Erstellt am 08. September 2015, 08:41

von Barbara Witzany

Bleiben die Pendler auf der Strecke?. In der morgendlichen Rushhour müssen Wien-Fahrer auf zwei Fahrmöglichkeiten verzichten.

Zwei Züge, beide stark frequentiert, bleiben nicht mehr in Ziersdorf aber auch nicht in den Nachbarbahnhöfen Großweikersdorf und Limberg-Maissau stehen. Wird dieser Abschnitt zur »Geisterbahn«? Foto: Witzany  |  NOEN, Barbara Witzany

Die geplante Fahrplanumstellung bei der Franz-Josefs-Bahn ab kommenden Dezember beunruhigt viele Pendler aus der Region.

In Ziersdorf und Großweikersdorf werden nach derzeitigen Stand zwei Züge Richtung Wien (REX 2101 Abfahrt 5.11 Uhr und REX 2167 Abfahrt 5.53 Uhr, jeweils Ziersdorf) nach der Fahrplanumstellung im Dezember 2015 nicht mehr halten.



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Laut Bürgermeister Johann Gartner von der Gemeinde Ziersdorf pendeln derzeit mindestens 750 Personen aus – Nachbargemeinden sind bei dieser Zahl nicht berücksichtigt. „Es haben mich in den vergangenen Tagen sehr viele Menschen auf dieses Thema angesprochen. Es wurde eine Petition gestartet, aber ich habe von den zuständigen Institutionen noch keine Rückmeldung bekommen“.

Zu den Sorgen der Pendler gehört, dass diese nicht mehr rechtzeitig ihren Arbeitsplatz erreichen können oder gegebenenfalls Kinder am Nachmittag von den jeweiligen Betreuungseinrichtungen nicht pünktlich abholen können.

Einige Argumente von Pendlern: „Wegen mir wird die Schichtzeit nicht nach hinten verschoben, nur weil der Zug später fährt und länger braucht“. Oder: „Von mir als Arbeitnehmer wird Flexibilität gefordert. Da ist dem Arbeitgeber egal, ob der letzte Zug dann 20 Minuten früher fährt.“ Das führt zu den Überlegungen komplett auf die Dienste der ÖBB zu verzichten (Auto) oder aus der Region wegzuziehen.

Wo bekommt man die Informationen?

Auch das Einholen von Informationen über die geplante Fahrplanänderung wird als schwierig bezeichnet und ist oft erfolglos. Zehn Gesprächspartner in verschiedensten Institutionen, die die Zuständigkeit wie bei einem Staffellauf weiterreichen, werden als mühsam empfunden. Hier entsteht bei den Pendlern der Verdacht, man will Informationen so spät wie möglich herausgeben um keinen „Gegenwind“ zu erzeugen und Kundenbedürfnisse nicht diskutieren zu müssen.

Es wurde kurzfristig – vor dem Treffen von Gemeindevertretern aus dem Schmidatal und Sprechern der VOR und ÖBB mit dem Titel „Fahrplandialog 2015“ am 25. August in Michelhausen eine Unterschriftenaktion von Pendlern gestartet. Über 100 Unterschriften wurden in der Urlaubszeit gesammelt. Doch es wird davon ausgegangen, dass viele Pendler noch gar nichts von dem Wegfall dieser zwei Züge ab Dezember wissen.

„Früher gab es diese Besprechungen in Eggenburg, dabei war das Schmidatal aber nie ein Thema, sondern immer die Strecke von Eggenburg ins Waldviertel“, führt Franz Klepp von der Gemeinde Ziersdorf aus.

„Haben Änderungen zufällig entdeckt“

Dieses Jahr wurden die Gemeindevertreter aus dem Schmidatal nach Michelhausen eingeladen. Im nach hinein erfuhren die sie, dass die Änderungen im Schmidatal diesmal schon bei der Besprechung in Eggenburg – vor dem Termin in Michelhausen – vorgetragen wurden.

„Wir haben diese Änderungen im Fahrplan zufällig Mitte August entdeckt,“ erzählt Edeltraud Frasl aus Großmeiseldorf. Betroffen ist ihre Tochter Sarah, die in Wien arbeitet. Josef Stefan aus Hollenstein hörte erst in den vergangenen Tagen von der Fahrplanumstellung, er nimmt den Zug um 5.11 Uhr: „Heute (Montag, Anm. der Red.) sind in Ziersdorf etwa 60 Leute eingestiegen, ähnlich war es in Großweikersdorf.“ Seit ein paar Tagen tauschen sich die Pendler auf Facebook über dieses Thema aus und suchen nach Lösungen.

„Sie schneiden uns den Weg nach Wien ab,
gerade zu den Spitzenzeiten!“
Sitzendorfs Bürgermeister Martin Reiter
ist entsetzt

Aber auch die Bürgermeister der Region sind besorgt, denn der Verlust von Mobilität verringert die Attraktivität der an der Bahnstrecke liegenden Gemeinden.

„Sie schneiden uns den Weg nach Wien ab, gerade zu den Spitzenzeiten. Wir versuchen, die Infrastruktur zu erhalten und statt besser wird es immer schlechter“, schüttelt Sitzendorfs Bürgermeister Martin Reiter den Kopf über den Wegfall zweier Züge.

„Wir bemühen uns, mit vielen Projekten, sei es Wohnbau, Infrastruktur oder Freizeitgestaltung, die Gegend noch attraktiver zu machen, um Hauptwohnsitzer in die Region zu bekommen – dazu gehört Mobilität“, so Reiter.

Noch keine Stellungnahme von ÖBB-Sprecher Seif

„Seit Jahren habe ich mich um eine internationale und bessere Verbindung bei der Franz-Josefs-Bahn bemüht, verbessert hat sich nichts“, ist auch Nationalrat außer Dienst Hannes Bauer über diese Entwicklung verstimmt.

Kurz vor Redaktionsschluss meldeten sich Landesrat Karl Wilfing und Jürgen Pogadl von der VOR. Beide kündigten an, in den nächsten Tagen zu den gestrichenen Zügen im Schmidatal Stellung zu nehmen. Der Pressesprecher der ÖBB, Christoph Seif, gab bis Redaktionsschluss noch keine Stellungnahme ab.

Seit ersten September sind ohnehin die Bahnhöfe Ravelsbach und Glaubendorf-Wetzdorf geschlossen. Der Bürgermeister von Heldenberg, Peter Steinbach erhob im Juni über einen Aufruf in der örtlichen Gemeindezeitung das Interesse an dem Bahnhof Glaubendorf-Wetzdorf. „Da haben sich aber nur sieben Menschen insgesamt gemeldet.“