Erstellt am 04. Mai 2016, 04:14

von Christoph Reiterer

Eaton schließt: „Schwerer Schlag für die Region“. Maschinen kommen nach Schrems. 29 sind Ende September ihren Job los.

Eaton beschäftigt weltweit an die 100.000 Mitarbeiter. Die knapp 30 Arbeitsplätze in Ziersdorf fallen da nicht ins Gewicht ... Foto: NÖN  |  NOEN, NÖN

Das wird es gewesen sein mit dem – ziemlich allein dastehenden – Aushängeschild im Schmidataler Wirtschaftspark!

Wie NÖN.at am vergangenen Donnerstag exklusiv berichtete (siehe ganz unten), verliert der Bezirk Hollabrunn einen seiner wenigen Industriebetriebe – und 29 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. Eaton schließt sein Werk in Ziersdorf.

Zentralbetriebsrat: „Lassen niemanden allein“

Offiziell wurden die Mitarbeiter am Mittwoch letzter Woche informiert. „Es ist wahr. Die Anlagen werden am Standort Schrems integriert“, bestätigte Werksleiter Thomas Graf. NÖ-Arbeiterkammer-Präsident und ÖGB-Vorsitzender Markus Wieser sicherte den Betroffenen prompt vollste Unterstützung zu. Die Schließung sei ein schwerer Schlag für die Region, besonders aber für die Kollegen und deren Familien.

Betriebsrat, Interessensvertretung und Unternehmensleitung haben bereits Gespräche für eine Abfederung der sozialen Härten aufgenommen. „Wir lassen niemanden allein, vollster Einsatz für die Betroffenen ist angesagt“, sagt Eaton-Zentralbetriebsrat Werner Müller. Interne Kontakte mit Betriebsräten aus der Region sollen genutzt werden, um Möglichkeiten zu erfahren, wo Mitarbeiter gesucht werden.

Bis Ende September wird die Produktion von Elektro-Komponenten in Ziersdorf schrittweise abgebaut, die Maschinen werden ins Schremser Werk mit seinen 800 Mitarbeitern verfrachtet. Für die Kollegen in Ziersdorf tue es ihm sehr leid, so Graf. Auf die Entscheidung des US-Konzerns habe man keinerlei Einfluss gehabt.

Bürgermeister Johann Gartner hat diese Woche einen Termin mit dem Werksleiter. „Das ist wieder ein Rückschlag“, seufzt er.

Sprecher: Seit 2008 einfach nicht genug Gewinne

Der „Wirtschaftspark“, in dem es noch das Postverteilungszentrum gibt, hat diesen Namen kaum verdient. „Wir müssen schauen, wie wir über die Runden kommen.“ Was einen bitteren Beigeschmack hinterlässt: Das Förderprogramm für Eaton in Ziersdorf läuft nun aus. „Und am nächsten Tag hören s‘ auf“, knurrt Gartner.

Dass es einen Zusammenhang mit der Landesförderung gebe, stellt Konzernsprecher Jonathan Hart freilich in Abrede. Es habe seit 2008 einfach nicht genug Gewinne gegeben. Schrems soll die Zentrale für die Fertigung aller Komponenten bleiben.

Graf betont indes, dass die Integration der Maschinen ein klares Zeichen des Unternehmens für den Standort im Bezirk Gmünd sei, „für den Wirtschaftsstandort Österreich und Niederösterreich“.

Im Juli 2008 erfolgte der Spatenstich für das neue Werk des damaligen Elektronikkonzern Moeller in Ziersdorf – ein 10-Millionen-Euro-Projekt, das bis zu 250 Arbeitsplätze in die Region bringen sollte. Wenig später übernahm Eaton das Unternehmen.