Erstellt am 27. April 2016, 05:04

von Christoph Reiterer und Sandra Frank

BP-Wahl: „Bitte, geht’s trotzdem zum zweiten Wahlgang“. SP-Bezirksvorsitzender Werner Gössl wählt Van der Bellen, will aber keine Wahlempfehlung abgeben. VP-Hogl hofft auf „klare Wege“.

Die letzten Stimmen waren noch nicht ausgezählt, da machten sich SPÖ-Stadtparteiobmann Friedrich Dechant (2.v.l.) und Klubsprecher Alexander Eckhardt (3.v.r.) schon auf, um die letzten Plakate für die Maifeier aufzuhängen. »Auch in sehr schwierigen Zeiten für die Sozialdemokratie werden wir den Tag der Arbeit in Göllersdorf zelebrieren«, so Eckhardt. Die Sozialdemokratie im Bezirk Hollabrunn sei mehr denn je gefragt, ihre Positionen stark und präsent zu vertreten. Foto: SP  |  NOEN, SP
SPÖ-Bezirksvorsitzender Werner Gössl war aus familiären Gründen nicht im Parteibüro, als die bittere Pille für Rudolf Hundstorfer Gewissheit war. Die NÖN erreichte den 59-Jährigen wenig später am Telefon.

„Das ist eine gewaltige Ohrfeige“

„Es war eine Abrechnung mit der Regierungspolitik, die FPÖ hat das im Wahlkampf gespielt“, konstatiert Gössl. Der Einfluss der Regierungsarbeit auf das Ergebnis sei extrem hoch, den Kandidaten der Regierungsparteien sei eigentlich nichts vorzuwerfen. „Das ist eine gewaltige Ohrfeige. Das Ausmaß an mangelnder Unterstützung muss zu denken geben. Der Wähler hat immer recht.“

Gössl ist überzeugt, dass der schwarz-rote Schwenk in der Flüchtlingspolitik überhaupt nichts bewirkt habe. „Der Wähler wählt den Schmied und nicht den Schmiedl.“ Die größte Steuerreform der Zweiten Republik sei komplett untergegangen.

„Und die wird noch überdeckt von der unseligen Registrierkassenpflicht, wo ehrenamtliche Funktionäre diskutieren, wie deppert die Regierung ist, dass sie so etwas macht. Das ist einfach ungeschickt“, meint der SPÖ-Bezirkschef.

„Müssen Leute endlich ernst nehmen“

Als ungeschickt und als eine Anmaßung empfände er es auch, jetzt eine Wahlempfehlung abzugeben. Das würde beim Wähler nicht gut ankommen.

Die Aufgabe in den kommenden vier Wochen sei es, darauf aufmerksam zu machen: „Bitte, geht’s beim zweiten Wahlgang auch wählen, auch wenn kein Sozialdemokrat mehr dabei ist.“ Das sei die Hauptsorge des „demokratisch gesinnten Werner Gössl“. Wen er am 22. Mai selbst wählen wird, sei ein klarer Fall. Norbert Hofer wird’s nicht sein.

Die herbe Niederlage von Rudolf Hundstorfer tue ihm weh, weil dieser ein ganz toller Mensch sei und Österreich einen super Sozialminister verloren habe. „Man nimmt das persönlich und das hat er sich nicht verdient.“

„Wir müssen die Sache und die Leute endlich ernst nehmen“, zeigten die (ehemaligen) Großparteien auch für VP-Bezirkschef Richard Hogl zu wenig klare Lösungswege. Die FPÖ habe die „Kampfrhetorik“ gezeigt, mit der die Stimmen zu holen waren.

Lausch zeigte sich überrascht

Für den 22. Mai prognostizieren Himmelbauer und Hogl ein „sehr knappes“ Ergebnis. Wie auch immer dieser Wahltag ausgehen wird, „mit der Demokratie darf ich kein Problem haben“, sagt Hogl, der sicher ist, dass die Wähler in den nächsten Wochen ganz genau hinhören werden, was gesagt wird.

Christian Lausch zeigte sich indes überrascht, dass die ÖVP selbst im Heimatbezirk des Landeshauptmanns so schlecht abgeschnitten hat. Der Rechtsschwenk der Schwarzen, die er als Trittbrettfahrer bezeichnet, sei vom Wähler nicht goutiert worden.

Hollabrunns SPÖ-Klubsprecher Alexander Eckhardt fürchtet, dass der Wahlkampf zur Schlammschlacht wird: „Das wird für die politische Kultur im Land nicht gut sein.“ Dass der ÖVP-Kandidat in der ÖVP-Hochburg Hollabrunn nur 17 Prozent erreicht hat, sei das einzig Positive. Hofer wird auch er nicht wählen.

„Die Mobilisierungskraft der ÖVP hat offenbar stark nachgelassen“, argwöhnte SPÖ-Stadtparteiobmann Friedrich Dechant. Es sei eine klare Protestwahl gewesen. „Der Unzufriedenheit mit der Politik auf Bundesebene wurde Ausdruck verliehen.“