Erstellt am 23. Dezember 2015, 04:48

von Christoph Reiterer

Experte von Uni für Schlachthof Gantner. Externer Tierschutzbeauftragter soll prüfen, ob weitere Maßnahmen notwendig sind.

Aktivisten machten die Tausenden vorbeifahrenden Autofahrer auf die Geschehnisse im Schlachthof aufmerksam. Von manchen ernten sie Drohgebärden, doch die aufmunternden Gesten seien klar in der Überzahl. Von links: Isabell, Thomas, Florian, Manuela, Georg, Daniel und Michaela. Foto: Franz Enzmann  |  NOEN, Franz Enzmann

Nach der Veröffentlichung eines verstörenden Videos aus dem Hollabrunner Schlachthof Gantner, in dem ein Mitarbeiter bei brutalen Misshandlungen von Schweinen zu sehen ist, hielt der Verein gegen Tierfabriken (VGT) vergangene Woche eine Mahnwache bei der Firma am Suttenbrunner Kreisverkehr ab (

).

„Es war nur ein einziger Tag, an dem diese Szenen aufgenommen wurden“, betont David Richter vom VGT. Intention sei es, dass mit den Aufnahmen neue Diskussionen angeregt werden. „Hier wurden eindeutig Gesetze nicht eingehalten.“

Firmenchef: Sechsstelliger Betrag für schonende Gänge

Johann Gantner betont indes, dass sein Familienbetrieb im Jahr 2012 einen sechsstelligen Betrag in die Stallungen investiert habe, um die Gänge so zu gestalten, dass die Tiere sehr schonend getrieben werden können.

„Dadurch kann es im Ablauf zu keiner Situation kommen, die es entschuldigt oder gar notwendig macht, Tiere zu schlagen“, betont der Unternehmer. Es gebe für alle Bereiche des Betriebs konkrete Arbeitsanweisungen, die dies auch dezidiert verbieten.

Weil Schweine lieber bergauf gehen, wurde der Boden mit Steigung errichtet. Die Gänge wurden so angelegt, dass die Tiere sich nicht stauen und in Kleingruppen zusammenstehen, erklärt der Geschäftsführer.

Nach der Veröffentlichung des VGT-Videos (

) seien alle Mitarbeiter vom Tierschutzbeauftragten umgehend nachgeschult worden. Die CO-Anlage sei so optimiert worden, dass es darin zu keinen Wartezeiten kommen kann.

In den Stallungen wurden drei Kameras installiert

Zusätzlich zum internen Tierschutzbeauftragten werde ab Jänner ein externer Tierschutzbeauftragter der Uni Wien den Betrieb beraten. Er soll etwaige weitere Verbesserungsvorschläge unterbreiten. „Ich möchte damit Fehlern durch Betriebsblindheit entgegenwirken“, zeigt sich Gantner bemüht, auf jede Kritik einzugehen.

In den Stallungen wurden drei Kameras installiert, zwei weitere sind in Planung. Die Aufzeichnungen werden aufgehoben und stichprobenartig überprüft. Auf der BH gab es vergangene Woche eine Besprechung. Gegen den gefilmten Mitarbeiter wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Zu den VGT-Vorwürfen, dass dieser Mitarbeiter den ganzen Tag sehr isoliert gewesen sei, erklärt Gantner, dass immer zwei Mitarbeiter in den Stallungen tätig seien. Zusätzlich werde der Vorgang von einem Tierarzt überprüft. Das Ausladen der Tiere werde von den Fahrern vorgenommen. „Damit ist in diesem Bereich des Betriebs in der Regel mehr als eine Person tätig“, erklärt der Chef.

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Hintergrund

Pro Schlachttag werden rund 1.000 Tiere geschlachtet.

Ist die CO-Betäubung tatsächlich die schonendste Methode? Gantner: „Bei der alternativen Betäubungsmethode mit Strom müssen die Tiere im Gänsemarsch getrieben und von der Gruppe getrennt werden. Dies widerspricht dem Instinkt der Schweine und führt zu Stress. Bei der Betäubung mit CO ist die Einhaltung der vorgeschriebenen Parameter essenziell. Wenn korrekt gearbeitet wird, sind die Schweine in wenigen Sekunden betäubt. Durch die räumliche Trennung bekommen die anderen Schweine nichts mit und es kommt zu keinem Stress unter den Tieren.“

Ein Biozertifikat berechtigt den Schlachthof Gantner, Bioschweine zu schlachten. Dafür muss der Betrieb unter anderem vorweisen, dass die Schlachtung zeitlich getrennt vorgenommen wird und es zu keiner Durchmischung der Tiere kommen kann.