekannte Sprichwort scheint sich heuer zu bewahrheiten. Sonnige Temperaturen wurden von Wind und Schnee abgelöst. Die Winzer im Bezirk waren vorbereitet, um ihre Rebstöcke vor Spätfrost zu schützen.

Landeskammerrat Reinhard Zöchmann begutachtet im Weingarten dieReben. Er und seine Roseldorfer Winzerkollegen waren gerüstet: Wäre die Temperatur unter null Grad gefallen, hätten sie geräuchert, um die Frucht zu schützen. Foto: Franz Enzmann  |  Franz Enzmann

„Wir hatten alles vorbereitet und hätten nur noch anzünden müssen“, erzählt Winzer Andreas Pröll, dass auch die Radlbrunner bereit waren, ihre Rebstöcke vor den Folgen des Frosts zu schützen. Die Strohballen lagen vergangene Woche bereit, da die Temperatur aber nicht unter null Grad fiel, blieben sie unangetastet.

„Bei uns hat es ja kaum geschneit“, schildert der Radlbrunner. Die Rebstöcke hielten den Wetterkapriolen stand: „Alles unter null Grad wird problematisch, aber darüber ist es kein Thema“, spricht Pröll von robusten Weinstöcken. Viel Niederschlag, danach warme Tage, das sei es, was sich die Winzer jetzt für ihre Reben wünschen.

Reinhard Zöchmann aus Roseldorf war in der gefürchteten Frostnacht mit seinen Winzerkollegen in der Heimatgemeinde natürlich bei den Reben im Weingarten. „Um Mitternacht konnten wir Temperaturen um die null Grad messen. Gegen vier Uhr Früh zeigte das Thermometer zwischen plus ein und zwei Grad an. Gott sei Dank“, freute sich der Landeskammerrat über das „warme“ Wetter.

„Wache-Schieben“ bis in die frühen Morgenstunden

„Wir haben in einer Senke der Mailberger Riede Antlasbergen eine Wetterstation aufgestellt. Zwischen 20.45 Uhr und 23 Uhr zeigte das Messgerät minus 1,9 Grad an“, berichtete Weinbauvereinsfunktionär Egon Puhwein. 25 Winzer und freiwillige Helfer hatten bis in die frühen Morgenstunden Wache gehalten. „Im Laufe der Nacht stiegen die Temperaturen glücklicherweise an. Augenscheinlich sind keine markanten Frostschäden entstanden.“

Die vorhergesagten Wetterkapriolen mahnten auch die Winzer von Nappersdorf-Kammersdorf und Oberstinkenbrunn zur Vorsicht: Mit 150 Rundballen machten sie sich auf den Weg in ihre Weinrieden. Die Weinbauern waren auf alles vorbereitet. Freitag, um 4 Uhr Früh, schauten sie mit bangen Blicken auf das Thermometer: Dieses zeigte ein halbes Grad über dem Gefrierpunkt. Somit blieb die große Räucheraktion vorerst aus.

Die jungen Triebe sehen zwar mitgenommen aus, haben das kalte Wetter aber dennoch gut überstanden. „Aus heutiger Sicht sind wir ziemlich sicher verschont geblieben, die Qualität, wie auch der Ertrag des heurigen Weines, haben noch nicht gelitten“, meint Jungwinzer Gottfried Wimberger aus Kleinweikersdorf. Fraglich sei, ob es zu den Eismännern erneut kalt werde. Da wäre gerade Vollmond, weiß der Winzer. „Wir könnten mit den 150 Rundballen bis minus zwei Grad gegensteuern“, ist er guter Dinge.

Das ist noch besser mit sogenannten Paraffinkerzen möglich, die Winzer Gerhard Hebenstreit zum Schutz seiner Reben dicht gereiht im Weingarten entzündete – vorsorglich. „Die Kerzen habe ich sowieso. Man kann sie jederzeit ablöschen und einfach wiederverwenden“, erklärte er die einfache Handhabung dieser vor allem im Obstbau verbreiteten Methode. Bei guter Pflege sollen die Weinstöcke so bis zu 50 Jahre ihren Dienst tun.