Erstellt am 03. Mai 2016, 11:02

von Sandra Frank

Bezirksmaifeier: „Nicht beleidigt sein und wählen gehen“. Der höchste Feiertag der Sozialdemokratie wurde in Göllersdorf gefeiert. Das Ergebnis des Wahlsonntags wurde diskutiert.

 |  NOEN, Sandra Frank

Während SP-Kanzler Werner Faymann bei seiner Rede am Wiener Rathausplatz mit Buhrufen zu kämpfen hatte, ernteten die Festredner der Bezirksmaifeier am Göllersdorfer Hauptplatz Applaus von ihren Genossen.

Der 1. Mai ist der höchste Feiertag für die Sozialdemokratie. Dass dieser Tag trotz politisch schwieriger Zeiten noch gern gefeiert wird, zeigte sich am vollen Festzelt. Als „frisch, saftig, steirisch“ stellte Bezirksgeschäftsführer Günter Tröger den Nationalratsabgeordneten Josef „Peppo“ Muchitsch vor.

„Wir haben das Sozialsystem auch nach Bruno Kreisky noch weiterentwickelt. Dennoch sind die Menschen unzufrieden und haben Angst“, zählte der Sozialdemokrat die Rekordbeschäftigung, ein Pensionssystem, „das sicher ist“, sowie ein funktionierendes Sozial- und Gesundheitssystem in Österreich auf.

„Wir haben schon bessere Tage der Sozialdemokratie erlebt, als wir den 1. Mai gefeiert haben“, sprach Bezirksvorsitzender Werner Gössl den Ausgang der Bundespräsidentenwahl an. Dieses Ergebnis wollte Muchitsch nicht schönreden: „Freunde, wenn sich jetzt nichts ändert, sind wir komplett weg vom Fenster.“

SPÖ braucht wieder „eine klare Position“

Gössl glaube nicht, dass ein Austausch von Personen etwas bringe, um der Sozialdemokratie auf die Beine zu helfen. Muchitsch ist anderer Meinung: „Wir müssen unseren Steuermann auch diskutieren“, spricht er davon, dass die SPÖ von der Spitze an wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen müsse.

Aber nicht nur die handelnden Personen müssen laut Muchitsch überdacht werden. Was die SPÖ jetzt brauche, sei eine klare Position. Bei Sachthemen genauso wie gegenüber anderen Parteien. „Die Menschen wollen Lösungen.“

Die Sozialdemokraten sind sich einig: Ihr Kandidat Rudolf Hundstorfer habe sich das Wahlergebnis bei Weitem nicht verdient. Gössl forderte seine Genossen auf, nicht beleidigt zu sein und am 22. Mai zur Wahl zu gehen. Wo er sein Kreuzerl machen wird, ist kein Geheimnis: „Ich wähl’ den Van der Bellen. Nicht aus Überzeugung, um Gottes willen.“ Eine hohe Wahlbeteiligung sei aus Sicht des Hollabrunners „die einzige Möglichkeit, diesen Super-GAU zu verhindern“.

Eine Überraschung abseits der Polit-Diskussionen gab’s am 1. Mai für den ehemaligen Leiter der Hollabrunner Arbeiterkammer: Muchitsch und Gössl überreichten Josef Auer die Viktor-Adler-Plakette, die höchste Auszeichnung der Sozialdemokratie. „Ich bin wirklich überrascht und freu’ mich riesig“, bedankte sich der Geehrte.


Zitiert: „Rudi hat die Zeche zahlen müssen!“

„Die Zeit für die Sozialdemokratie wird wieder kommen – und ich werde sie noch erleben. Die Menschen brauchen die Sozialdemokratie, um Österreich wieder sozialer, normaler und lebenswerter zu machen.“
Bezirksvorsitzender Werner Gössl ist überzeugt, dass die SPÖ wieder bessere Zeiten erleben wird.

„Rudi hat sich dieses Ergebnis bei Weitem nicht verdient. Aber er hat die Zeche zahlen müssen.“
Nationalratsabgeordneter Josef Muchitsch über Rudolf Hundstorfers Abschneiden bei der Bundespräsidentenwahl.

„Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben gezwungen, nicht die Sozialdemokratie zu wählen.“
Gössl über die Stichwahl.

„Wir haben auf Europa gehofft, doch die Europäische Union funktioniert nicht.“
Muchitsch spricht das Versagen der EU während der Flüchtlingskrise an.

„Ich bin so stolz auf unsere Ortsgruppe der Pensionisten, auf Rotwild und das Team der SPÖ Göllersdorf, dass wir alle so gut zusammenarbeiten und so ein tolles Fest auf die Beine gestellt haben.“
Göllersdorfs SP-Chef Stefan Hinterberger