Erstellt am 03. Februar 2016, 05:28

von Franz Enzmann

Brauerei „Brauküche 35“ geht in Betrieb. In Schalladorf entsteht gerade die erste Brauerei des Bezirks. Im Herbst soll der erste selbst gebraute Gerstensaft aus dem Hause Gartler zum Verkosten bereit sein.

Freuen sich auf die Brauküche (v.l.): Rainer Gartler, Kathrin Erlebach mit Tochter Clementine und Jörg Gartler. Foto: Franz Enzmann  |  NOEN, Franz Enzmann

Der ausgebildete Biersommelier Jörg Gartler (34) kaufte bereits im Jahr 2010 mit seiner Lebensgefährtin Kathrin Erlebach einen alten Bauernhof in Schalladorf.

Ursprünglich sollte es ein Zweitwohnsitz für das junge Paar werden, doch es kam anders: Eine eigene Kleinbrauerei befindet sich gerade im Rohbau. Der ehemalige Stall wird dafür umgebaut. Im Eingangsbereich wird die Familie ständig wohnen.

„Zu dem Namen kamen wir, weil
alles in der Küche begonnen hat.“
Bierbrauer Jörg Gartler erklärt
den Namen „Brauküche 35“

Vor zwei Jahren erstellte das Paar ein Konzept einer Handwerksbrauerei: „Es passt zum Charme des Weinviertler Bauernhofes mit seinem Innenhof“, erzählt der Braumeister beim Rundgang durch die stilvoll renovierten Räumlichkeiten. Der Weg bis dorthin war aber steinig – von der Ideenfindung über die Planung bis hin zur Betriebsanlagengenehmigung.

Die Anrainer glaubten eine Zeit lang, dass eine Brauerei samt Gaststätte im Entstehen sei – und liefen dagegen Sturm. In vielen Gesprächen konnte den Nachbarn das Konzept erklärt werden: „Brauküche 35“ lautet die Bezeichnung eines Betriebes, der im Bezirk einzigartig ist.

„Zu dem Namen kamen wir, weil alles in der Küche begonnen hat: die Rezepturfindung und das Bierbrauen. Es ist ja wie Kochen“, erklärt Gartler, der eine Leidenschaft für die Braukunst entwickelt hat. Nach seinem Biotechnologie-Studium folgte die Ausbildung zum Biersommelier.

Weitere Kenntnisse erwarb er in der Berliner Versuchsanstalt für Brauwesen – und jetzt fungiert er als Geschäftsführer der Privatbrauerei. „Und das rechtzeitig im Jahr des Bieres“, freut sich Gartler. „Heuer ist das 500-jährige Jubiläum des Reinheitsgebotes nach 1516. Wenn wir im Herbst eröffnen, bekommt Hollabrunn sein Bezirksbier.“

Auch Spezialabfüllungen sind möglich

Partnerin Erlebach half bei der Rezepturfindung und ist Stütze im Planungs- und Betriebsanlagenprozess. Einen wichtigen Part in der Kommanditgesellschaft nimmt Rainer Gartler ein. Der Bruder des Geschäftsführers ist für die Finanzierung des Projekts mitverantwortlich.

Voraussichtlich im Herbst soll die Kleinbrauerei mit Ab-Hof-Geschäft eröffnet werden. Es sollen neben dem selbst gebrauten Gerstensaft auch regionale Produkte, großteils auf der Bio-Schiene, zur Auswahl stehen. In dem Familienbetrieb sind vier Biere – Märzen, Weizen, Red Ale und Saison – im Startsortiment geplant.

Individuelle Spezialabfüllungen für Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern oder ein Lokalbier sind möglich. Der kreative Braumeister möchte den Besuchern die Kunst des Bierbrauens durch Brauereiführungen, Braukurse und Sensorikseminare näherbringen.

Bürgermeister Richard Hogl (ÖVP) reagiert auf das Projekt zunächst etwas zurückhaltend: „Grundsätzlich ist jeder neue Betrieb willkommen. Ich bin für offene Transparenz bei einem Bauvorhaben, damit die betroffenen Anrainer keine Nachteile bei Lärm- und Geruchsimmissionen haben.“