Erstellt am 21. Oktober 2015, 18:53

von Karin Widhalm

Caritas bestätigt Gewalt in Heimen. „Der Bub war so blau geschlagen, das können Sie sich nicht vorstellen.“ Der Bericht einer Fürsorgerin ist kein Einzelfall im sogenannten Bubenheim in Retz. Personen aus der Heimleitung, Erziehungsleitung und dem Personal übten „jede Form von physischer und sexueller Gewalt“ aus.

Pressekonferenz mit (v.l.): Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner, Autorin Tanja Kraushofer, Präsident Michael Landau und den Mitgliedern des Expertenbeirats, Regina Studener-Kuras, Werner Leixnering und Kurt Scholz.  |  NOEN, Karin Widhalm
Das hält ein druckfrischer Bericht fest, den die Caritas der Erzdiözese Wien in Auftrag gegeben hat und am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Café Griensteidl präsentierte.

Die Caritas hat mit einem externen Expertenbeirat Gewaltfälle in den Einrichtungen in Retz, Lanzendorf, Am Himmel und Lacknergasse aufgearbeitet. Die bisher bekannten Vorfälle trugen sich mehrheitlich in den 1950er- bis 1970er-Jahre zu. Generalsekretär Klaus Schwertner berichtet von 48 Menschen, die sich mit selbst erlebten Vorfällen an die Caritas oder Klasnic-Kommission wandten. Die Betroffenen seien ermutigt worden, Anzeige zu erstatten. Die Caritas habe bisher 366.000 Euro an „Gestenzahlungen“ und für Therapiekosten geleistet. „Dass weitere Betroffene folgen werden, ist anzunehmen“, fügt Schwertner hinzu.

Caritas-Präsident Landau entschuldigt sich aufrichtig

Für Caritas-Präsident Michael Landau ist es „schmerzlich“, dass Kinder und Jugendliche wiederholt körperlicher und seelischer Gewalt ausgesetzt waren. „Das Geschehene tut uns als Organisation, es tut mir als Mensch leid. Als Person, der ich dieser Organisation vorstehe, möchte ich mich bei all jenen, die in der Vergangenheit Opfer von Gewalt in Einrichtungen der Caritas wurden, aufrichtig entschuldigen.“ Jetzt soll alles unternommen werden, „damit es nicht noch einmal dazu kommt“.

Der Bericht, an dem Tanja Kraushofer ab dem Herbst 2012 arbeitete, trägt bewusst den Titel „Erinnern hilft Vorbeugen“. Die Einrichtungen existieren in der damaligen Form heute nicht mehr. Nicht nur, dass sich das Klientel zum Beispiel in Retz verändert hat. Die Gruppen sind kleiner, das Personal ist fachlich kompetenter. Erste Instrumente der Selbstvertretung (wie Interessenvertretungen der Klienten) wurden etabliert. Und dennoch: „Wir stehen heute nicht am Ende eines Weges, sondern am Beginn. Wir werden ihn mit aller Entschiedenheit weiterverfolgen“, so Schwertner.

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