Erstellt am 27. November 2015, 04:03

von Christoph Reiterer

Erinnerungen eines Querdenkers. Warum Paul Scharner bei seiner Abschlussprüfung den Anzug von Karl Schörg trug.

Plauderten aus dem Nähkästchen: Internatsleiter Ernst Plessl, Haus-Chef Karl Schörg, Autor Lars Dobbertin, „Enfant terrible“ Paul Scharner, Josef Keck und Direktor Wolfgang Bodei. Foto: Christoph Reiterer  |  NOEN, Christoph Reiterer

Als am vergangenen Wochenende Hunderte interessierte Besucher durch die HTL Hollabrunn marschierten, war ein besonderer Gast darunter: Paul Scharner, 40-facher österreichischer Teamspieler, ehemaliger Legionär in der englischen Premier League und in der Deutschen Bundesliga, FA-Cup-Sieger mit Wigan Athletic.

Ex-Lehrer hatte „Rebell“ eingeladen

Der Purgstaller, der nun mit seiner Familie im Wienerwald lebt, schaffte vom Austria-Nachwuchs den Sprung in die Bundesliga und absolvierte in Hollabrunn die Fachschule für Elektrotechnik.

Sein ehemaliger Lehrer Josef Keck hatte sich gemeldet und den 35-Jährigen, der als „Rebell“ oft aneckte, polarisierte und 2013 seine aktive Karriere beendete, eingeladen. Das passte gut, weil Scharner gemeinsam mit Autor Lars Dobbertin aus Hamburg gerade die Promotion-Tour für sein erstes Buch absolviert. Titel: „Paul Scharner: Position Querdenker“.

Scharner erzählte, dass er Dobbertin einst als HSV-Profi bei der Premiere des Bond-Films Skyfall kennengelernt hatte. Gute 45 Interview-Stunden wendete der ehemalige Sportbild-Reporter, der heute als Fußballer-Berater fungiert, für das Buch auf. Am Freitag waren beide in der HTL.

Heimweh im fernen Hollabrunn

Scharner stellte sich für eine Fragestunde mit Schülern zur Verfügung. Danach wurde beim Mittagessen mit den Lehrern in Erinnerungen geschwelgt. Man sprach über Scharners unzählige Fehlstunden. Über sein Heimweh im fernen Hollabrunn, dessen Waschbeton-Bau an den Ostblock erinnerte.

„Ich habe gefragt, ob wir hier einen Pass brauchen“, lachte Scharner. Oder über den Tag, an dem er seine Abschlussprüfung schmeißen wollte. Doch Studentenheim-Chef Karl Schörg überredete ihn, das durchzuziehen, eilte nach Hause und borgte Scharner, der nichts mithatte, einen Anzug.

Karrierecoaching und Persönlichkeitsbildung – so stellt sich Scharner seine berufliche Zukunft vor. Als Koordinator mit einem Team von Experten, wo er seine Erfahrungen einfließen lässt. Aber auch seine Auftritte im ServusTV genießt er derzeit.