Erstellt am 17. Februar 2016, 04:04

von Karin Widhalm und Franz Enzmann

Eine Gastro-Idee und brodelnde Gerüchte. Anonymer Brief schwärzt Bauvorhaben des Duos Schüller/Schneider an. Beide klären auf, was der Stand der Dinge ist.

Die früheren Schlosskeller-Pächter wollen auf eigenen Füßen stehen. Foto: Archiv  |  NOEN, Archiv

Die Rede ist von Schmiergeldzahlungen, einem beschleunigten Umwidmungsverfahren und einer Hotelanlage mitten in einer Naturoase. Der anonyme Brief, der die Hollabrunner Redaktion erreichte, schwärzt das Bauvorhaben von Christoph Schüller und Verena Schneider an. Die Gerüchteküche brodelt offenbar.

Schüller: „Nur Fetzen davon stimmen“

„Stimmt nicht, stimmt nicht, stimmt nicht.“ Schüller liest sich den Brief durch. „Das ist eine Zusammenfassung aller Gerüchte. Nur Fetzen davon stimmen.“ Das Duo beschloss, in Mailberg selbstständig zu werden. Die Idee: Haubenlokal, Wirtshaus, Holzchalets, ein biologischer Teich. 1.000 Quadratmeter würden verbaut werden.

Schüller: „Wir sehen in Mailberg Potenzial.“ Schneider: „Wir wollen so wenig wie möglich eingreifen.“ Aber: „Es ist null spruchreif“, spricht Schüller von einem „ungelegten Ei“.

Er solle doch im Ort bauen, steht im Brief. Tatsächlich habe man nach bestehenden Objekten gesucht. Frühere Gasthäuser kamen infrage, nur: Die Besitzer waren an einem Verkauf nicht interessiert. Dann fasste man mehrere Grundstücke ins Auge.

Umwidmung in Sondergebiet wäre einfach

„Ich habe geraten, die Suche im Einklang mit dem örtlichen Zivilingenieur und dem zuständigen Vertreter des Landes durchzuführen“, berichtet Bürgermeister Herbert Goldinger. Gesagt, getan. Die Besichtigung erfolgte im Dezember vor Ort.

Das Land habe dann den Vorschlag geäußert: „Warum baut’s ihr nicht dort?“ Gemeint war ein brachliegender Weingarten am Ortsende, Richtung Immendorf. Eine Umwidmung in Bauland-Sondergebiet „Weinvermarktung/Weintourismus“ wäre einfach: Die Kellergasse ist in der Nähe.

Die Verlegung von Kanal, Wasser und Strom sieht der Bürgermeister unproblematisch: „Das ist eine Entfernung von 30 oder 40 Metern.“ Pluspunkt: der Blick auf Mailberg.

„Klar ist, dass die Lage zum Gesamterfolg des Projekts beiträgt. Das sieht man beim Weindomizil der Hagns: Jeder bewundert die Aussicht“, betont Goldinger. Gerade der Tourismus sei eine Chance für die kleine, ruhig gelegene Gemeinde. Das sieht Gemeinderat Roman Strobl (ÖVP) genauso: „Natürlich ist das sensibel. Aber Christoph Schüller hat schon ein G’spür dafür.“

Was bisher geschah: nur ein Grundsatzbeschluss

Wie ist der Stand der Dinge? Das Grundstück steht im Besitz eines Mailbergers. Verkauft dieser, kommt es zur Bauverhandlung und zum Umwidmungsverfahren. Das ist Sache der Bezirkshauptmannschaft. Der Gemeinderat sagte einstimmig zu, das Vorhaben zu unterstützen. Kommt ein anderes Grundstück infrage, soll ein neuer Beschluss gefasst werden, so Goldinger.

Die ÖVP brachte ihre Bedenken vor, dass der nachbarschaftliche Weingartenbetrieb für keine Aufregung sorgen darf. „Der Grundtenor war aber positiv“, so Strobl.

Keiner der Befragten verstand, warum der Schreiber nicht ein Vier-Augen-Gespräch sucht. Goldinger: „Ich könnte alle Vorwürfe aufklären.“ Übrigens: Schmiergeldzahlungen? „Mir ist als Bürgermeister noch nie irgendetwas angeboten worden“, lacht er. „Und ich als kleiner Landbürgermeister könnte sowieso nichts ausrichten.“

Zum Thema:


Chronik

  • 2012 kamen Christoph Schüller und Verena Schneider nach Mailberg: Sie pachteten den Schlosskeller des Souveränen Malteser Ritterordens und versorgten die (Hotel-)Gäste mit feiner Kulinarik. Das Paar lebt seitdem in Mailberg.

  • Ein halbes Jahr später zeichnete der Restaurantführer Gault-Millau das Duo mit einer Haube aus. Sie strebten eine zweite Haube an. Das gelang nicht auf Anhieb: Die eine Haube verloren sie 2013. 2014 erhielten sie dann zwei Hauben.

  • 2015 kündigten Schüller und Schneider den Pachtvertrag, der bis zum 31. Dezember lief. Sie sahen sich nach bestehenden Objekten in Kärnten, der Steiermark und vor allem im Weinviertel um. Mailberg gefällt ihnen am besten.


Zitiert: „Überall sperren die Wirtshäuser zu“

„Es geht uns darum, ein völlig naturbelassenes Gebiet – nur Weingärten und Wald – für unsere Kinder zu erhalten.“
„Wir“ deklarieren sich als „ein paar Gemeindebürger aus Mailberg, zum Teil Weinbauern“.

„Das war im Gemeinderat grundsätzlich kein Streitthema.“
Roman Strobl (ÖVP)

„Natürlich wird ein Stück Grünfläche verbaut. Aber es werden auch Hallen aufgestellt, wenn’s sein muss.“
Herbert Goldinger (SPÖ)

„Wir vom Weinbauverein sind am Tourismus interessiert. Da ich das Bauvorhaben im Detail nicht kenne, kann ich derzeit keine konkrete Stellungnahme dazu abgeben. Grundsätzlich sind touristische Einrichtungen aber zu begrüßen.“
Hubert Fürnkranz, Obmann des Vereins „Mailberg Valley“.

„Warum freut sich zum Beispiel die Wirtschaftskammer? Es sperren überall die Wirtshäuser zu.“
Christoph Schüller kann die Kritik nicht nachvollziehen.