Unternalb

Erstellt am 23. August 2016, 12:56

von NÖN Redaktion

Angeklagter: „War kein großer Capo“. 13 Angeklagte sollen in großem Stil Cannabis erzeugt und verkauft haben. Verteidiger stellen Bandenbildung in Abrede. Fahnder hoben Plantagen auch in Hofern und Unternalb aus.

 |  APA (Archiv/Pfarrhofer)

13 zum Großteil serbische Angeklagte müssen sich vor Geschworenen am Landesgericht Wiener Neustadt dafür verantworten, als kriminelle Vereinigung Suchtgifthandel betrieben zu haben. Die Pflanzenaufzucht erfolgte in drei Bundesländern, zwei Plantagen waren in Unternalb und Hofern (NÖN.at hatte vergangene Woche berichtet).

Die „Geschäfte“ wurden laut Anklageschrift unter der Leitung zweier befreundeter Männer abgewickelt. Der Erstangeklagte ist ein ungarischer Staatsbürger serbischer Herkunft. Der 38-Jährige soll sich mit dem Verdienst teure Reisen und Luxusgüter geleistet haben. Sein Kompagnon ist ein 39-jähriger Serbe.

Die erste Plantage wurde 2014 in Matzendorf (Bezirk Wiener Neustadt) betrieben. Die Häuser seien zum Teil mit gefälschten Reisepässen gemietet oder gekauft worden. Die Stromzähler seien manipuliert worden, um die Kosten niedrig zu halten. Die Angeklagten bekannten sich nur teilweise schuldig, nämlich einzelner Handlungen bei der Pflanzenaufzucht.

Staatsanwalt spricht von „Riesengeschäft“

Staatsanwalt Markus Bauer wandte sich gegen eine Verharmlosung von Marihuana und beleuchtete die gesundheitsschädlichen Auswirkungen der „klassischen“, leicht erhältlichen Einstiegsdroge. Hinter der Erzeugung stehe ein „riesenwirtschaftlicher Faktor“ und eine entsprechende Organisation mit Personal und Infrastruktur.

Die Verteidigerriege stellte eine Bandenbildung, wodurch der Strafrahmen deutlich höher liegt (zehn bis 20 Jahre, lebenslängliche Freiheitsstrafe), in Abrede. Der Erstangeklagte sei „kein großer Capo“ gewesen, sondern auf die „saublöde“ Idee gekommen, um seine finanzielle Situation aufzubessern, so Anwalt Wolfgang Blaschitz. „Viel Lärm um nichts“, findet er.

Sein Kollege Elmar Kresbach verwies auf Diskussionen um die Freigabe von Cannabis, während in diesem Verfahren mit Kanonen auf Spatzen geschossen werde. Der 39-jährige Serbe habe nichts mit Organisation, Aufbau oder Planung des Ganzen zu tun gehabt und sei als kleiner Beitragstäter hineingerutscht.

Der 38-jährige Ungar bestritt jeden Zusammenhang mit anderen Standorten. „Meine Freundin hat Multiple Sklerose und ich wollte Cannabisöl herstellen“, führt er medizinische Gründe an. Richter Gerald Grafl erläutert eine durch die Überwachung dokumentierte enge Verbindung zwischen den Standorten sowie eine frühere Aussage über serbische Hintermänner.

Als Suchtgiftfahnder die Plantagen im Vorjahr aushoben und zehn Verdächtige antrafen, stellten sie insgesamt 2.258 Cannabis-Pflanzen, etwa 81 Kilo Cannabiskraut und 10.346 Euro Bargeld sicher. Wie die NÖ Landespolizeidirektion im Mai zu der Causa resümierte, soll in zwei Jahren mindestens 350 Cannabiskraut im Straßenverkaufswert von etwa 3,5 Millionen Euro produziert worden sein.

Die Einvernahmen werden im Laufe der Woche fortgesetzt. Beobachter bezweifeln, dass der Prozess am Freitag zu Ende geht.