Erstellt am 13. Mai 2016, 21:46

von Sandra Frank

„Die 80 Euro waren es mir wert“. Weil er FPÖ-Klubobmann HC Strache auf Facebook beleidigte, musste Christoph Hahn vor Gericht.

 |  NOEN, Sandra Frank

Christoph Hahn ist Musiker und Literat. Wuchs in Sierndorf auf, ging in Hollabrunn zur Schule und arbeitete dann in der Bezirkshauptstadt, bis er nach Wien übersiedelte. Vergangene Woche hatte der 31-Jährige einen „Auftritt“ am Straflandesgericht Wien, weil er FPÖ-Klubobmann Heinz-Christian Strache beleidigt hatte. Das Urteil des Richters: schuldig! Verhängte Strafe: 80 Euro.

NÖN: Weshalb wurden Sie von HC Strache angezeigt?
Christoph Hahn: Ich habe zwei Tage vor den Gemeinderatswahlen in Wien, die waren im Oktober 2015, auf meiner Facebook- Seite gepostet: „Ein rechtes Schwein darf kein Leitwolf sein!“ Und dazu ein Bild von HC Strache, das ihn mit Schweinsnase zeigt.

Wann kam es zur Anzeige?
Hahn: Im Februar hab‘ ich eine Nachricht von Facebook bekommen, dass der Beitrag gemeldet und gelöscht wurde. Danach folgte die Anzeige.

Wissen Sie, wie die FPÖ nach so langer Zeit auf das Posting aufmerksam geworden ist?
Hahn: Nein, keine Ahnung. Ich hatte Strache nicht einmal verlinkt.

Warum haben Sie diesen Satz gepostet?
Hahn: Das wurde ich bei der Verhandlung, die übrigens eine Dreiviertelstunde dauerte, auch gefragt. In meiner Freundesliste sind ausschließlich Leute mit meiner Gesinnung zu finden. Ich wollte oder musste niemanden umstimmen. Aber viele von ihnen haben keinen Sinn darin gesehen, wählen zu gehen. Und diese Leute wollte ich mit dem Posting ansprechen.

Wieso war es Ihnen wichtig, konkret gegen Bürgermeisterkandidat Strache aufzutreten? Sie hätten auch einfach dazu aufrufen können, zur Wahl zu gehen.
Hahn: Ganz einfach: Rassismus darf kein Wahlmagnet sein.

War der FP-Bundesparteiobmann als Privatankläger bei der Gerichtsverhandlung anwesend?
Hahn (lacht): Nein, er war nicht da. Er hatte wohl Besseres zu tun. Vielleicht hat er da gerade nach beleidigenden Beiträgen im Internet gesucht. Zwei Anwälte waren als seine Vertreter im Gerichtssaal.

Strache ist ein Politiker, der polarisiert und sicher öfter mit Beleidigungen konfrontiert ist. Wissen Sie, weshalb gerade Ihr Posting angezeigt wurde?
Hahn: Nein, ich weiß nicht, warum ich „ausgewählt“ wurde. Wenn jemand wie Armin Wolf mit über 250.000 Facebook-Followern so etwas postet, dann könnte ich es nachvollziehen. Der kann etwas bewirken. Ich habe nur knapp über 400 Facebook- Freunde. Keiner von denen sympathisiert mit Strache. Ich habe ihm sicher keine Stimme gekostet.

Ihr Beitrag hat Strache – oder die FPÖ – vielleicht provoziert?
Hahn: Genau das soll Satire ja. Und bei diesem Posting waren alle Parameter, die Satire ausmachen, erfüllt. Sie soll provokant sein und polarisieren.

Sind Sie verärgert über die Geldstrafe?
Hahn: Nein. Ich muss 80 Euro Strafe bezahlen. Und weitere 80 Euro muss ich zahlen, sollte ich noch einmal so etwas posten. Ich bin quasi auf Bewährung. Mich ärgert viel mehr, dass so etwas durchgeht. Strache selbst hat die Regierungsmitglieder als Flaschen bezeichnet. Und im Fall Böhmermann, den jeder kennt, hat sich Strache sogar für die Freiheit der Kunst stark gemacht. Aber jetzt verklagt er mich „kleinen Künstler“ wegen Beleidigung ...

Werden Sie Facebook-Beiträge dieser Art künftig unterlassen?
Hahn (lacht): In dieser Art schon. Ich habe ja gelernt, dass ich ihn nicht mehr als Schwein bezeichnen darf. Aber ich werde anders sicher weiter machen. Ich habe eine Literatursendung bei einem Radiosender. Da kann ich mit meinen Gästen eine Stunde lang darüber reden, warum man Strache und seinesgleichen nicht wählen sollte.

Die 80 Euro ...
Hahn: ... waren es mir auf jeden Fall wert! Es geht hier einfach ums Prinzip. Der Fall zeigt ein weiteres Mal deutlich auf, dass die FPÖ gern mit zweierlei Maß misst. Das sollte man sich beim Gang zur Wahlkabine vor Augen halten.