Erstellt am 11. November 2015, 12:08

von Sandra Frank

Die Räder im Keller: Rathaus als Fundstube. Knapp 60 Fahrräder sind „in den Katakomben“ des Göllersdorfer Rathauses zu finden. Abholen wollte sie niemand.

Im ehemaligen Heizraum der Gemeinde Göllersdorf befindet sich jetzt das Fundbüro. Bürgermeister Josef Reinwein machte gemeinsam mit der NÖN einen Rundgang durch »unsere Katakomben«. Foto: Sandra Frank  |  NOEN, Sandra Frank

Berge von verstaubten Akten, Ordnern und Büchern in dunklen Räumen, die nur mäßig beleuchtet sind – so stellt man sich den Keller eines alten Rathauses vor. Der Keller des Göllersdorfer Amtsgebäudes bedient beinahe all diese Klischees.

Aber in „unseren Katakomben“, wie Josef Reinwein sagt, gibt es zudem einen Raum voller Fahrräder. „Das ist unser Fundbüro, ein Haufen Radln“, lacht der Bürgermeister.

„Da hat man sich dann einfach eins genommen“

Zwischen 55 und 60 Fahrräder sind im ehemaligen Heizraum des Gemeindeamtes zu finden. An jedem Drahtesel ist eine Notiz angebracht, wann und wo er gefunden wurde. Wie etwa in Schönborn oder bei einer Lagerhalle in Viendorf. Auf manchen Rädern ist auch ein Schild „Verfallen“ zu finden. Der Besitzer eines solchen Gefährts hat sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums nicht gemeldet, jetzt gehört das Fahrrad der Gemeinde.

„Das hier ist aus dem Jahr 1995“, entdeckt Reinwein beim Kellerrundgang. Die meisten der Fahrräder stehen seit zehn bis 15 Jahren hier. Der Bürgermeister glaubt, sie stammen aus der Zeit, als sie noch nicht versperrt am Bahnhof abgestellt wurden. „Da hat man sich dann einfach eins genommen und dann wieder irgendwo stehen lassen.“

Dass sich jemand seinen fahrbaren Untersatz wieder zurückgeholt hätte, daran kann sich das Gemeindeoberhaupt nicht erinnern. Wenn es nun bald so weit ist, dass das alte Rathaus für einen Neubau abgerissen wird, brauchen die Drahtesel jedenfalls einen neuen Platz.