Erstellt am 12. Februar 2016, 11:13

von Sandra Frank

„Biernotruf“ beschert Zeit im Gefängnis. Weil er bei einem Kirtag kein Bier mehr bekam, rief ein Pulkautaler die Polizei. Das kam ihn jetzt teuer zu stehen.

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„Warum haben Sie Hilfe gebraucht? Weil Sie kein Bier mehr bekommen haben?“ Selbst Richter Erhard Neubauer, der in seinem Gerichtssaal schon einige abstruse Geschichten verhandelt hat, staunte, als ein 44-Jähriger erklärte, wie es zum Delikt der Körperverletzung und der Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung gekommen war.

„Warum rufen Sie die Polizei, wenn Sie stoßen?“
Auch der Richter wunderte sich

Im August des Vorjahres habe er – bereits in den Morgenstunden – noch einen Kirtag besucht. Er war mit dem Fahrrad unterwegs. Sechs bis sieben Bier hatte er bereits intus. Auf der Veranstaltung trank er weiter, Bier und Mix-Getränke. „Dann wollte ich noch ein Bier, aber sie haben mir keins mehr gegeben.“ Nach einem Streit habe er seinen Widersacher schließlich zu Boden gestoßen.

„Es war nur ein leichter Stoß, aber er fiel trotzdem“, wundert sich der Angeklagte im Zeugenstand. Danach habe er die Polizei gerufen. Das verwunderte den Richter. „Warum rufen Sie die Polizei, wenn Sie stoßen?“ Normalerweise würden die Opfer die Ordnungshüter rufen.

Warum er das gemacht habe, wisse er nicht mehr, auch nicht, warum er auf einmal Handschellen an den Gelenken hatte. „Sie haben auch vor der Polizei gerauft …“, half ihm Neubauer auf die Sprünge. Vier- bis fünfmal habe der Angeklagte bei der Polizei angerufen und gesagt, es gebe eine Schlägerei. Beamte der Guntersdorfer Dienststelle schritten schließlich ein.

„Es war vier, wir wollten Schluss machen“

„Es war schon vier Uhr in der Früh, wir wollten Schluss machen. Darum hat er kein Bier mehr bekommen“, erinnert sich das 52-jährige Opfer. „Ich hab’ ihm gesagt, er soll gehen.“ Das habe der Angeklagte auch gemacht. Er ging auf den Parkplatz und kam mit der Polizei wieder. „Im Beisein der Polizisten verpasste er mir dann einen stärkeren Stoß.“ Der 52-Jährige erlitt Abschürfungen, verlangte aber kein Schmerzensgeld.

„Wir wurden zu einer angeblichen Rauferei gerufen“, schilderte ein Polizeibeamter. Weil der Angeklagte aber nur „wirr dahergeredet hat“, sei nicht klar gewesen, was passiert war. Am Festgelände sei es dann zur Tätlichkeit gekommen. Aus heiterem Himmel, der 44-Jährige sei vorher nicht aggressiv gewesen. „Wir haben ihn vorläufig festgenommen.“

Ein Alkotest bei dem offensichtlich alkoholisierten Mann ergab 2,6 Promille. Der siebenfach Vorbestrafte bekannte sich schuldig und erhoffte sich ein mildes Urteil. Und vor allem, dass Neubauer seine bisherigen bedingten Strafen nicht in Haftstrafen umwandeln würde.

Zwei Monate unbedingte Haftstrafe verhängte der Richter schließlich über den Angeklagten, von einem Widerruf der bedingten früheren Urteile sah er ab, verlängerte die Probezeit allerdings auf fünf Jahre. „Das Gefängnis wird Ihnen nicht erspart bleiben“, sagte Neubauer und wies den Angeklagten darauf hin, dass es sich um ein äußerst mildes Urteil handle.

Zitiert

„Herr Professor, zwei Monate sind wirklich wenig.“

Richter Neubauers Schüler saßen Gerichtssaal und hätten dem Angeklagten eine höhere Strafe verpasst.