Erstellt am 10. Juni 2016, 05:00

von Sandra Frank

Dunkle Gestalt vorm Haustor: Racheakt?. Ein Nachbarschaftsstreit zieht sich schon über Jahre. Landwirt, der Tor demoliert haben soll, wurde freigesprochen.

 |  NOEN, Symbolbild

Ein Nachbarschaftsstreit im Schmidatal endete vergangene Woche am Bezirksgericht Hollabrunn. Steine des Anstoßes waren im konkreten Fall Schotter und Baustahlgitter im Wert von 560 Euro, die nicht bezahlt wurden. Deshalb soll ein 56-Jähriger beim Nachbarn das Einfahrtstor beschädigt und einen Schaden von 2.400 Euro verursacht haben. „Nicht schuldig“, sagte der Angeklagte.

„Ich kann mir den Vorwurf nicht erklären“

Er habe seinen Vis-a-vis-Nachbarn beim Hausumbau mit Schotter und Baustahlgitter versorgt. Seit knapp zwei Jahren laufe er nun dem dafür fälligen Geld schon nach. Die Nachbarin (60) wiederum verweise auf ihre Mitarbeiter, denen sie Geld gegeben habe, um die Rechnung zu begleichen. Ihr Mann sage, dieser Vorfall gehe ihn gar nichts an. Das sei nämlich passiert, während er mit seiner Gattin in Scheidung lebte.

Wenige Wochen nach der teuren Trennung folgte übrigens die Wiedervereinigung mit Hochzeit. „Ich kann mir den Vorwurf nicht erklären, dass ich das Tor zerstört haben soll. Das ist wohl eine Racheaktion, weil s‘ den Schotter nicht bezahlen wollen“, mutmaßt der angeklagte Landwirt. Er hätte das fremde Grundstück sicher nicht betreten und sei zum Tatzeitpunkt schlafend vor dem Fernseher gelegen.

„Mein Mann hat gesagt, ich
soll den Geräuschen nachgehen.“
Die Zeugin


Als angespannt beschreibt die Nachbarin das Verhältnis. Im vergangenen Sommer habe der Beschuldigte sie und ihren Ehemann wüst beschimpft. Im Februar dieses Jahres soll sich der Vorfall mit dem Einfahrtstor ereignet haben. Nach 22 Uhr seien draußen dumpfe Geräusche zu hören gewesen. „Mein Mann hat gesagt, ich soll den Geräuschen nachgehen.“

Also habe die 60-Jährige aus dem Küchenfenster gespäht und eine „dunkle Gestalt“ vor dem Haustor gesehen. Das habe sie ihrem Gatten erzählt, dann sei sie wieder fernsehen gegangen.

„Da stand auf einmal einer im Vorgarten. Das war eindeutig der Angeklagte, der die Faust gehoben und irgendetwas gesagt hat“, erinnert sich die Pensionistin. Der Schaden am Tor sei erst am nächsten Morgen entdeckt worden.

„Er war immer aggressiv, man musste sich regelrecht vor ihm fürchten“, beschreibt der Ehemann seinen Nachbarn. Beide Zeugen sagten übrigens aus, dass der Angeklagte keinen Gegenstand in der Hand gehabt hatte. Das machte Richter Erhard Neubauer stutzig. Er bezweifelte, dass man den vorhandenen Schaden am Tor ohne Werkzeug bewerkstelligen könne. Ein Umstand, der dem 56-Jährigen zu einem Freispruch verhalf.