Erstellt am 25. Mai 2016, 05:04

von Karin Widhalm

„Die Hauptsache ist: Freundschaft“. Das Potenzial zweier Regionen möchte man im Hinblick einer Landesausstellung nutzen.

Bürgermeister Helmut Koch (Retz) und Vlastimil Gabrhel (Znojmo) unterzeichnen die Deklaration.  |  NOEN, Karin Widhalm

Ernst Strasser setzte sich hin, entwarf ein Logo und noch dazu ein Gedicht: Kreative Köpfe wurden schon beim Gedanken an eine grenzüberschreitende Landesausstellung in der Region entfacht. Der Ragelsdorfer beteiligte sich beim Logo-Wettbewerb, den der Verein „Retz2021“ ausrief. Der Favorit wurde im Vereinshauskino präsentiert – beim ersten Info-Abend für Bürger.

Andreas Hofer war unter den 15 Einsendungen und ging als Sieger hervor. Die einfach gehaltene Variante zeigt die Farben der Schwesternstädte, die sich für die Landesausstellung im Jahre 2021 bewerben wollen: blau-gelb für Retz und gold-rot für Znojmo. Das Logo ist ein Symbol der Zusammenführung, die honorige Gäste beidseits der Grenze bei der Veranstaltung hervorheben.

Große Potenziale für beide Regionen

Handelsdelegierte Martina Tauberov und Senator Pavel Šthol bekräftigen, das Projekt unterstützen zu wollen. „Die Hauptsache ist unsere gemeinsame Freundschaft“, findet Bürgermeister Vlastimil Gabrhel (Znojmo). „Es gibt große Potenziale für beiden Regionen.“ Er unterschreibt mit Amtskollegen Helmut Koch (Retz) vor Ort eine Deklaration, die das Bestreben einer gemeinsamen Bewerbung festhält.

x  |  NOEN

Das Konzept dafür soll mithilfe der sieben Arbeitskreise entstehen. Georg Stöger, der als Honorarkonsul für fünf Kreise rund um Brno zuständig ist, leitet zum Beispiel mit Ferdinand Trauttmansdorff, ehemaliger österreichischer Botschafter in Prag, den Arbeitskreis „Kooperation mit Znojmo/Tschechien“.

Arbeitskreis "Kultur"

Gerhard Forman, Alfred Kliegl und Anita Windhager führen den Arbeitskreis „Kultur“. Sie haben 20 Personen aus der Bildenden Kunst, Literatur, Musik und dem Theater geladen. Einer ihrer Vorschläge: Der Weg von Retz nach Znojmo könnte mit Performances (Straßentheater, Skulpturen, Kulinarik, Musik oder Ähnlichem) die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. „Man sollte nicht gleich darüber nachdenken: Was ist durchführbar und was nicht?“, ist Windhager offen für Visionen.

Reinhold Griebler, für Tourismus zuständig, kann sich indes ein Mühlenmuseum vorstellen oder möchte die Beschilderungen für Wanderwege verbessern. Er hebt die guten Kontakte zu Tschechien hervor.

Das bestätigt Lukáš David, der Sale Manager im Hotel Prestige (Znojmo) und Teil der Steuerungsgruppe für „Retz2021“ ist – ebenso wie Bezirkshauptmann Stefan Grusch. „Wir wollen möglichst viele Menschen einbinden“, betont er. Anregungen und Vorschläge sind von allen gefragt: Sie können direkt an die Arbeitskreise herangetragen, via retzznojmo2021.eu oder Facebook versendet werden.

Wichtig: Infrastruktur

Neben der Vernetzung ist die Infrastruktur wichtig: Retz sieht das Vereinshauskino als Ausstellungsraum vor. Ein Verbindungsgang soll zu einer Halle führen, die am früheren Radabstellplatz der Schulen und daneben liegendem Parkplatz stehen soll. Das Haus soll nach der Ausstellung für Bildungskooperationen für Schulen dienen. Retz möchte – ähnlich wie Znaim – eine Kunstschule etablieren. Und: Fachschulen in Österreich und Tschechien könnten unter Einbindung der Wirtschaft dort Lehrgänge abhalten. „Das macht 100 Prozent Sinn“, ist Hannes Weitschacher, Weinviertel-Tourismus-Geschäftsführer und ebenso in der Steuerungsgruppe, überzeugt.

Znojmo ist noch auf der Suche nach einem Standort. Gabrhel spricht von verschiedenen Möglichkeiten, etwa die ehemalige Bierbrauerei. Die Festlegung ist eines der nächsten Ziele.

Grusch möchte zudem sukzessive circa 170 aktive Betriebe als Partner vereinen. Und: „Es wäre schön, wenn wir bis zum Sommer 1.000 Mitglieder in unserem Verein hätten.“ Mit 20,21 Euro ist man schon dabei.

Hintergrund

Alle zwei Jahre findet in Niederösterreich eine Landesausstellung statt, die vier Viertel wechseln sich ab. 2015 war das Mostviertel mit dem Ötscher:reich dran. 2017 folgt Waldviertel mit Pöggstall, 2019 das Industrieviertel mit Wiener Neustadt.

Für 2021 habenneben Retz/Znojmo weitere Standorte Interesse an der Ausrichtung bekundet: Stockerau/Korneuburg und die Marchfelder Schlösser, die zuletzt eine grenzüberschreitende Kooperation mit der Slowakei verkündet haben.

Dem Verein „Retz2021“ kann jeder beitreten: Alle in einem Haushalt lebenden Personen werden mit 20,21 Euro Mitglieder – einfach Namen auf retzznojmo2021.eu eintragen. Firmen können mit 202,10 Euro, fördernde Mitglieder mit 2.021 Euro beitreten. IBAN: AT91 3271 5000 0100 2021, BIC: RLNWATW1715

ALLE ARBEITSKREISE

Vereine: Helmut Bergmann (Sportvereinobmann), Erhard Neubauer (unter anderem Feuerwehr)

Wirtschaft: Gerold Blei, Günther Hofer, Eva-Maria Himmelbauer (politische Wirtschaftsvertreter)

Znaim: Ferdinand Trauttmansdorff, Georg Stöger (mit guten Verbindungen zu Tschechien)

Bildung: Ernst Raab, Birgit Wagner (beide Schuldirektoren)

Tourismus: Reinhold Griebler (Retzer Land-Geschäftsführer), Tanja Dworzak (Gemeinderätin, Landeskammerrätin, frühere Weinkönigin), Ludwig Schleritzko (Nationalpark-Direktor)

Kultur: Anita Windhager (Künstlerin), Gerhard Forman (Musikschuldirektor, Alfred Kliegl (Retzer Vizebürgermeister & Kulturausschussvorsitzender)

Jugend: Anna Schöfmann (Rugia-Senior), Selina Siller (Gemeinderätin, Jugendforum), Daniel Wöhrer (unter anderem Jugendforum)