Erstellt am 03. März 2016, 04:59

von Christoph Reiterer

„Erlebe Hollabrunn als tolerant“. Begegnungszentrum in der Stadt öffnete am Tag der offenen Moscheen seine Pforten.

Nachbarn, Freunde, Entscheidungsträger und viele weitere Interessierte besuchten den Verein albanischer Muslime. Die Gemeinschaft um Obmann Zeadin Mustafi und Referentin Nadire Mustafi (l.) freute sich über das positive Echo. Der Zusammenhalt, den man in Hollabrunn erfährt, sei überwältigend. Foto: privat  |  NOEN, privat
Mehr als 100 aktive Mitglieder zählt der Verein albanischer Muslime in Hollabrunn. Vor fünf Jahren sorgte die Nachricht, dass in der Stadt ein Zentrum für Muslime errichtet werden soll, für Aufregung. Die FPÖ schrieb gar von einer „Mega-Moschee“.

Die Aufregung hat sich längst gelegt. Am Tag der offenen Moscheen wurde allen Interessierten die Möglichkeit geboten, Einblick in den muslimischen Alltag zu gewinnen.

Von Spannungen ist keine Spur mehr

„Damals habe ich mir gedacht: Bist du g’scheit …“, erinnert sich Nadire Mustafi, AHS-Lehrerin in Wien-Margareten, an die Meldungen von damals. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Zeadin, der heuer erneut zum Obmann des Vereins gewählt wurde, ist sie eine Integrationsfigur in der Gemeinschaft. Von Spannungen ist keine Spur mehr.

„Ich erlebe Hollabrunn als wahnsinnig tolerant“, sagt Nadire Mustafi. Das habe sich auch am Tag der offenen Moscheen gezeigt, wie Kjanije Rahmani, die im Verein für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, bestätigt.

Die Freude über den zahlreichen und aufgeschlossenen Besuch sowie über das positive Feedback war riesig. Das Referat von Nadire Mustafi über die Stellung der anderen Religionen im Islam fand großen Anklang. Die Muslime wurden prompt auch zum evangelischen Weltfriedenstag eingeladen.

Ängste werden ernst genommen

Kontakt gibt es auch zu den jugendlichen Flüchtlingen, die im Hollabrunner Studentenheim untergebracht sind. „Sie sind sehr nett, brav und höflich und versuchen, sich einzubeziehen“, erzählt Nadire Mustafi, die acht Jahre alt war, als sie nach Österreich kam, und sich noch gut an ihre Zeit in der Wullersdorfer Volksschule erinnern kann. „Wäre ich damals gesellschaftlich nicht mitgenommen worden, würde ich auch nicht hier stehen …“

Sie würde sich wünschen, dass das Flüchtlingsthema weniger in Extremen und mehr auf humanistische Art und Weise diskutiert wird. „Wenn Fragen kommen, gehen wir natürlich darauf ein“, nickt Nadire Mustafi. Ängste in der Bevölkerung werden ernst genommen.

Den Eklat rund um den „Islam-Wagen“ beim Maissauer Fasching (

und unten) hat man natürlich auch im Verein mitbekommen. Verständnis für diese bewusst gesetzte Aktion könne man freilich nicht aufbringen, aber: „Ich denke mir dann, ich kann nicht die ganze Welt retten. Wenn sie so denken, dann denken sie so.“

Für die kritisierten Entscheidungsträger gibt es „mehr Verständnis von uns, als man glaubt“. Diese sollten jedoch authentischer sein. „Daran fehlt es oft.“