Erstellt am 03. August 2016, 05:52

von Christoph Reiterer

„Man kann von einer Rekordernte sprechen“. Agrarmarkt Austria bat zum Erntegespräch und bekam durchwegs positive Stimmen von den lokalen Experten zu hören.

Fachsimpelten in Kleinweikersdorf: Gerald Patschka, Pflanzenbauausschussvorsitzender Franz Satzinger, Ernest Reisinger (Leiter der NÖ-Abteilung Landwirtschaftsförderung), AMA-Bereichsleiter Christian Gessl, Kammerobmann Friedrich Schechtner, Landesdirektor Josef Kaltenböck (Hagelversicherung), AMA-Chefverwalter Franz Stefan Hautzinger, Rudolf Krupbauer, Abgeordneter Richard Hogl, Lagerhaus-Verwalter Franz Ganzberger, Direktor Edwin Vorhemus, Pflanzenbaureferent Günther Rohrer (Landwirtschaftskammer Österreich) und Lagerhaus-Obmann Johann Rohringer.  Foto: BBK  |  BBK

Vor der traditionellen AMA-Pressekonferenz zur diesjährigen Getreideernte bat Franz Stefan Hautzinger zum Erntegespräch für die Bezirke Hollabrunn, Korneuburg und Tulln, das heuer von der Bezirksbauernkammer Hollabrunn organisiert wurde und im Kleinweikersdorfer Gasthaus „Hier und Jetzt“ stattfand. „Es ist wichtig, einen Überblick zu bekommen“, betonte der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Agrarmarkt Austria.

„Sind von Frühjahrstrockenheit verschont geblieben“

Wie eng Freud’ und Leid beieinanderliegen, habe man an den Frostnächten im April gesehen, so Hautzinger. Im Gegensatz zu anderen Kulturen habe das Getreide kaum etwas abbekommen. „Es ist gute mahlfähige Ware, die hereinkommt, und die Herbstkulturen stehen sehr schön da.“

Für den Bezirk Hollabrunn bestätigte Kammersekretär Gerhard Patschka: „Man kann von einer Rekordernte sprechen, obwohl einzelne Landwirte im Vorfeld sogar noch optimistischer waren.“ Durch einen milden und ungewöhnlich feuchten Winter sei die Versorgung mit Niederschlägen nahezu optimal gewesen. Im Raum Hollabrunn waren 400 mm zu verzeichnen. „Im Vorjahr war’s die Hälfte. Wir sind von einer Frühjahrstrockenheit verschont geblieben“, so Patschka. Den ersten Hitzetag gab’s erst Ende Juni zu verzeichnen.

Bei Wintergerste und Winterweizen habe es vereinzelt sogar Kilo-Erträge im fünfstelligen Bereich pro Hektar gegeben. „Wir schätzen den Betriebsdurchschnitt bei 8.000 Kilo.“
Zu den großen Flächengewinnern zählt heuer der Ölkürbis, der einen Anstieg um 35,9 Prozent auf 4.234 Hektar zu verzeichnen hat. Merkbar rückläufig sind Roggen, Sonnenblume und auch die Sojabohne, die am Boden der Realität angekommen sei, so Patschka. „Das ist nicht unbedingt die ideale Kultur für ein Trockengebiet wie das Weinviertel.“

Qualitätsmenge brauche man keineswegs schlechtreden

Enttäuschte Gesichter habe es mit einer Ertragsschätzung von 3.000 Kilo pro Hektar beim Raps gegeben, dem der Frost doch wehgetan habe. Ständiges Thema, so der Kammersekretär, seien außerdem Pilzkrankheiten gewesen. Vor allem der sogenannte Gelbrost habe im Biobereich und beim Dinkel für massive Mindererträge gesorgt.

Positive Ergebnisse mit einer zehn Prozent größeren Erntemenge als in den letzten Jahren meldeten auch die Korneuburger rund um Kammerobmann Manfred Weinhappel, wenngleich der Gelbrost auch hier ein dominierendes Thema gewesen sei. Die Qualitätsmenge brauche man aber keineswegs schlechtreden.

Das unterstrich auch Hermann Dam, Obmann der Tullner Bauernkammer. Wenn der Proteinwert unter 15 Prozent liege, sei das immer noch eine hervorragende Qualität. Viel mehr tue weh, dass die Landwirte bei den finanziellen Erträgen trotz der hervorragenden Produkte zum fünften Mal in Folge ein Minus schreiben. „Wir brauchen erträgliche Preise, damit es mehr Freude macht.“

Flächenstatistik

HOLLABRUNN (in ha)
Weizen 20.684 (+2,1%)
Sommergerste 6.479 (-10,9%)
Mais 5.103 (-5,6%)
Zuckerrübe 4.712 (-2,8 %)
Ölkürbis 4.234 (+35,9%)
Raps 2.135 (+11,5%)
Kartoffel 2.011 (+10,0%)
Sonnenblume 1.436 (-6,0%)
Feldfutter 1.394 (-1,8%)
Wintergerste 947 (+9,5%)
Roggen 739 (-4,6%)
Durum 737 (+44,1%)
Grünbrache 4.405 (+6,2%)
Acker gesamt 59.747 (+0,3%)
Weingärten 6.839 (+0,7%)