Erstellt am 16. Januar 2016, 04:53

von Christian Pfeiffer

Entacher: Ein Militär, der über den Tellerrand blickt. Im Vorfeld seines Vortrags „Gerüstet für die Zukunft?“ am 28. Jänner war General Edmund Entacher in Hollabrunn zu Gast.

Die Macher der Hollabrunner Vorlesungen, Jürgen Steinmair (r.) und Christian Kasper (l.), mit dem Vortragenden, dem ehemaligen Chef des Generalstabs des Österreichischen Bundesheeres, Edmund Entacher. Foto: Pfeiffer  |  NOEN, Pfeiffer
Die von Jürgen Steinmair und Christian Kasper ins Leben gerufenen „Hollabrunner Vorlesungen“ eint, dass die Vortragenden allesamt Kapazunder auf ihrem Gebiet sind. So referierte zum Beispiel Johanna Rachinger, Chefin der Nationalbibliothek, Ende Oktober über das „Gedächtnis der Republik“.

„Volksbildnerischer Zugang hat mir imponiert“

Mit Edmund Entacher haben die zwei Lehrer des Erzbischöflichen Gymnasiums erneut einen ganz Großen ködern können. Da liegt es nahe, die Frage zu stellen, warum eigentlich?

Entacher, bis zu seiner Pensionierung Chef des Generalstabs, hat darauf eine einfache Antwort: „Der volksbildnerische Zugang hat mir imponiert. Diese Art von Engagement gibt es nicht mehr oft.“ So bedurfte es kaum der Vollendung der Frage der beiden Lehrer bis zur Antwort des Generals: „Da mach‘ ich gern mit.“

Steinmair und Kasper haben einen Nerv getroffen, schließlich hat Entacher lange Jahre an der Theresianischen Militärakademie unterrichtet. Und schnell kristallisiert sich im Gespräch heraus, dass Entacher von seinem Wesen her immer ein „Mann der Truppe“ war.

Politische „Gefechte“ als Notwendigkeit des Amts

Politische Geplänkel oder „Gefechte“, wie sie anlässlich des letztlich erfolglosen Versuchs des Ex-Verteidigungsministers Darabos, Entacher abzusetzen, ihren Höhepunkt erreichten, sieht der General a. D. militärisch gelassen als Notwendigkeit. Für ihn war der Begriff des Soldaten, trotz des Geburtsjahres 1949, positiv besetzt. Und man glaubt ihm, wenn er schildert, dass er diese Haltung und die damit verbundenen Werte für Generationen von Soldaten begreifbar gemacht hat.

Das Thema des Vortrags am 28. Jänner, um 19 Uhr, im Festsaal des Erzbischöflichen Gymnasiums lautet „Gerüstet für die Zukunft?“. Denn nur, weil der Mann seinen wohlverdienten Ruhestand angetreten hat, bedeutet das nicht, dass Entacher sich keine Gedanken mehr macht.

Ganz im Gegenteil. Ihn stört, dass, zum Beispiel in der sogenannten Flüchtlingskrise, derart viele Meinungen kursieren, die einerseits faktisch falsch sind und andererseits – aus seiner Sicht – am eigentlichen Kern vorbeigehen. Für ihn ist das Problem der „Schutzsuchenden“ nur ohne Xenophobie und im europäischen Kontext zu lösen.

Keine Illusionen zum Krisenherd Syrien

Ob wir als Staat Österreich tatsächlich für die Zukunft gerüstet sind, ist für Entacher aber keineswegs eine rein militärische Frage. Für ihn sind Fragen der Ethik oder des Humanismus durchaus gleichberechtigte Kategorien, die die Sichtweise eines Militärs erst komplettieren.

Es wäre fahrlässig, Entacher deswegen als Idealisten zu beschreiben. Er ist Realist und macht sich zum Beispiel beim Krisenherd Syrien keineswegs Illusionen. Aber sein über Jahrzehnte angesammeltes historisches Wissen und sein geisteswissenschaftlicher Hintergrund lassen ihn ohne Mühe über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaussehen.

Das ist wohl auch die volksbildnerische Absicht des Vortrags. Er soll Einblicke in die Grundzüge der österreichischen Sicherheitspolitik liefern, die Informationslage im Allgemeinen verbessern und mehr Bewusstsein schaffen, warum sich Österreich verteidigen können muss – ein Steckenpferd Entachers. Der ehemalige Chef des Generalstabs liefert somit den besten Beweis, dass man gleichzeitig Patriot und Europäer sein kann.
 

Zur Person:

  • General a. D. Edmund Entacher war Chef des Generalstabs des Österreichischen Bundesheeres. Nach seiner Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie von 1971 bis 1974 bekleidete er verschiedene Funktionen im Jägerbataillon 21 in Kufstein. 1979 bis 1982 absolvierte er die Ausbildung zum Generalstabsoffizier und war danach Hauptlehroffizier für Taktik, Leiter des Institutes für Offiziersausbildung und Chef des Stabes an der Militärakademie.

  • 1992 wurde er zum Kommandanten der 3. Panzergrenadierbrigade in Mautern bestellt. Er leitete mehrere internationale Großübungen und war ab 2002 Kommandant des Kommandos Landstreitkräfte, bis es 2005 mit dem Kommando Internationale Einsätze zum Streitkräfteführungskommando zusammengelegt wurde.

  • Ab 2006 war er Milizbeauftragter und seit dem 1. Oktober 2007 zunächst betrauter, mit Wirkung vom 1. Februar 2008 eingeteilter Chef des Generalstabes. Ende März 2013 trat Entacher in den Ruhestand.